Generalvikar kritisiert sorglosen Umgang mit Kirchen-Finanzen

Vielerorts gebe es die Vorstellung, „dass das Geld einfach immer so weiterfließt“ sagte Generalvikar Klaus Pfeffer am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion mit dem Journalisten Wolfgang Thielmann und dem Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller in der Mülheimer „Wolfsburg“.

Podiumsdiskussion in der Mülheimer Akademie „Die Wolfsburg“.

„Die Kirchen müssen viel mehr über Geld reden – und sie müssen ganz anders lernen sich zu bedanken!“ Auch zwei Jahre nach dem Skandal um verschwenderische Bauprojekte im Bistum Limburg und der daraus folgenden Welle von Veröffentlichungen zu kirchlichen Finanzen sieht der Journalist Wolfgang Thielmann hier einen großen Nachholbedarf. Am Dienstagabend diskutierte der „Christ und Welt“-Redakteur in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ mit dem Essener Generalvikar Klaus Pfeffer und dem Münsteraner Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller über „Die Kirche und ihr Geld – ein Disput ohne Ende?“. Bei den Veränderungen zur Abgeltungssteuer im vergangenen Jahr etwa „haben es die Kirchen richtiggehend verschlafen, ihre Mitglieder zu informieren“, kritisierte Thielmann. Tausende Menschen seien deshalb aus den Kirchen ausgetreten, so der Journalist – „welcher Finanzdirektor trägt dafür die Verantwortung?“

Trotz dieser Kritik und des sperrigen Themas war es ein erstaunlich harmonischer, von vielen Detail-Einblicken und Hintergründen geprägter Abend in der Mülheimer Akademie. Vielleicht auch deshalb, weil sich die drei Herren auf dem von Akademie-Direktor Dr. Michael Schlagheck moderierten Podium weitgehend einig darin waren, dass es zu einem Mehr an Transparenz in der katholischen Kirche keine Alternative gibt, dass die kirchlichen Finanzsysteme ausgesprochen komplex sind – und dass die Kirchensteuer Fluch und Segen zugleich ist. Zudem gestanden Schüller und Thielmann dem Generalvikar zu, dass das Ruhrbistum mit seinen regelmäßigen Haushalts-Veröffentlichungen, aber auch mit seiner vergleichsweise spärlichen Finanzausstattung, in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle in der bundesweiten Diskussion spielt.

Sorgloser Umgang mit Geld

Aus Sicht Pfeffers gehen viele Bereiche der katholischen Kirche in Deutschland nach wie vor zu sorglos mit dem ihnen anvertrauten Geld um. Ausdrücklich bezog er sich damit nicht nur auf deutlich reichere Bistümer, sondern zum Beispiel auch auf manche Gemeinde und andere Einrichtungen im Ruhrbistum. „Vielerorts gibt es immer noch die Vorstellung, dass das Geld einfach immer so weiterfließt und es wird nicht wahrgenommen, dass uns schon seit Jahren die Leute davon laufen“, sagte Pfeffer. Nach einer vom Ruhrbistum in Auftrag gegebenen aktuellen Studie, treten gerade dann Menschen aus der Kirche aus, „wenn sie aufgrund Ihres Einkommens besonders viel Kirchensteuer zahlen“, so Pfeffer. „Diese Menschen haben offensichtlich das Gefühl, dass sie für ihre Kirchensteuer zu wenig Leistung erhalten.“ Zugleich erhalte die Kirche das Gros der Steuereinnahmen nicht von den regelmäßigen Kirchgängern, sondern „von Menschen, die nur zu besonderen Anlässen  den Kontakt zu uns suchen“.

„Stolz, dem Pastor das Gehalt zu zahlen“

Auch für Kirchenrechtler Schüller geht „die Selbstverständlichkeit verloren, mit der die Gläubigen Kirchensteuer bezahlen – und die Kirchen haben hier bislang zu wenig verstanden, für Glaubwürdigkeit zu sorgen“. Zumindest auf der politischen Ebene sieht der Wissenschaftler derzeit indes wenig Gegenwind für die vom Staat gegen Gebühr eingezogenen Mitgliedsbeiträge: „Der Staat hat immer noch ein großes Interesse daran, dass die Kirchen über die Kirchensteuer finanziert werden, weil sie mit dem Geld viel Gutes tun.“ Thielmann, der nicht nur Journalist, sondern auch evangelischer Theologe ist, warb für einen Mentalitätswechsel bei den Gläubigen: „Ich habe Freunde in anderen Ländern, die sind stolz darauf, ihrem Pastor das Gehalt zu zahlen.“ Es müsse stärkeres Bewusstsein für den Gedanken geben „Kirche, das bin ich.“ Die Kirchensteuer führt aus seiner Sicht zu „pastoraler Trägheit“.

Frage nach einem Finanzausgleich

Neben den regelmäßigen Einnahmen durch die Kirchensteuer drehte sich die Debatte auch um die sehr unterschiedliche Vermögensausstattung einzelner Bistümer und kirchlicher Einrichtungen. „Das Bistum Essen ist bei seiner Gründung 1958 nicht gut dotiert worden“, sagte Kirchenrechtler Schüller mit Blick auf die großen Unterschiede im Vermögen des Ruhrbistums und seiner Nachbar-Diözesen. Er nannte es „einen faszinierenden Gedanken“, die finanzielle Solidarität der Bistümer nicht nur über einen Ausgleich der Kirchensteuer zwischen Ost und West – über den Verband der Diözesen – zu organisieren, sondern bundesweit auch auf die Vermögen auszudehnen. „Wir brauchen eine Gesamtbetrachtung, das wäre ur-christlich“, sagte Schüller. Doch bislang „lassen sich die meisten Bistümer hier nicht in die Karten schauen“. (tr)

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse