"Ich bin katholisch, ohne dass ich ein Reliquien-Fan bin"

Beim "Dialog mit der Jugend" des Initiativkreises Ruhr diskutierte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Donnerstag mit rund 60 Schülerinnen und Schüler aus zwei Essener Gymnasien. Neben eher politischen Aussagen - etwa zum Miteinander der Religionen - gab Overbeck auch Einblicke in sein Privatleben.

Persönliche und politische Worte des Ruhrbischofs

Von der katholischen Heiligen-Verehrung über Kirchenfinanzen bis hin zur Bundeswehr – das Themenspektrum war breit gesteckt als sich Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Donnerstag zum gut 90-minütigen Gespräch mit drei Essener Oberstufenkursen traf. Stehen bei der Initiativkreis-Ruhr-Veranstaltung „Dialog mit der Jugend“ sonst üblicherweise Unternehmensvertreter im Fokus, stellte sich diesmal Deutschlands jüngster Diözesanbischof den Fragen der jungen Leute. Ob er denn keine Angst habe, dass Europa irgendwann zu islamisch werde, wollte etwa einer der rund 60 Schülerinnen und Schüler wissen. „Nein, der Islam ist für mich keine Bedrohung“, stellte Overbeck daraufhin klar. Es gebe unter den Muslimen lediglich eine kleine extremistische Minderheit. „Aber auch unter uns Christen gibt es Fundamentalisten, die will ich auch nicht.“ Gerade mit Blick auf muslimische Zuwanderer „kann ich euch nur ermutigen, nicht mit einer Brille von Feindbildern durch die Welt zu gehen“, betonte der Bischof. Die katholische Kirche stehe „nach einer langen, schmerzhaften Geschichte ganz klar zur Religionsfreiheit“, sagte Overbeck auf die Frage nach dem Verhältnis zu anderen Religionen. Von anderen Kulturen und ihren Religionen könnten deutsche Katholiken auch lernen, so der Bischof, zum Beispiel, „dass für Menschen in vielen Teilen der Welt Glauben und Gottesdienst im Alltag ganz selbstverständlich sind – eine Selbstverständlichkeit, die ich mir manchmal auch für Christen hier bei uns wünschen würde“.

Ob denn die Kirche mit ihrem Reliquien-Kult oder dem Umgang mit Frauen heute noch aktuell sei, wollte ein anderer Jugendlicher wissen. Die Nicht-Zulassung von Frauen zum Priesteramt sei eine Last, weil sie heute kaum noch jemand verstehe, gab Overbeck offen zu. Sie sei, „aber auch eine Chance, die Rolle der Frau kulturell noch einmal neu zu definieren“. Er verwies darauf, dass die Frage nach katholischen Priesterinnen eine deutsche Frage sei, die etwa unter Katholiken in Polen oder bestimmten Ländern Lateinamerikas so gar nicht gestellt werde. Mit Blick auf die Verehrung von Reliquien – also den Überresten von Heiligen – fand Overbeck persönliche Worte. „Ich bin katholisch, ohne dass ich ein Reliquien-Fan bin.“ Das ganze Mittelalter könne man sich „ohne Reliquien so nicht vorstellen“ – das hatten die Schüler vor dem Gespräch mit dem Bischof schon bei einem Besuch der Domschatzkammer erfahren – „aber sie gehören eher nicht zur heutigen Frömmigkeit in Essen“.

Erstaunt hörten die Schülerinnen und Schüler zu, wie denn der Tagesablauf des Ruhrbischofs aussieht: „Ich bin ein Mensch, der den Morgen liebt. Ich stehe um halb sechs auf, dann heißt es rasieren, duschen – und beten.“ Abgesehen von den Mahlzeiten und einer 20-minütigen Mittagspause reiht sich tagsüber Termin an Termin, „und abends stehen auch noch ein bis zwei Stunden Schreibtischarbeit an“. Als „öffentliche Person“, seien für ihn mittlerweile Konzerttermine oder Treffen mit Freunden schwierig geworden, erzählt der 49-Jährige den Jugendlichen – dauernd werde er angesprochen. „Im Restaurant setze ich mich deshalb meistens mit dem Rücken zum Eingang, damit ich möglichst wenig gesehen werde.“

„Dass er so offen spricht, hätte ich nicht erwartet“, bilanzierte am Ende des Gesprächs Nina aus der 11. Stufe des Gymnasiums am Stoppenberg. Alexander sprach von einer „guten Atmosphäre“ und schätzte die „ehrliche Meinung“ des Bischofs – „nur hätte er vielleicht an einigen Stellen seine Antworten etwas kürzer fassen können, dann wären noch mehr Themen drangekommen“. Mitschüler Florian war die Antwort Overbecks auf die Frage, wie denn die Kirche künftig noch Jugendliche erreichen möchte, zu unkonkret. Overbeck hatte erläutert, dass die Kirche sich darum bemühe – etwa mit Priestern wie Kaplan Christoph Wichmann, der als Schulseelsorger des Stoppenberger Gymnasiums bei der Gesprächsrunde dabei war. Der Bischof sprach aber auch von der „Ohnmacht“ der Kirche: „Wenn Ihr euch nicht für uns entscheidet, können wir uns auf den Kopf stellen – und wir werden euch trotzdem nicht erreichen“, so Overbeck. „Dass war mir nicht deutlich genug“, kritisiert Florian. Er hätte lieber konkrete Pläne gehört, wie die Kirche ihren Gläubigen-Nachwuchs sichert – vielleicht ein Thema für einen neuen Dialog der Jugend mit Bischof Overbeck. (tr)

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