Kartoffeln schälen für den guten Zweck

Kartoffelschälen und Zwiebelschneiden - für die Missionaries of Charity (Mutter-Teresa-Schwestern) in Essen gehört das zur täglichen Arbeit in ihrer Suppenküche. Im Rahmen des "Tages der offenen Klöster" hatten die Ordensfrauen eingeladen, diesen Alltag kennenzulernen. Auch Weihbischof Ludger Schepers band sich die Schürze um.


Weihbischof Schepers zu Besuch bei den Missionaries of Charity

Der Geruch nach Kartoffeln, Kohl und Hühnchen kommt aus der Küche. Obwohl es erst neun Uhr morgens ist, riecht es bereits im ganzen Erdgeschoss nach Eintopf. Neben dem Waschbecken in der Küche stehen zwei Schwestern in ihren weiß-blauen Gewändern, waschen das Gemüse und werfen es in einen großen Topf auf dem Gasherd. Die Vorbereitungen für das Abendessen in der Suppenküche laufen auf Hochtouren. Kein ungewöhnliches Bild bei den Missionaries of Charity (Mutter-Teresa-Schwestern) in Essen. So geht es hier um diese Uhrzeit an sechs Tagen in der Woche zu. Ungewöhnlich ist nur, dass ihnen heute Gäste dabei über die Schulter schauen, denn normalerweise helfen hier alle mit. Doch heute ist „Tag der offenen Klöster“ im Bistum Essen und daher ist es ausnahmsweise auch mal in Ordnung, „nur“ zuzuschauen.

Nur zuzuschauen, das kommt für die beiden Damen aus der Nachbargemeinde, die im Nebenraum Kartoffeln schälen, nicht in Frage. Mit kleinen, routinierten Bewegungen ziehen sie das Schälmesser über die Kartoffeln und während sie von ihrer Arbeit und ihrer Motivation erzählen, wächst der Haufen mit den Kartoffelschalen auf dem Tisch zusehends. Das zeugt von Erfahrung. Kein Wunder, denn seit drei Jahren kommen sie jeden Samstag hierher und helfen in der Küche mit. „Mit Ausnahme von einigen Wochenenden. Urlaub dürfen wir schon noch nehmen“, schmunzelt die eine der beiden. Dass sie den nicht von den Schwestern genehmigen lassen müssen, ist klar, denn ihr Engagement ist ehrenamtlich. Auch von ihren Bekannten weiß keiner, dass die beiden hier sind: „Wir machen das schließlich nicht für uns, nicht für Anerkennung, sondern weil wir den Menschen etwas Gutes tun wollen“, betonen sie. Da schrecken auch die drei großen Kartoffelsäcke nicht ab, die sie noch vor sich haben. Unterstützung bekommen sie zudem vom dritten Mann im Team: Auch Weihbischof Ludger Schepers hat sich heute die Küchenschürze umgebunden. Für ihn ist der „Tag der offenen Klöster“ eine gute Gelegenheit, zumindest für ein paar Stunden lang, an dem Leben in den Ordnensgemeinschaften teilzunehmen. Das Kartoffelschälen stellt für ihn dabei kein großes Problem dar, schließlich kocht er selber gerne und oft. „Viel schlimmer wären Zwiebeln, aber die kommen Gott sei Dank erst später“, schmunzelt Schepers.


Ein Händedruck, eine Hand auf der Schulter...

Wie vielen Menschen die drei heute mit dem Eintopf wieder etwas Gutes tun werden, das kann noch keine der Frauen sagen. Manchmal seien es 50 Bedürftige, manchmal weniger, an Sonn- und Feiertagen auch schon mal mehr. „Denn da gibt es dann meist auch etwas ganz Besonderes zu essen“, verraten sie. Dafür, wie viel Eintopf sie kochen müssen, haben die Schwestern und ihre Helfer mittlerweile ein gutes Gespür entwickelt. Heute zum Beispiel machen sie vorsichtshalber eine größere Portion, denn der Juni ist beinahe vorbei. „Zum Monatsende haben die Leute kein Geld mehr. Dann kommen sie zu uns, denn hier müssen sie nichts bezahlen“, weiß eine jüngere Schwester. Möglich wird das durch die vielen Lebensmittelspenden, die die Schwestern bekommen, größtenteils von den Essener Tafeln. „Sollte mal etwas fehlen, kaufen wir das auch“, erzählt die Schwester weiter. „Bei uns werden doch immer alle satt. Im Zweifelsfalle gibt es dann eben Brot“.

So wichtig die Lebensmittelspenden sind, der persönliche Einsatz wird bei den Missionaries of Charity groß geschrieben. „Natürlich sind wir froh über jede Spende, die wir bekommen. Aber schöner ist es, wenn Leute ihre Zeit spenden“, erzählt eine von ihnen. Und zu tun gibt es wirklich immer etwas: Wenn sie nicht in der Küche, im Garten oder im Haus beschäftigt sind, dann nehmen sich die Helfer Zeit für die Obdachlosen, die im Ordenshaus unterkommen. „Ein Händedruck zur Begrüßung, eine Frage nach dem Wohlbefinden oder eine Hand auf der Schulter – das ist es, was den meisten fehlt“, weiß eine andere Schwestern: „Und das ist es, was sie hier bekommen können. Denn wir sind für die Ärmsten der Armen da – und das sind die Menschen, die keinen an ihrer Seite haben“. (ms)

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