Goldene Madonna sorgt für glänzende Augen

Zusammen mit der TU Dortmund testet die Domschatzkammer eine spezielle Führung für Flüchtlingskinder und andere Jugendliche, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. 30 Kinder und Jugendliche aus aller Herren Länder lernten so den Dom und den Domschatz kennen.

Führung für Schüler, die erst seit Kurzem in Deutschland leben

Je näher die Kinder dem schwarzen Gitter kommen, desto größer werden die Augen. „Wow!“, ruft ein Mädchen halblaut, „wie schön“. Ein anderes staunt still vor sich hin, als die kleine Schülergruppe vor der Goldenen Madonna steht. Das glitzernde Gold macht Eindruck – den kann auch die Erläuterung von Ann Katrin Schulte nicht schmälern, dass das Edelmetall nur so dick wie eine Folie auf einen Holz-Korpus aufgelegt ist. 30 Jungen und Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren sind an diesem Nachmittag im Essener Dom zu Besuch – und dort Teil eines Tests. Die Kinder stammen aus aller Herren Länder und lernen erst seit wenigen Monaten Deutsch in zwei spezielle Eingangsklassen des Dortmunder Heinrich-Heine-Gymnasiums. Auch mit christlichen Kirchen hatten viele der Schüler in ihrer Heimat bislang wenig zu tun. Jugendlichen wie ihnen die Kultur und Geschichte dieser Region nahe zu bringen, die künftig zu ihrer eigene Kultur und Geschichte werden – das ist das Ziel eines gemeinsamen Projekts von Domschatzkammer und TU Dortmund.

Gemeinsam mit zehn Studentinnen des Masterstudiengangs „Kulturanalyse und Kulturvermittlung“ haben die Fachleute am Dom ein besonderes Konzept für Führungen mit Kindern und Jugendlichen entwickelt, die nicht in Deutschland geboren sind, aber – etwa als Flüchtlinge oder als Kinder von Eltern, die aus anderen Gründen ins Ruhrgebiet gezogen sind – nun dauerhaft hier leben.

Sieben Stationen mit Spektakulärem und Grundsätzlichem

In kleinen Gruppen ziehen die Schülerinnen und Schüler durch den Dom und die Domschatzkammer. Die meisten dürften so bunt gemischt sein, wie das Grüppchen, das gerade die Goldene Madonna bestaunt – die vier Kinder kommen aus Albanien, Syrien, Portugal und Lettland. An insgesamt sieben Stationen gibt es kurze Erläuterungen von den Studentinnen. Nicht immer sind die so spektakulär wie die Infos von Ann Katrin Schulte, die mit der Goldenen Madonna den bedeutendsten Kirchenschatz der Region vorstellt – ein paar Meter weiter erklärt eine andere Studentin den Kirchenraum: „So wie ihr jetzt hier sitzt, sitzen auch die Christen im Gottesdienst. Da vorne steht dann der Priester, das ist so etwas wie der Imam im Islam.“

Für manchen auch ein Kulturschock

Ob die Kinder alle Erklärungen verstehen? „Wenn nicht, übersetzen sie sich manche Dinge noch einmal gegenseitig“, sagt Deutsch-Lehrer Axel Torka. Gemeinsam mit seiner Kollegin Judith Sechelmann betreut er die „internationalen Schüler“ des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Ganz bewusst seien in jeder Kleingruppe Schüler, die schon seit einem Jahr Deutsch-Unterricht hätten, und Kinder, die erst im August auf die Schule gekommen seien. Der Besuch im Dom sei für alle „ein großes Abenteuer“, so Torka. „Die Kinder kommen hier mit einem Teil der deutschen und europäischen Kultur in Kontakt, den sie so nicht kennen.“ Für manchen sei dies auch ein Kulturschock, sagt Torka und berichtet von einem jüngeren Schüler, der minutenlang vor einer Figur des Gekreuzigten gestanden habe, bis er sich vom Anblick der blutenden Wunden habe lösen können.

"Unser kulturelles Erbe in die Migrations-Gesellschaft vermitteln"

„Wir sehen unser kulturelles Erbe als gemeinsames Erbe“, betont Dr. Katharina Schüppel. Gemeinsam mit der Leiterin der Domschatzkammer, Dr. Birgitta Falk, hat sie an der TU Dortmund das Projekt mit den zehn Studierenden erarbeitet. „Wir fragen nach der Möglichkeit, unser kulturelles Erbe in die Migrations-Gesellschaft zu vermitteln“, beschreibt Schüppel die Motivation hinter der ungewöhnlichen Dom-Führung. Ein Ziel, das sich auch die Schatzkammer-Chefin zu eigen macht. „Wir möchten den Essener Dom auch den Menschen nahe bringen, die im Ruhrgebiet eine neue Heimat finden.“ Zu dieser Heimat gehöre der Dom als wichtiges kulturelles Bauwerk mit der Geschichte des einflussreichen Damenstifts und seiner christlichen Tradition. Nach der Führungs-Premiere mit den 30 Schülern aus Dortmund werde es nun eine intensive Auswertung des Konzepts geben. „Unser Ziel ist es, ein festes Konzept für Führungen für diese Kinder und Jugendlichen zu entwickeln“, sagt Falk.

Lehrer Torka kann sie bei diesem Vorhaben nur unterstützen. Bei der Verabschiedung zitiert er einen Schüler, um sich so bei den Organisatorinnen zu bedanken. Der Junge habe gesagt: „Herr Torka, wir haben eigentlich gedacht, dass das hier total langweilig wird – aber es war super gut!“ (tr)

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