Für ein gutes Miteinander von Christen und Muslimen

Eine "gesegnete Zeit der religiösen Erneuerung und inneren Stärkung" wünschen die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen den Muslimen zum Ramadan 2010. Gleichzeitig laden die beiden Kirchen in ihrem Grußwort dazu ein, sich gemeinsam für die Bekämpfung von Armut einzusetzen.

Gemeinsames Grußwort der beiden Kirchen zum Ramadan 2010

Die drei evangelischen Landeskirchen und die fünf katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen haben sich zum muslimischen Fastenmonat Ramadan und zum bevorstehenden Fest des Fastenbrechens auch in diesem Jahr wieder mit einer gemeinsamen Grußbotschaft an die Muslime gewandt. „Wir wünschen Ihnen in Ihren Familien und Gemeinschaften eine gesegnete Zeit der religiösen Erneuerung und inneren Stärkung“, heißt es in dem am Mittwoch, 18. August, veröffentlichten Schreiben.

Gemeinsam die Armut bekämpfen

Darin weisen die Kirchen auf die Gemeinsamkeiten hin, die das Miteinander von Muslimen und Christen – trotz aller Unterschiede – tragen: „Der eine Gott, der Schöpfer und barmherzige Richter, ist für Muslime wie für Christen Grund des Glaubens und Ziel des Lebens.“ Außerdem böte die „im Glauben begründete Solidarität mit den Bedürftigen eine besondere Chance für die Zusammenarbeit über die Grenzen unserer Religionen hinweg“. Angesichts einer weltweit steigenden Zahl von Menschen, die von existentieller Armut bedroht sind, sei gemeinsame Verantwortung gefragt: „Diese schlimmste Form der Armut erniedrigt den Menschen und erzeugt oft unerträgliches Leid. Armut und soziale Ungerechtigkeit sind auch eine Quelle von Hass und Gewalt, von Extremismus und militärischen Konflikten.“ Armut verletze also nicht nur die gottgegebene Würde des Menschen, sondern verhindere oder gefährde auch den Frieden. Daher sei die Bekämpfung sowohl der weltweiten Armut als auch der steigenden sozialen Notlagen von Menschen in der Region, darunter erschreckend viele Kinder, eine besonders dringende Aufgabe.

„In sozialen Initiativen, die sich die Unterstützung bedürftiger Menschen in Deutschland zur Aufgabe gemacht haben, kommt es hier und da bereits zur Zusammenarbeit von Muslimen und Christen. Ausgehend von unseren gemeinsamen religiösen Werten, die den Einsatz gegen Armut fordern, wäre es sicher lohnend, diese Zusammenarbeit in Zukunft weiter zu entwickeln und auszubauen“, heißt es in dem „Ramadan Mubarak“ („Gesegneter Ramadan“) überschriebenen Grußwort.


Als Basis eines konstruktiven Miteinanders plädieren die acht Unterzeichner – Erzbischof Hans-Josef Becker, Präses Dr. h.c. Alfred Buß, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann, Bischof Dr. Felix Genn, Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Präses Nikolaus Schneider – für Religionsfreiheit und Toleranz: „Es gehört nach der christlichen wie muslimischen Vorstellung zum Leben, dass jeder Mensch seiner religiösen Überzeugung treu folgt und deren Gebote in seinem Gewissen achtet.“ Dazu gehöre für Christen wie für Muslime ihre Gemeinschaft der Gläubigen. Deshalb sei es notwendig, „dass Muslime und Christen an allen Orten unserer Erde frei ihren Glauben bekennen, ihn im Alltag leben und sich in ihren Kirchen und Moscheen versammeln können“, heißt es in dem Grußwort. (ekvw/do)

Grußwort zum Ramadan 2010 (Wortlaut)

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