Große Offenheit und gegenseitiger Respekt

Von großer Offenheit und gegenseitigem Respekt war das Gespräch gekennzeichnet, zu dem Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck Vertreter der Homsexuellen-Organisationen in das Essener Bischofshaus eingeladen hatte.

Ruhrbischof Overbeck sprach mit Vertretern von Homosexuellen-Organisationen

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Vertreter des Forums  Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) sowie Unterstützer aus  NRW-Landesverbänden haben sich am  Donnerstag, 2. September, im Essener Bischofshaus  zu einem Gespräch getroffen. Anlass waren Äußerungen Overbecks in der ARD-Talkshow „Anne Will“ zur Homosexualität, die zum Teil zu heftigen öffentlichen Kontroversen und Irritationen geführt hatten. Beide Seiten betonten, dass das Gespräch in einer Atmosphäre stattfand, die vom gegenseitigen Respekt und großer Offenheit geprägt war. Der Bischof forderte die Gesprächsteilnehmer auf, „mutig alles zu sagen, was aus ihrer Sicht zu sagen ist“.

Die Vertreter der Schwulen und Lesben machten deutlich, welche Wirkungen die Äußerungen des Bischofs in Teilen der Gesellschaft  gehabt haben , auch wenn sie möglicherweise nicht beabsichtigt gewesen seien.  Auch viele Angehörige von Homosexuellen hätten die Einlassung von Overbeck in der Talkshow als diskriminierend empfunden; sie unterstrichen, dass mit einer sie eher ausgrenzenden Haltung sie die katholische Kirche nicht mehr als  ihre christliche Heimat betrachten können.

Der Bischof betonte, dass er über die Reaktion auf seine Äußerungen in der Sendung Anne Will tief betroffen war. Es sei nicht seine Absicht gewesen, homosexuelle Menschen in irgendeiner Weise zu diskriminieren. Als Bischof sei es ihm darum gegangen, die Lehrmeinung der Kirche wiederzugeben. Danach gehörten eheliche Partnerschaft, Liebe und Sexualität zusammen. Nach katholischer Überzeugung sei das Ideal das auf Kinder ausgerichtete Zusammenleben zwischen Mann und Frau.

Gleichwohl erklärte der Bischof, er sei sich bewusst, dass die Sexualmoral der Kirche in Teilen der Gesellschaft bestritten werde. Dennoch wies er darauf hin, dass es gelte, diese Spannung konstruktiv auszuhalten. Er betonte, dass es ihm grundsätzlich um das friedliche Zusammenleben aller Gruppen der Gesellschaft gehe und er Bischof für alle sein wolle. Overbeck fügte unter Hinweis auf das 2. Vatikanische Konzil hinzu, dass sich die Kirche als eine lernende Kirche verstehe. Insoweit erkenne er an, dass es aus medizinischer und humanwissenschaftlicher  Sicht andere Einschätzungen gebe, die von der Kirche eine Weiterentwicklung fordern.

Overbeck unterstrich in dem Gespräch, dass  sich die Kirche nicht  daran beteiligen wolle, die „Opfergeschichte“ der Homosexuellen weiter  zu schreiben. Der Kirche gehe es immer darum, sich mit den Nöten und Freuden aller Menschen in ihren jeweiligen Lebensbezügen zu beschäftigen.

Der Sprecher von F.E.L.S., Horst Schmitz, und der Landesvorsitzende der AIDS-Hilfe NRW, Klaus-Peter Hackbarth, zeigten sich in der Bewertung des Gesprächs zufrieden. Aus ihrer Sicht sei ein erster wichtiger Dialog auf den Weg gebracht worden, die die Akzeptanzarbeit der katholischen Kirche gegenüber anderen Lebensmodellen befördern werde. Ein wichtiges Indiz hierfür sehen beide in der positiven Würdigung des Bischofs gegenüber der anwesenden Vertreterin der AIDS-Beratung des Essener Diözesancaritasverbandes, Ingrid Hafner. Sie hatte zuvor betont, dass die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen eine Grundvoraussetzung für die Arbeit der Beratungsstellen ist. Schmitz überreichte dem Bischof am Ende des Gespräches eine Liste mit rund 800 Unterschriften von Essener Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit dem Anliegen von F.E.L.S. solidarisch erklären.

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