Herein, wenn's kein Weihnachtsmann ist!

Knallrote, pelzbesetzte Gemütlichkeit mit weißem Rauschebart und Pudelmütze - wer kennt ihn nicht, den Import aus Amerika, der marktschreierisch als "Weihnachtsmann" verkauft wird. Mit dem heiligen Nikolaus hat er allerdings kaum etwas zu tun.

Am 6. Dezember ist Nikolaus. Doch Vorsicht, lassen Sie nicht den falschen Gast ins Haus. Nicht hinter jedem Bart steckt auch ein Heiliger.

Schuhe schon geputzt? Alle Geschenke parat? Bald gilt es wieder, auf heimlichen Sohlen eine erwartete Überraschung anzubahnen. Sankt Nikolaus steht auf der Schwelle. Auf dem Weg von Kleinasien über fast 1700 Jahre bis zum heutigen Tag sammeln sich allerdings viele Geschichten und Gesichter an. Da kann man nicht gleich ganz sicher sein, dass es auch der Heilige aus Myra ist, der um Einlass bittet.

Zu warnen ist vor allem, was nach knallroter, pelzbesetzter Gemütlichkeit mit weißem Rauschebart und Pudelmütze aussieht. Bei diesem marktschreierischen Outfit handelt es sich gewissermaßen um einen merkantilen Reimport aus den USA. Der Karikaturist Thomas Nast aus dem pfälzischen Landau erschuf den Prototyp des Weihnachtsmannes. Nast war 1846 im Alter von sechs Jahren mit Mutter und Schwester nach Übersee ausgewandert. Er wurde zu einem der bedeutendsten Illustratoren Amerikas. Wohl vor allem wegen Nasts großer Popularität konnte sich der oft auch mit Pfeife abgebildete beleibte Alte so sehr ins kollektive Bildergedächtnis einprägen. Den Weg zurück nach Europa schaffte diese "Mischung von Nikolaus, Großvater und Landgerichtspräsident" (so der Journalist und Brauchtumskundler Manfred Becker-Huberti) dann als Werbeträger für Coca-Cola. Der Brausehersteller spendierte ihm zum Dank den weißen Pelzbesatz. Dieser Weihnachtsmann hat freilich nicht mehr viel gemein mit seinem Stammvater aus Myra. Doch vermutlich ist das Sankt Nikolaus auch lieber so. Es wäre ihm bestimmt nicht recht, mit einem pausbäckigen Marketingstrategen und "ho, ho, ho" rufenden Fassadenkletterer in Verbindung gebracht zu werden.

Wenn Ihr Gast indes nicht ganz so schwergewichtig daherkommt und Mitra, Stab sowie Brustkreuz herzeigen kann, dann können Sie Vertrauen fassen. Es sind die Insignien eines Bischofs und ein Bischof war Nikolaus in jedem Fall. Mindestens, denn eigentlich war er sogar zwei Bischöfe. Klingt unmöglich ist aber eigentlich ganz einfach. Als Heiliger verkörpert er das Ideal eines aus christlicher Sicht geglückten Lebens. In einem solchen Vorbild können sich durchaus Züge unterschiedlicher Personen wiederfinden. Im Falle von Sankt Nikolaus sind das vermutlich der im 4. Jahrhundert lebende Bischof von Myra, das an der heutigen türkischen Mittelmeerküste liegt, und der Abt Nikolaus von Sion bei Myra, der Bischof von Pinora war. Die Anfänge eigener Nikolaus-Legenden finden sich bereits im 6. Jahrhundert in der Ostkirche, ab dem 8./9. Jahrhundert auch in der lateinischen Kirche. Die Tatsache, dass er in beiden Kirchen eine große Verehrung genießt, ist ein besonderes Merkmal dieses Heiligen.

Für den Fall, dass Sie diese Warnung zu spät erreicht und Sie sich in den eigenen vier Wänden bereits von kleinen roten Weihnachtsmännern umstellt sehen: Keine Panik, in der Regel sind diese in Silberfolie gehüllten Blender harmlos. Die nach übermäßigem Genuss um den Hüftbereich eintretende Schwellung geht meist nach ein, zwei Monaten wieder zurück. (pp)

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