"Gegen das Schattendasein"

Don-Bosco-Tag im Bistum Essen - viele Jugendtreffs zwischen Rhein und Lenne öffnen am 31. Januar ihre Türen. Eine Idee der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit. Wir sprachen mit Amigonianer-Pater Anno, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft.

 "Offene Jugendarbeit" im Gespräch

Die katholischen Kinder- und Jugendeinrichtungen in den Städten und Kreisen des Ruhrbistums haben ihre Türen für alle jungen Menschen fast täglich geöffnet. Am Gedenktag des Heiligen Don Bosco, dem 31. Januar, hat die Diözesane Arbeitsgemeinschaft die Einrichtungen im Bistum Essen aufgerufen, sich und ihre Arbeit zu präsentieren, damit Gemeindemitglieder, Eltern, Großeltern, Freunde und an Jugendarbeit Interessierte einmal "hinter die Kulissen" eines Jugendtreffs schauen können. In diesem Zusammenhang sprachen wir mit Amigonianer-Pater Anno aus Gelsenkirchen, Vorsitzender der Diözesanarbeitsgemeinschaft.


Als Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Bistum Essen möchten Sie die Arbeit der katholischen Jugendeinrichtungen unterstützen. Am Sonntag, 31. Januar, dem Gedenktag des Heiligen Don Bosco, laden Sie alle Interessierten dazu ein, die Jugendtreffs zu besuchen und näher kennenzulernen. Was versprechen Sie sich von einem solchen erstmals bistumsweit durchgeführten “Tag der offenen Tür”?

Pater Anno: Leider führen einige katholische Jugendtreffs ein Schattendasein im Bezug auf die Kirchengemeinden, obwohl diese oft der Träger der Einrichtungen sind. Da gibt es oft Berührungsängste nach dem Motto: „diese Jugendlichen sind mir unheimlich“. Oder es halten sich überkommene Vorurteile wie z.B.: „Die Pädagogen stehen so-wieso die ganze Zeit am Kicker. Die sollten mit ihren Schützlingen mal lieber sonntags in der Kirche erscheinen.“
Der Don-Bosco-Tag soll den Gemeindemitgliedern zeigen, was in den Jugendtreffs wirklich geleistet wird und wie wichtig diese Häuser für viele Jugendliche geworden sind. Sie sind gerade für benachteiligte junge Menschen ein zweites Zuhause!
Ich erhoffe mir, dass wir dies möglichst vielen Menschen vermitteln können.

Jugendliche orientieren sich weniger denn je an Kirche, maximal wird Kir-che von Jugendlichen nur in Teilen wahrgenommen. Wo steht die Offene Jugendarbeit der katholischen Kirche im Ruhrbistum? Mit welchen Angeboten werden Kinder und Jugendliche erreicht und begeistert?

Pater Anno: Offene Jugendarbeit basiert auf der Freiwilligkeit. In unsere Jugendtreffs kommen Kinder und Jugendliche, die von zu Hause aus wenig unterstützt werden. Sie sind in jungen Jahren bereits auf sich gestellt. Regelmäßige Angebote wie Musikunterricht oder Ballettraining stellen für sie eine Überforderung dar. Statt dessen suchen sie verlässliche Partner und Räume, wo sie mal zur Ruhe kommen kön-nen oder auch Unterstützung z.B. bei den Hausaufgaben oder persönlichen Problemen erhalten. Das finden sie bei den Mitarbeitern in unseren Jugendtreffs. Außerdem ermöglichen unsere Einrichtungen auch neue Erfahrungen z.B. beim Klettern oder bei Fahrten ins Ausland, die sich diese Jugendlichen sonst nie leisten könnten.

Mit Blick auf die veränderte Situation der Kinder- und Jugendarbeit in der Pfarrei und Gemeinde: Inwiefern ist eine Vernetzung der gemeindlichen - oftmals verbandlichen - Kinder- und Jugendarbeit mit dem Angebot der Offenen Jugendarbeit möglich?

Pater Anno: Ich denke z.B. an die Firmung. Viele Gemeinden fühlen sich mit der Firmvorbereitung überfordert, weil sie nur wenig junge Katecheten finden und sie kaum einen Draht in die so andere sogenannte Le-benswelt der Jugendlichen kriegen. Hier könnten die Mitarbeiter der Jugendtreffs eine gute Hilfe sein, denn sie haben genau diesen Draht.
Außerdem können viele Aktionen gemeinsam geplant und durchgeführt werden. In Gelsenkirchen z.B. fahren Pfadfinder und Kinder des Jugendtreff der Amigonianer seit über 10 Jahren gemeinsam ins Pfingstlager, was alle als Bereicherung erleben, obwohl die Kinder schon sehr unterschiedlich sind. Auch die 72-Stunden-Aktion im letzten Jahr hat Jugendliche verschiedener Interessen zusammen gebracht.

Worin sehen Sie die Wichtigkeit der Offenen Jugendarbeit der Katholischen Kirche für die Gesellschaft, was macht die in den kirchlichen Jugendtreffs geleistete Arbeit unverzichtbar?

Pater Anno: In einer Gesellschaft, in der sich die Menschen immer weiter vereinzeln, sind Orte der Gemeinschaft von wachsender Bedeutung. Gerade für Kinder und Jugendliche, die von der Wucht der neuen Medien gleichsam erdrückt werden, sind Gemeinschaftserfahrungen unverzichtbar, damit sie an ihren PCs und Playstations nicht zu seltsamen Einzelgängern werden.
Hier hat die Kirche aus ihrem Glauben heraus einen gesellschaftlichen Auftrag: nämlich Gemeinschaft zu stiften und Zukunft zu er-möglichen, gerade auch für junge Menschen, die am Rande stehen. Sie brauchen die Erfahrung, dass sich jemand für sie interessiert, dass sie wertvoll sind, dass es schön ist, dass es sie gibt. Nicht nur mit schönen Worten, sondern ganz konkret! Ich kenne einige Kin-der, die solche Erfahrungen nur in unseren Jugendtreffs machen können, weil sie zu Hause lästig sind und in der Schule Versager.
Diese Kinder und Jugendlichen hatte Don Bosco im Blick, diese Kinder nahm Jesus auf den Arm, obwohl die Jünger sie erst abwiesen hatten, und für diese Kinder muss auch die Kirche unserer Tage eine offene Tür haben!

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