„Innehalten – still werden – besinnen“

Die Welt der Arbeit und die Welt des Glaubens gehören zusammen. Das unterstrich Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck bei der Barbarafeier in den Hüttenwerken Krupp Mannesmann in Duisburg. Mit Nachdruck sprach er sich für den Schutz des Sonntages aus.


Fast 1000 Besucher bei Barbara-Feier im Duisburger Hüttenwerk

Adventliche Klänge schallen durch den ehemaligen Elektrobetrieb der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg. In warmes Licht ist die Halle getaucht. Kerzen brennen am stählernen Altar. Die Stuhlreihen sind schon weit vor Beginn der „Barbara-Feier“ gefüllt, die unter dem Motto „Macht hoch Tor I“ zum sechsten Mal stattfindet. Auch in der Nachbarhalle verfolgen Besucher den Ökumenischen Gottesdienst auf einer großen Leinwand. Es sind fast 1000 Menschen, nicht nur Belegschaftsmitglieder, sondern Bürger aus den benachbarten Stadtteilen, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sowie der Kirchen, unter ihnen auch die Regierungspräsidentin von Köln, Gisela Walsken, und der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck.

„Aus einer guten Idee ist eine Tradition geworden“, betont Dr. Rolf Höffken, Geschäftsführer Technik bei HKM,  in seiner Begrüßung. Der ökumenische Gottesdienst zum Barbara-Tag sei eine gute Gelegenheit, „einmal innezuhalten, still zu werden, sich zu besinnen“. Mit Blick auf das zu Ende gehende Jahr spricht Höffken von „positiven Entwicklungen“ beim Hüttenwerk. Nach einjährigem Stillstand sei im Januar der Hochofen A wieder angeblasen worden. „Das markierte das Ende der Krise“, so der Geschäftsführer. Der Beschluss des Aufsichtsrates vom September, die Kokerei zu erweitern, sei ein „Aufbruch in die Zukunft“ und eine „Weichenstellung für die Sicherung des Standortes“.

Innehalten, still werden, besinnen - Eingangsgebet und „Kyrie“  (Anrufung Christi) rufen dazu auf: „Auf unserer Stadt liegt seit Juli ein Schatten. Wir sind gelähmt, hilflos. Steh uns bei!“ Die Gedanken wandern zurück zu den Erlebnissen und Bildern der Love-Parade-Katastrophe. Ganz still ist es in der Halle.

Der Mündelheimer Pastor Rolf Schragmann erzählt von der heiligen Barbara, die im 3. Jahrhundert lebte und gegen den Willen ihres Vaters Christin wurde. Dieser soll sie der Überlieferung nach enthauptet haben, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben aufzugeben. „Barbara ist ein Vorbild für alle, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, die nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen", so der Pastor. Er erinnerte an den seligen Nikolaus Groß, den Katholiken, Arbeiter, Journalisten, Familienvater und Widerstandskämpfer, der 1945 wegen seiner Glaubenstreue von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Ein Filmausschnitt aus dem Musical „Nikolaus Groß“ zeigt die Parallelen zwischen der heiligen Barbara und dem Widerstandskämpfer auf.


Barbara - Symbol für regionale Identität und Integration

Dass die Welt der Arbeit und die Welt des Glaubens zusammengehören, betont Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in der Predigt. Das zeige allein schon die Feier eines Gottesdienstes in einer Stahlhütte. „Heute gehört die Barbaraverehrung zum gemeinsamen Kulturgut des Ruhrgebietes“, so Overbeck. Sie sei zu einem „Symbol für eine regionale Identität und Integration“ geworden.  Die Adventszeit sei eine „Zeit des Wartens, des Wartens auf Gott, der Mensch wird“. Der Ruhrbischof warnte davor, die eigentliche Bedeutung dieser Zeit aus den Augen zu verlieren. „Wir sind von Gott geschaffen und von Gott gewollt in diese Welt gesetzt“, betont Overbeck. Es gebe „kein Leben ohne Gott“.

Der Bischof spricht von den großen Veränderungen und Herausforderungen, die der Strukturwandel im Ruhrgebiet mit sich brachte und bringt. Er spricht von Bevölkerungsschwund, Arbeitsplatzabbau und Betriebsschließungen. Er spricht aber auch von positiven und hoffnungsvollen Zeichen: „Hier packen Menschen beherzt an. Hier ist der Ort, wo Gott will, dass wir die Welt hüten und gestalten.“ Es gehe darum, dem Glauben auch einen „Platz in der Arbeitswelt“ zu geben. Mit Nachdruck spricht sich der Ruhrbischof für den Schutz des Sonntags aus. „Dieser Tag der Ruhe ist notwendig, damit der Mensch zu sich und seiner Bestimmung zu Gott finden kann“, betont Overbeck.


Unterstützung für ökumenische Schulmaterialkammer

Es wird gebetet und gesungen.  Flotte Rhythmen des Chores „TonArt“ (Leitung: Andreas Rabeneck) schallen durch die Halle, an deren Stirnseite das große Barbara-Bild des Duisburger Künstlers Hans Büning hängt. Die „Duisburg Voices“ unter Leitung von Professor Dr. Okko Herlyn setzen mit ihrem A-cappella-Gesang gekonnt meditative Akzente. Das alte Adventslied „Macht hoch die Tür“, begleitet vom CVJM-Posaunenchor Ungelsheim, erfüllt die große Werkshalle zum Schluss des Gottesdienstes.

Doch es ist noch nicht Schluss. Im Vorzelt trifft man sich bei Glühwein und Gebäck. Handsignierte Poster und von HKM-Azubis gefertigte Eisenkreuze, Windlichter und Fische werden zum Verkauf angeboten. Mit dem Erlös und der Kollekte wird die ökumenische Schulmaterialkammer in Duisburg-Buchholz unterstützt. Auch die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung bietet ihre Waren zum Verkauf an. Maler des „Turms 66“ zeigen ihre Bilder. Es gibt viel zu sehen und auch zu erzählen. „Das ist wieder richtig schön hier“, schwärmt eine Besucherin.

Eine „Brücke zwischen Glaube und Arbeitswelt“ schlagen wollen die Veranstalter, die Hüttenwerke Krupp Mannesmann, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA), die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und die IG Metall, mit dieser Feier. Dass das auch in der heutigen Zeit möglich ist, zeigt die große Besucherresonanz. (do)

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