„Innere Freiheit schafft innere Festigkeit“

Dass innere Freiheit eine innere Festigkeit und Unabhängigkeit schaffe, unterstrich die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Freitagabend im vollbesetzten Essener Dom. In der Reihe "Glaubenszeugnisse in der Fastenzeit" sprach sie zum Thema "Eine andere Lebensmöglichkeit".



Annette Schavan sprach im Essener Dom

Dass der Essener Dom am Freitagabend bis auf den letzten Platz gefüllt war, lag sicherlich auch am Namen und an der Reputation der Rednerin. Denn die frühere Bundesbildungsministerin und CDU-Politikerin Annette Schavan hielt in der Reihe „Glaubenszeugnisse in der Fastenzeit“ die Ansprache. Wer nüchterne politische Statements oder populistische Parolen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Hier sprach eine überzeugte Katholikin, mit wohl gewählten Worten, mal ruhig, mal gestenreich, mal fragend, aber auch deutlich in ihren Aussagen. Was Annette Schavan zum Thema „Eine andere Lebensmöglichkeit“ ausführte, war religiös und politisch zugleich.

Ihre Ansprache knüpfte sie an eine Schilderung aus der Bibel: Jesus begegnet einem reichen Mann, der nach eigenem Bekunden alle Gebote befolgte, und sagte ihm, dass dies noch nicht genüge. Er solle sich von seinem Reichtum, von allem, was er sich in seinem Leben erarbeitet hat, trennen, das Geld den Armen geben und Jesus nachfolgen. Denn sonst könne er nicht in das Reich Gottes gelangen. „Diese Geschichte verwirrt, verunsichert und stellt uns Christen so konsequent und existenziell die Frage nach unseren Bindungen“, so Schavan. Es gehe also nicht allein um „Kontostand und Geld“ im Leben, sondern um mehr.

Diese biblische Schilderung sei eine „ganz politische“ Geschichte. „In ihr stellt sich für uns die Frage, wie frei wir dafür sind, Partei für die zu ergreifen, die arm, ohne Besitz, ausgegrenzt und schutzlos sind“, betonte die Politikerin. Zugleich biete die Geschichte eine neue Lebensmöglichkeit an, sei ein „Ruf in die Freiheit“. Es gehe darum, Sinn zu finden im Loslassen und sich den Hilfsbedürftigen und Schwachen zuzuwenden. „Diese neue, andere Lebensmöglichkeit ist das große Thema für jede Christin und jeden Christen“, unterstrich Schavan.

Diese neue Lebensmöglichkeit sei zugleich „Quelle einer großen Gelassenheit und Unabhängigkeit von den „Hosianna- und Kreuzigungsrufen des öffentlichen Lebens“. Wer lange im Fokus der Öffentlichkeit stehe, kenne Beides, die Jubelrufe und das Verurteilen, die „Versuchung zu Euphorie und Depression“. Beides sei nicht die Grundhaltung von Christen. „Denn Beides beschreibt Abhängigkeiten: zum einen vom Urteil anderer, zum anderen von Geltungssucht und reiner Ich-Bezogenheit“, so Schavan. Innere Freiheit aber schaffe innere Festigkeit. Das gelte für jeden Einzelnen wie auch die Kirche im Ganzen.

„In meiner politischen Arbeit trägt mich diese innere Freiheit auch in schweren Tagen“, bekannte die Politikerin, für die die Wertschätzung von Verantwortung „ins Innerste der politischen Kultur“ gehört. Sie warnte jedoch davor, Freiheit mit Willkür und Beliebigkeit zu verwechseln. „Unser Bild vom Menschen ist eines, in dem Freiheit und Festigkeit zwei Seiten einer Medaille sind, verbunden mit der Treue Gottes“, so Schavan. (do)

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