Großes Theater für kleine Meerjungfrauen

"Bühne frei" hieß es in den vergangenen Tagen gleich sechs Mal für die Theater-AG der Jordan-Mai-Schule in Gladbeck. Zu sehen gab es eine Variante von Hans-Christian Andersens "Die Kleine Meerjungfrau" - als Schwarz-Licht-Theater.



Bühne frei für die Theamter-AG der Jordan-Mai-Schule in Gladbeck

Dass die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel scheint, ist Schulleiter Michael Brieler-Jödecke heute so gar nicht recht. Die Fenster und Türen seiner Aula sind mit schwarzer Folie abgeklebt. Das Frühlingswetter muss draußen bleiben – zumindest für die nächste Stunde. Der Grund: Heute findet hier eine Premiere statt. Die Theater-AG der Jordan-Mai-Schule in Gladbeck, Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung führt gleich eine Variante der „Kleinen Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen auf – als Schwarzlicht-Theaterstück.

Kaum ist es dunkel im Raum schweben auch schon die ersten Meeresbewohner über die Bühne. Später rührt ein überdimensionaler Kochlöffel einen Zaubertrank im Hexenkessel an, Herzen fliegen um ein verliebtes Königspaar – und das alles scheinbar wie von Zauberhand. Eine dieser Zauberhände gehört der 18-jährigen Lisa. Die Schülerin ist ganz in schwarz gekleidet, und somit unsichtbar für das Publikum. Zu sehen ist nur der bunte Fisch, den sie in der ersten Szene über die Bühne trägt.

Ungewohnt ist es für die Schülerin nicht mehr, auf der Bühne zu stehen. Sie gehört mittlerweile zu den „alten Hasen“ in der Theater-AG und hat in den vergangenen Jahren schon bei mehren Stücken mitgewirkt. „Im Dunkeln ist alles etwas anstrengender als im Hellen. Aber es macht auch besonders viel Spaß“, gibt die 18-jährige zu. Lampenfieber hat sie nicht, auch wenn sie weiß, dass beim nächsten Auftritt ihre Mama im Publikum sitzen wird.

Die entspannte Stimmung unter den Schülern vor der Aufführung ist auch Lehrerin und Regisseurin Almut Herrmann nicht entgangen: „Man hat gemerkt, dass mit jeder Probe immer mehr Routine und Ruhe in die Gruppe gekommen ist. Von Nervosität war dann jetzt fast gar nichts mehr zu spüren“, erzählt die Lehrerin. Und das, trotz der großen Herausforderung, die ein Schwarzlicht-Theater für die jungen Schauspieler mit sich bringt. „Die Schüler sehen nichts, spielen in einem vollkommen dunklen Raum und müssen im wahrsten Sinne Hand in Hand arbeiten. Das erfordert ein hohes Maß an Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit“, weiß Theaterpädagoge Andre Manecke, der schon einige Projekte mit den Schülern und Lehrern der Jordan-Mai-Schule erarbeitet hat. „Beim Schwarzlichttheater kommt es vor allem auf das Zusammenspiel der ganzen Gruppe an“, betont Manecke. „Die einzelnen Personen werden von den Zuschauern gar nicht wahrgenommen, Hauptrollen gibt es in dem Sinne nicht. Das Publikum konzentriert sich einzig auf die Illusion, die entsteht“.

Was für das Publikum – im wahrsten Sinne – wie von Zauberhand erscheint, war das Ergebnis einer harten Arbeit. So haben Lehrer, Schüler und Theaterpädagoge im Vorfeld viel Energie in das Projekt gesteckt. Rund anderthalb Jahre bräuchte die Gruppe, um das Stück komplett selber zu erarbeiten, weiß Andre Manecke. Damit die Theater-AG der Jordan-Mai-Schule das Ganze etwas schneller auf die Beine stellen konnte, ist er in Vorleistung getreten, hat das Drehbuch, Kostüme und Requisiten mitgebracht. Insgesamt acht Tage haben Schüler und Lehrerinnen dann noch bis zum großen Auftritt geprobt, bevor sie jetzt vor vielen kleinen Gästen aus den umliegenden Kindergärten und Grundschulen Premiere feierten. Eine durchaus gelungene Premiere, darin waren sich die rund 100 eingeladenen kleinen Gäste aus den Kindergärten und Grundschulen der Nachbarschaft einig. Theater im Dunkeln – für die achtjährige Mareen war das ein ganz besonderes Erlebnis: „Toll, wie die Schüler das gemacht haben – und das ohne etwas sehen zu können“ bewundert die Zweitklässlerin die Schauspieler.

Dass es den Schülern und Lehrerinnen der Jordan-Mai-Schule auch trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen Spaß gemacht hat, kann man an ihren Gesichtern ablesen, als am Ende der Vorstellung das Licht wieder angeht und sie noch einmal gemeinsam auf die Bühne kommen. Das Erfolgsgeheimnis? Lehrerin Almut Herrmann schmunzelt: „Vor Publikum zu spielen beflügelt einen schon sehr. Es ist einfach ein großartiges Gefühl, die Zuschauer zu sehen und gleichzeitig zu wissen: Sie sehen dich nicht.“

Nicht nur die Schüler und die Lehrerinnen sind begeistert, auch das Publikum ist es. Schulleiter Michael Brieler-Jödecke kann den Ansturm, den das Projekt erfährt, gar nicht so recht fassen: „Über die drei Tage verteilt haben wir sicher 600 Zuschauer in den Vorstellungen. Die Karten waren alle schon weg, bevor die letzten Einladungen überhaupt mein Büro verlassen haben“, erzählt Brieler-Jödecke. Dass es in den nächsten Jahren weitergeht mit den Theaterprojekten, das steht für ihn schon fest. (ms)

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