Interview mit Weihbischof Vorrath: "Mein Haus ist offen!"

In der diesjährigen Adventszeit hat das Bistum Essen alle Gemeinden zwischen Rhein und Lenne zur Teilnahme an einer besonderen Aktion aufgerufen: Die 250 Kirchen des Bistums sollen an den 25 Tagen der Adventszeit geöffnet sein!

Interview mit Weihbischof Franz Vorrath

In der diesjährigen Adventszeit hat das Bistum Essen alle Gemeinden zur Teilnahme an einer besonderen Aktion aufgerufen: Die 250 Kirchen des Bistums sollen an den 25 Tagen der Adventszeit geöffnet sein! Wir sprachen mit Weihbischof Franz Vorrath, der durch einen persönlichen Brief an alle Pfarrer, Pastoralteams, Pfarrgemeinderäte, Gemeinderäte und Kirchenvorstände dazu eingeladen hat, diese Initiative zu unterstützen.


Herr Weihbischof, wie kam es zu der Idee für diese Aktion?

Weihbischof Vorrath: Die meisten Kirchen in unserem Bistum sind aus Angst vor Vandalismus nur zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. Das ist einerseits verständlich, andererseits doch auch ein Ärgernis. Wir laden die Menschen als Kirche immer wieder ein: zu Aktionen, zu Gottesdiensten, zu Festen usw.; nur unsere Gotteshäuser halten wir fast ganztägig geschlossen! Ich bin mir sicher, dass nicht wenige Menschen eine Kirche auch aufsuchen würden, wenn diese geöffnet wären. Das zeigt sich auch in den Innenstadtkirchen unseres Bistums, die täglich geöffnet sind, und von vielen Beterinnen und Betern genutzt werden. Für die Initiative „Offene Kirche“  haben wir ganz bewusst die Zeit des Advents gewählt, um in dieser oftmals hektischen Zeit unsere Gotteshäuser als Orte  der Stille, der Besinnung und des Gebetes anzubieten.


Wie soll denn der von Ihnen beschrieben Gefahr des Vandalismus begegnet werden?

Weihbischof Vorrath: Natürlich wäre es fahrlässig, die Kirchentüren in dieser Zeit einfach nicht mehr abzuschließen. Darum sollen sich in den Kirchen während der Öffnungszeiten Gemeindemitglieder als „Gastgeberinnen“ bzw. „Gastgeber“ aufhalten. Es zeigt die Erfahrung, dass allein durch die Anwesenheit einer Person der Gefahr des Vandalismus begegnet werden kann.

Was sind denn die Aufgabe dieser Gastgeberinnen, bzw. Gastgeber? Müssen sie Gebete vorbereiten, oder nur die Leute begrüßen?

Weihbischof Vorrath: Beides brauchen sie nicht zu tun. Im Wesentlichen geht es bei dieser Aufgabe um eine zurückhaltende Anwesenheit in der Kirche. Natürlich sollen sich die Gastgeberinnen keinem Gespräch verweigern, aber es wird nicht erwartet, dass sie die Menschen überschwänglich begrüßen. Wir wissen ja auch, dass sich dadurch manche Menschen eher abgeschreckt fühlen. Es geht bei diesem Projekt wirklich im Wesentlichen darum, dass unsere Kirchen zu verlässlichen Zeiten geöffnet sind, damit Menschen hier Ruhe, Stille und Zeit für das Gebet finden. Natürlich kann durch Kerzenlicht und auch durch meditative Musik von einer CD die einladende Atmosphäre der Kirche hervorgehoben werden. Es geht aber nicht um spektakulären Aktionen, Konzerte oder Darbietungen.


Welche Unterstützung können die Gemeinden erwarten?

Weihbischof Vorrath: Seitens des Bistums haben wir den Gemeinden Werbeflyer und Plakate für diese Aktion zur Verfügung gestellt. In den Flyern ist das Anliegen dieser Initiative beschrieben, und es finden sich dort auch Ideen für die Umsetzung. Rechtzeitig vor dem 1. Advent bekommen die Gemeinden auch Gebets- und Impulszettel, die in den Kirchen ausgelegt werden können. Einer dieser Zettel ist so gestaltet, dass er Freiraum lässt um eine Fürbitte aufzuschreiben. Diese Fürbitten können dann auch in den Gottesdiensten aufgegriffen werden. Wir werden natürlich auch für eine gute Bewerbung dieser Aktion in der Öffentlichkeit sorgen. 


Ist es denn wirklich zu erwarten, dass alle Kirchen geöffnet sein werden?

Weihbischof Vorrath: Wäre es nicht eine großartige Pressemeldung: „250 Kirchen im Bistum Essen sind 25 Tage geöffnet“? Doch wenngleich ich mich über eine solche positive öffentliche Schlagzeile sehr freuen würde, möchte ich natürlich auch realistisch bleiben. Wir können die Menschen in unseren Gemeinden und Pfarreien ja nur einladen und motivieren, sich an dieser Initiative zu beteiligen. Mancherorts mögen dem gute Gründe entgegenstehen. Darum wird es sicher nicht gelingen, alle 250 Kirchen an allen 25 Tagen ganztägig geöffnet zu halten. Doch jeder Tag, ja jede zusätzliche Stunde zählt um das Leitwort dieser Aktion umzusetzen: „Mein Haus ist offen!“


Für wen sollen die Kirchen denn geöffnet werden? Was ist, wenn das Angebot überhaupt nicht angenommen wird?

Weihbischof Vorrath: Die Frage „Wird denn überhaupt jemand kommen?“ bewegt natürlich viele Menschen die sich für dieses Projekt interessieren. Mir ist dabei wichtig zu betonen, dass die Einladung „Mein Haus ist offen“ nicht nur an andere Menschen, sondern auch an uns selbst gerichtet ist. Alle Gruppen und Kreise, Verbände und Gremien in unseren Gemeinden sind eingeladen, ihre Kirche in dieser Adventszeit als Ort der Stille und des Gebetes aufzusuchen. Wenn dies gelingt, ist schon ein wichtiger Schritt getan.

Wer kann sich an dieser Aktion beteiligen?

Weihbischof Vorrath: Jedes Gemeindemitglied ist eingeladen, diese Initiative zu unterstützen. Vielleicht lassen sich für diese Aufgabe auch Menschen ansprechen, die sich sonst an Gemeindeaktionen nicht so sehr beteiligen können oder wollen, wie z.B. rüstige Seniorinnen und Senioren. Wenn sich in einer Gemeinde 50 Personen finden, die für diese Aufgabe in der Adventszeit jeweils 4 Stunden Zeit zur Verfügung stellen, kann eine Kirche an den 25 Tagen jeweils acht Stunden geöffnet sein. Dabei vertraue ich sehr darauf, dass sich auch die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Anliegen der Aktion zu eigen machen, und ihrerseits Menschen in den Gemeinden zur Mitarbeit motivieren.


Wir danken Ihnen für das Gespräch und hoffen mit Ihnen, dass viele Menschen in der Adventszeit das Angebot der „Offenen Kirche“ annehmen, als Einladende oder als Eingeladene.

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