„In lebendiger Beziehung zu Jesus Christus leben“

Der Priester ist nicht irgendein kultisch Handelnder, er ist kein Wortakrobat in der Verkündigung oder Gemeindemanager, sondern lebt in einer lebendigen Beziehung zu Christus. Das unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Freitagabend, 25. Mai, im Essener Dom, wo er drei Diakone zu Priestern weihte.



Bischof Overbeck weihte drei Diakone zu Priestern

Die Diakone Thomas Fahle aus Duisburg (Karmelgemeinde Mutter vom guten Rat), Stephan Markgraf aus Lüdenscheid (Pfarrei Maria Königin) und Sven Christer Scholven aus Bochum (Pfarrei Liebfrauen) hat der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, am Freitagabend, 25. Juni, im Essener Dom zu Priestern geweiht. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes, musikalisch gestaltet von Solisten, den Essener Domsingknaben unter Leitung von Domkapellmeister Georg Sump, Musikern der Essener Philharmonie und Domorganist Jörg Schwab, wurden die Weihekandidaten vorgestellt. Sie rief der Regens des Bischöflichen Priesterseminars St. Ludgerus, Domkapitular Monsignore Jürgen Schmidt, mit Namen auf. Mit der Antwort „Hier bin ich“ erklärten die Diakone ihre Bereitschaft zum Dienst in der Kirche.

Die Weihekandidaten versprachen, das Priesteramt in Gemeinschaft mit dem Bischof auszuüben, den Dienst der Leitung, der Sakramente und der Verkündigung zu übernehmen und den Armen und Notleidenden zu helfen. Durch Handauflegung weihte Bischof Overbeck die Diakone dann zu Priestern. „Dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott von Ihnen in der Kraft seines Geistes Besitz ergreift, dass Sie unter Gottes Händen geborgen sind und auch die Geborgenheit der Kirche erfahren“, betonte Overbeck. Auch alle anderen anwesenden Priester legten ihnen die Hände auf. Als Zeichen ihres Dienstes erhielten die Neupriester die priesterlichen Gewänder. Anschließend salbte der Bischof ihnen die Hände. Für die Feier der Eucharistie, die im Mittelpunkt des Priesteramtes steht, wurden ihnen Kelch und Patene (Hostienschale) überreicht. Zum Abschluss der Weihehandlung erteilte Overbeck ihnen den Friedensgruß als Zeichen der priesterlichen Gemeinschaft.


Der Priesterdienst zwischen Zuspruch und Skepsis

Das kirchliche Leben in Deutschland ist nach Ansicht des Bischofs von der Spannung zwischen einer „Sehnsucht nach dem Priester“ und einer gleichzeitigen großen Skepsis und Sorge um diejenigen, die den priesterlichen Weg gehen, durchzogen.  „Die Gründe dafür liegen in der ungeheuren Umbruchsituation der Kirche in unserem Land, haben mit den Menschen und ihren unterschiedlichen Ansprüchen und ihren Vorstellungen von den Aufgaben des Priesters zu tun, alle in der Gemeinde zusammen zu halten“, betonte Overbeck in der Predigt. Die Gründe für Zuspruch und Skepsis lägen auch in dem „hohen Anspruch an die persönliche Lebensführung“, von der Authentizität im Glauben bis zum Zölibat, von einer „klugen Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz im Umgang mit den Menschen“ bis zur erhofften und oft eingeforderten „Empathie des Priesters, der schließlich auch Serviceleister für religiöse Dienstleistungen verschiedenster Art, an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichsten Zeiten sein soll“, so Overbeck.

Bei allen unterschiedlichen Erwartungshalten, Befürchtungen, Ängsten, Hoffnungen und bei aller Freude liege der tiefe Grund des Priesterseins darin, dass „Christus die Mitte der Kirche und des Glaubens“ sei.  Es gehe darum, „dass alle Gläubigen immer tiefer in eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus eintreten, damit alle suchenden Menschen ihn kennen lernen“, betonte der Bischof. Es gehe um alle existenziellen Kräfte des Menschen, „damit Jesus selbst die Form unseres Lebens wird“. Das sei der Sinn der Kirche und ihrer Sendung. In dieser Sendung habe das Priestertum seinen Ursprung. Bei dem priesterlichen Dienst könne es nie um den Priester selbst gehen, sondern „nur um Jesus Christus und seine Kirche“. Der Dienst des Priesters verlange Mut und werde durch das „ganz persönliche Verhältnis zu Christus“ gestärkt  und gestützt. Der Priester brauche aber auch Menschen, die ihn ermutigen und unterstützen. 

Zum Priestersein gehöre die Feier der Eucharistie und die Spendung der Sakramente. Dabei gehe es nicht um den Priester, sondern  „um Jesus und seine innige Beziehung zu jedem Menschen“. Aufgabe des  Priester sei es auch, „das Evangelium zu verkünden sowie die Geschichte und Lehre der Kirche verstehbar und hörbar zu machen“, darüber hinaus die Katechese sowie der Dienst an den Armen.


Das Priesteramt ist Dienst

Priester zu sein, heiße zu dienen. „Das Wort vom Dienst ist das Kennwort der Existenz Jesu, der sich selbst als Knecht beschrieben hat“, so der Bischof. Ein solcher Dienst mache demütig und koste Kraft. Der Priester sei ein „Werkzeug Jesu“, diene um seinetwillen Gott und den Menschen. Deshalb sei der Priester nicht zuerst „irgendein kultisch Handelnder, ein Wortakrobat in der Verkündigung oder Gemeindemanager“, sondern „derjenige, der in der Beziehung zu Christus lebt, ihn als das Leben feiert und verkündet“, betonte Overbeck. Das brauche vor allem eine „lebendige Christusbeziehung und den Willen, Menschen genau dahin zu führen“. Den Neupriestern wünschte der Bischof „ein frohes Herz, Zuversicht und viele Menschen, die Ihnen beistehen“.  

Nach der der Weihe werden die Neupriester zum ersten Mal die Eucharistie in ihren Heimatgemeinden, die  so genannte „Primiz“, feiern. Dort spenden sie, ebenfalls durch Handauflegung und Gebet, den Primizsegen.  (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef-Overbeck 

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