„InnovationCity hat eine starke soziale Komponente“

Dass ökologisches und soziales Engagement keine Gegensätze sein müssen, unterstrich der Oberbürgermeister Bernd Tischler, Bottrop, beim „Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen“ in Essen. Beim Ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom sprach er zum Thema „InnovationCity. Zur öko-sozialen Verantwortung einer Ruhrgebietskommune“.

Ulrich Lota zur Bedeutung des Sozialpolitischen Aschermittwochs (Quelle: domradio.de)

Oberbürgermeister Bernd Tischler beim Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen

Dass ökologisches und soziales Engagement keine Gegensätze sein müssen, unterstrich der Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Bernd Tischler, beim „Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen“ in Essen. Vor den zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft sprach er beim Ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom zum Thema „InnovationCity. Zur öko-sozialen Verantwortung einer Ruhrgebietskommune“.  „Unsere Stadt findet zur Zeit große Beachtung, nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus“, freute sich Tischler. Denn die rund 120.000 Einwohner zählende Stadt hat den vom Initiativkreis Ruhr und dem Land Nordrhein-Westfalen veranstalteten Wettbewerb „InnovationCity“ gewonnen und wird als Klimastadt der Zukunft in den nächsten zehn Jahren beispielhaft zur Niedrigenergiestadt umgebaut.

In seiner Ansprache machte Tischler deutlich, dass es notwendig sei, als Stadt und Gemeinde, „als Lebensebene der Menschen“ eine auf Nachhaltigkeit und Zukunft ausgerichtete Verantwortung zu übernehmen Diese erstrecke sich auf alle Handlungsfelder, von der Abwasser- und Abfallwirtschaft, Wasser- und Energieversorgung, öffentlichem Nahverkehr, Schulen, Gesundheitswesen, Sport und kulturellen Angeboten bis hin zum Wohnen und zum Arbeitsmarkt.  „Hinter diesen Handlungsfeldern steht der Kerngedanke, dass die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger an bestimmten Grundleistungen und an der gesellschaftlichen Entwicklung notwendig ist, wenn wir den sozialen Frieden wahren wollen“, so Tischler. Die „große Bedeutung des Miteinanders für diese Gemeinschaft“ und die Art der gemeindlichen Aufgaben machten die kommunale Ebene zu einem Ort, der sowohl eine soziale als auch ökologische Dimension habe. „Es gehe um „Fragen der Gerechtigkeit, zwischen den Bevölkerungsgruppen und zwischen den Generationen“, betonte der Oberbürgermeister. Das umfasse die Frage nach der Wohnqualität, nach dem Angebot und der Verteilung von Arbeit ebenso wie die Frage nach Chancengleichheit im Bildungswesen und Integration von Zuwanderern.

Zur Generationengerechtigkeit gehört für Tischler der Begriff der Nachhaltigkeit. Das betreffe den Umgang mit den vorhandenen Ressourcen genauso wie die finanzielle und ökologische Belastung nachfolgender Generationen. „Wir in Bottrop versuchen so wie andere Städte, überzeugende Antworten zu finden und Strategien zu entwickeln, die uns gute Zukunftsperspektiven bieten“, so
Tischler. Die Chancen, die sich für Bottrop aus der Perspektive ergeben, Modellstadt der Energieeffizienz zu werden, gingen weit über die Chancen für den Klimaschutz hinaus.


Verantwortung für eine gerechtere Gesellschaft

„InnovationCity“ beinhaltet für den Oberbürgermeister nicht nur umweltpolitische Aspekte, sondern von ihr erhofft er sich auch „soziale Auswirkungen. „In den Projektinhalten und der Projektausrichtung findet sich der Ansatz der Verantwortung für eine gerechtere Gesellschaft wieder“, betonte Tischler. Wichtig sei, dass sich Bürger ihrer Stadt zugehörig fühlten. Daraus würden Verantwortung und Engagement entstehen. „InnovationCity“ sei gemeinschaftsstiftend und habe eine starke soziale Komponente. „Sozial ist es, wenn sich Wohnbedingungen verbessern, wenn Heiz- und Stromkosten durch eine effizientere Energienutzung sinken, wenn Gewerbegebiete ihre Emissionen und damit die Belastung der Anwohner senken können oder durch umweltfreundliche Möglichkeiten der Mobilität weniger Beeinträchtigung durch Schadstoffe und Verkehrslärm entstehen“, unterstrich Tischler. Für ihn ist die Kernfrage sozialer Politik die „Teilhabe der Menschen an Bildung, Arbeit und Wohlstand“. Bildungsarmut führe oft auch zu wirtschaftlicher Armut und zu „mangelnder Teilhabe am Wohlstand unseres Landes“. Kinder und Jugendliche müssten gleiche Bildungschancen haben.

Wenn es gelinge, Klimaschutzprojekte auch als wirtschaftliche Chance zu begreifen und zu nutzen, „bedeutet dies eine realistische Möglichkeit, neue und vor allem zukunftssichere Arbeitsplätze in der Metropole Ruhr zu schaffen und zu sichern“, führte Tischler aus. Für ihn bedeutet die Wahrnehmung sozialer Verantwortung auch, „Geld in die Hand zu nehmen“.  Die Städte müssten sich stark machen für eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen, um das „finanzielle Ausbluten der Lebensebene der Bürger“ zu verhindern.

„Verzicht soll den Blick auf das lenken, was wirklich wichtig ist in unserem Leben“, sagte Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zu Beginn des Gottesdienstes mit Blick auf die jetzt beginnende Fastenzeit. Diese Frage könne und müsse sich auch eine Gesellschaft stellen, müsse hinterfragen, was wirklich wichtig sei für das Zusammenleben und wie dieses gerecht gestaltet werden könne. Bereits heute müsse Verantwortung für zukünftige Generationen übernommen werden. Die Stadt Bottrop habe mit „InnovationCity“ in besonderer Weise eine „Verantwortung für ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Ruhrgebiet übernommen“, so Overbeck.

Dass sich „InnovationCity“ zu einer „InnovationRegion“ entwickeln möge, das wünscht sich Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Vortrag habe deutlich gemacht, dass „InnovationCity“ kein technologischer Vorgang sei, sondern „im Kern ein sozialer“, so Schneider. Ohne das Mitgehen der Menschen könne Zukunftsgestaltung nicht gelingen. Als Grundbedingungen für gelingendes Leben nannte der Präses die „Generativität von Leben“ – das unterstützende Miteinander von Kindern, Eltern und Großeltern - und eine „stabile Umwelt“. (do)

Ansprache von Oberbürgermeister Bernd Tischler

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