Große Schere zwischen Arm und Reich

Die Schere zwischen Arm und Reich ist groß in Bosnien. Dort brauchen die Menschen auch weiterhin materielle und vor allem auch psychische Hilfe. Schülerinnen des Bischöflichen St. Hildegardis-Gymnasiums Duisburger gewannen viele Erkenntnisse während ihres Sozialpraktikums in Sarajevo.

Sozialpraktikum in Sarajevo brachte Hildegardis-Schülerinnen viele Erkenntnisse

Sie werden Zeit brauchen, um alles zu verarbeiten. Denn die elf Tage, die 14 Schülerinnen des Bischöflichen St. Hildegardis-Gymnasiums während ihres Sozialpraktikums in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verbrachten, waren gespickt mit Erlebnissen und Eindrücken (Wir berichteten).

Vor allem ein Erlebnis hat die Schülerinnen tief beeindruckt: der Aufenthalt in einer kleinen Ortschaft in der Gegend von Cer im Osten Bosniens. Es ist eher eine Ansammlung verstreut liegender Häuser. Und dazu gehört auch eine kleine Kapelle. Dort feierten die Hildegardis-Schülerinnen einen Gottesdienst. Mit den 15 Bewohnern der Ortschaft und dem 29-jährigen Pfarrer haben sie gemeinsam gesungen und gebetet. „Der Pfarrer hat sogar seine Predigt auf uns ausgerichtet, hat uns gesagt, dass sie alle in den jungen Menschen die Hoffung sehen“, berichtet Mira. Das habe sie alle tief beeindruckt und auch gerührt. „Die Herzlichkeit, mit der wir von diesen Menschen, die es unsagbar schwer haben, aufgenommen wurden und die große Dankbarkeit, die wir alle spüren konnten, wird für mich unvergesslich bleiben“, versichert Julia B. Nicht anders sieht das ihre Schwester Vera: „Sie sind arm und haben uns so großartig empfangen und so umwerfend bewirtet, haben alles gegeben, was sie hatten.“ Ein „kleines Stück“ habe das ihre Lebenseinstellung verändert, ihr klar gemacht, dass Glück nicht von großen Reichtümern abhänge, dass man sich über die „kleinsten Dinge im Leben“ am meisten freuen könne. „Wir haben ihnen materiell nichts gegeben, waren einfach nur da. Das empfanden die Menschen in Cer wohl als das größte Glück“, sagt Alina W. Tränen sind beim Abschied geflossen, so tief berührt waren die Schülerinnen.

Ein umfassenderes Bild von der wahren Not in Bosnien erhielten die Mädchen weniger in der Hauptstadt Sarajevo, sondern eher bei der Fahrt durch das Land. Auch 15 Jahre nach Kriegende erhielten sie einen Eindruck von den Wunden, die der schreckliche Krieg geschlagen hat. Dazu zählt sicherlich auch der Besuch in der Gedenkstätte Potocari bei Srebrenica, wo im Juli 1995 bis zu 8.000 Muslime durch ein Massaker der Serben den Tod fanden.

Dagegen erlebten die Schülerinnen Sarajevo als eine moderne Stadt, die vom Wiederaufbau geprägt ist: kaum noch Ruinen, stattdessen moderne Geschäfts- und Bürohäuser, „dicke Autos“, Frauen in teuren Pelzmänteln. „Es sieht aus, als bedürften die Menschen hier keiner Hilfe mehr“, meint Mirjam P. Aber das sei ein Trugschluss. Die Schere zwischen Arm und Reich sei groß. „Es ist schrecklich, Kinder zu sehen, die in dichtem Verkehr und klirrender Kälte an den Straßenkreuzungen betteln“, so Alina W. Doch die Schülerinnen trauen dem äußeren Schein nicht. „Die sind noch längst nicht über den Berg“, ist sich Pia sicher. Es werde noch viel Zeit brauchen, bis das soziale System in Bosnien „gesund“ sei.


Die Hilfe muss weitergehen

Die Hilfe muss weitergehen, darin sind sich alle Schülerinnen einig. Denn sie haben viel Armut gesehen und erlebt, auch im Sozialzentrum der Caritas in Sarajevo. Dass ihre Hilfe dort „weniger gebraucht“ als etwa an Orten außerhalb Sarajevos, auch das gehört zu den Erkenntnissen dieses Praktikums. „Das Sozialzentrum ist modern eingerichtet und gut organisiert“, so Alina W. Das sei erfreulich. Aber außerhalb der Hauptstadt hätte man die Hilfe der Schülerinnen wohl nötiger gebraucht.

Insgesamt war der Einsatz in Bosnien für die Schülerinnen sinnvoll und lohnend. „Wir haben die Möglichkeit gehabt, uns ein eigenes Bild zu machen“, betont Pia. Hautnah mit den zahlreichen Formen von Armut konfrontiert zu werden, lasse einen nicht kalt. „Das berührt und macht nachdenklich“, sagt Pia. Wie sie möchten auch einige Mitschülerinnen noch einmal nach Bosnien fahren, „um einfach nur bei den Menschen zu sein“, so Pia.  Die Tage in Sarajevo haben bei den Schülerinnen viel ausgelöst. Sie haben nachgedacht über ihr eigenes Leben, über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Sie haben gesehen, welchen großen Wert die vermeintlich „kleinen Dinge“ im Leben  für Menschen haben können: Zuwendung, Aufmerksamkeit, Anteilnahme, ein Lächeln, eine helfende Hand. Und vielen Schülerinnen ist klar geworden, wie gut sie es in Wirklichkeit haben. „Das ganze Leben ist eine Schule, das ganze Leben lernen wir“, sagte Kardinal Vinko Puljic, der Erzbischof von Sarajevo, bei einem Treffen mit den Schülerinnen. Er dankte ihnen für das Engagement sowohl in Sarajevo als auch in Duisburg. „Ihr seid Hoffnung für die Zukunft“, sagte der Kardinal. (do)
        
Spendenkonto: Caritasverband Duisburg, Kontonummer: 200 104 305, Bankleitzahl: 350 500 00 bei der Stadtsparkasse Duisburg, Stichwort: "Bosnienhilfe". Weitere Auskünfte bei Heribert Hölz, Tel.: 0203/78 10 99. 

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