„Gerechtigkeit, Versöhnung und Achtung des Anderen“

Für Gerechtigkeit, Versöhnung und Achtung des Anderen einzutreten, dazu rief der Bischof der Diözese Banja Luka/Bosnien, Dr. Franjo Komarica, Schülerinnen und Schüler bei seinem Besuch im Duisburger Abtei-Gymnasium auf.

Bischof Dr. Franjo Komarica aus Banja Luka war Gast im Duisburger Abtei-Gymnasium

Er hat sich als Anwalt für Menschenwürde und Menschenrechte einen Namen gemacht. Bisweilen wird er auch als „international gehörte Stimme der Rechtlosen“ bezeichnet. Er tritt für Gerechtigkeit und Versöhnung ein, engagiert sich in seinem Land sozial-karitativ für Not leidende Menschen unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und Religion. All das ist für Dr. Franjo Komarica, Bischof der Diözese Banja Luka in Bosnien-Herzegowina, Programm, Ziel und Verpflichtung zugleich. Und das war auch die Botschaft, die er bei seinem Besuch im Abtei-Gymnasium in Duisburg-Hamborn den Schülerinnen und Schülern überbrachte. Die Bischöfliche Schule in Trägerschaft des Bistums Essen ist Partnerschule des Katholischen Schulzentrums „Johannes Paul II.“ in Bihać, einer Stadt im äußersten Nordwesten Bosniens.

Den Schülern der Jahrgangsstufe 10 berichtete der Bischof von der bewegten und zum Teil auch leidvollen Geschichte der Menschen auf dem Balkan, erzählte vom letzten Krieg, der von 1991 bis 1995 in Bosnien-Herzegowina tobte und Tod, Hass, Vertreibung, Not und Elend mit sich brachte. Und unter den Auswirkungen des Krieges leidet das Balkanland noch heute. Vor Ausbruch des Krieges zählte die Diözese Banja Luka rund 70.000 Katholiken, 1995 waren es nur noch 6.570.  Über 1,2 Millionen Menschen wurden in Bosnien vertrieben. Fast 60 Prozent haben ihre alte Heimat verloren.
Der Bischof zeigte Fotos von zerstörten Kirchen, Pfarrhäusern und sozialen Einrichtungen, von ermordeten Priestern, Ordensleuten und Ordensfrauen. „Ihr wart damals wahrscheinlich gerade geboren. Möge Gott euch davor bewahren, dass ihr so etwas einmal erleben müsst“, wünschte der Bischof den Schülerinnen und Schülern. Ihm ging es bei seinem Bericht jedoch nicht um eine einseitige „Abrechnung“. Allenfalls an der internationalen Balkan-Politik übt Komarica deutlich Kritik, der er „Ignoranz, Arroganz, Zynismus und Unkenntnis“ vorwirft. „Es ist eine Schande, dass so viele einfach nur zugesehen haben und immer noch zusehen, was auf dem Balkan passiert. Das ist eine Schande gegen Gott“, beklagt der Bischof.

Seine Botschaft an die Schülerinnen und Schüler: sich zu informieren, zur Kenntnis zu nehmen, was „vor der eigenen Haustür“ und in der Welt geschieht, und zu handeln. „Christsein hat nichts mit Naivität zu tun, sondern mit dem Hinsehen und dem Durchschauen der Wirklichkeit“, so Komarica. Die Schüler rief er auf, „wie Jesus auf der Seite der Menschen“ zu sein, als Christen Farbe zu bekennen und für „Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung sowie Achtung des Anderen und Andersgläubigen“ einzutreten. Es lohne sich, „gut zu sein und für den anderen zu leben“. Den Jugendlichen machte der Bischof deutlich, dass alle gemeinsam für die Zukunft Europas verantwortlichen seien.

Das beherzigt das Hamborner Abtei-Gymnasium, das vor kurzem als „Europa-Schule in NRW“ ausgezeichnet wurde, schon seit Jahren durch Kontakte und Schüleraustausch mit Partnerschulen in England, Frankreich, Ungarn und eben auch Bosnien. Das Katholische Schulzentrum in Bihać  öffnet sich nicht nur für Katholiken sondern auch für Muslime. Für Bischof Komarica ist das eine Chance, „den anderen zu zeigen, dass wir zusammen leben können“. Öffentliche Mittel gibt es nicht für die bislang sieben Katholischen Schulzentren in Bosnien-Herzegowina. „Wir sind auf Spenden und anderweitige Hilfen angewiesen“, betont der Bischof. 

Für den Leiter des Abtei-Gymnasiums, Thomas M. Regenbrecht, hat die Partnerschaft mit der Schule in Bihać einen ganz besonderen Mehrwert: „Wir können an dieser Schule in Bosnien lernen, wie man Zeichen des Aufbruchs und des friedlichen Miteinanders setzt.“ Schließlich befinde sich auch das Hamborner Gymnasium in einem stark muslimisch geprägten Umfeld. Auch wenn die bosnischen Verhältnisse nicht auf Duisburg übertragbar seien, „können wir doch in Sachen Integration sicherlich einiges von Bihać  lernen“, so Regenbrecht.

Bischof Komarica dankte dem Abtei-Gymnasium für die engen, freundschaftlichen Beziehungen. „Wir werden die Partnerschaft weiter pflegen“, versicherte er. Und auch beim Besuch im Rathaus, wo er von Bürgermeister Benno Lensdorf empfangen wurde, nutzte der Bischof die Gelegenheit, für die langjährige und vielfältige Hilfe der Duisburger für sein leidgeprüftes Land zu danken, insbesondere der „Bosnienhilfe der Caritas“ und deren Motor Heribert Hölz. „Diese Hilfe hat in Bosnien Hunderte Familien vor dem Hungertod bewahrt, hat durch unzählige Projekte vielen Menschen wieder Hoffnung gegeben“, betonte der Bischof. Damit hätten die Duisburger „die Reifeprüfung der Solidarität mit Auszeichnung abgelegt".

Auch im Rathaus nutzte Komarica die Gelegenheit, über die Situation in seinem Land zu berichten, davon, dass die Menschen dort auch noch 14 Jahre nach Kriegsende Hilfe bräuchten. Und er warb bei dem Gespräch, an dem auch Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) teilnahmen, darum, sich für „Gerechtigkeit, Gleichheit und Versöhnung“ einzusetzen. (do)     

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