Früher wie heute: Für die Familie aktiv

Seit 30 Jahren bietet die "Aktion für das Leben" im Bistum Essen Frauen und Paaren in Schwangerschaftskonfliktsituationen Hilfe an, um sie so zum Austragen ihres Kindes zu bewegen. Heute hat die Aktion ihren Platz in der Gesellschaft gefunden - doch der Weg war mühsam.



30 Jahre „Aktion für das Leben“ e.V. im Bistum Essen

Magdalena Böckmann
steht mitten in der Aula, ganz alleine. Kein anderer Mensch ist da – noch nicht. Erst Minuten später treffen nach und nach die anderen Mitglieder der „Aktion für das Leben“ e.V. im Bistum Essen ein. Magdalena Böckmann ist eine Frau der ersten Stunde, nicht nur heute. Auch vor drei Jahrzehnten, als der Verein vom Diözesanrat katholischer Männer und Frauen ins Leben gerufen wurde, um Frauen und Paaren in Schwangerschaftskonfliktsituationen ganz praktische Hilfe zu bieten und sie so zum Austragen des Kindes zu bewegen war sie mit dabei. Ausgerechnet im Jahr der Familienkampagne, das unter dem Motto „Bindung macht stark“ steht, feiert die Aktion, die sich im wahrsten Sinne für die Familie einsetzt, ihr 30-jähriges Jubiläum.

Alles begann mit der Diskussion um den § 218

Die Geschichte, die Magdalena Böckmann mit der Aktion verbindet, beginnt in den 1980er Jahren mit der Auseinandersetzung um den § 218 Strafgesetzbuch, der den Schwangerschaftsabbruch gesetzlich regelt. In dieser Situation beschlossen die Mitglieder des Diözesanrats, die „Aktion für das Leben“ im Bistum Essen zu gründen. So wurde der Verein am 27. Januar 1982 gegründet. Die erste Vorsitzende war Magdalena Böckmann. Mittlerweile gehören der Aktion im Bistum Essen 245 Verbände, Vereine, Organisationen und Gruppierungen, insgesamt knapp 1200 Einzelpersonen, an. Mehrere hundert Spender sind zudem teils regelmäßig, teils sporadisch registriert. 

„Am Anfang haben wir hauptsächlich Aufklärungsarbeit geleistet“ erinnert sich die Gladbeckerin. „Viele Frauen wussten einfach nichts über die Entwicklung der ungeborenen Kinder im Mutterleib. Kaum eine Frau hat zum Beispiel ein Ultraschallbild von ihrem Kind machen lassen.“ Das Ziel der Beraterinnen und Mitarbeiterinnen der Aktion war es dabei nicht nur, die Informationen an werdende Mütter weiterzugeben – sie traten zugleich als Anwalt für das ungeborene Leben auf, sprachen vor Verbänden, Gruppierungen, und Vereinen im ganzen Bistum. „Mein Beruf als Lehrerin brachte den Vorteil mit sich, dass ich sogar an den Schulen Aufklärungsarbeit leisten konnte“, so Böckmann. Ein weiterer wichtiger Punkt, betont die Rentnerin, sei die politische Arbeit gewesen: „Ich habe immer wieder an Podiumsdiskussionen teilgenommen und mich dort dafür einzusetzen, dass das Leben des ungeborenen Kindes Priorität hat“.

Schwierig gestaltete sich insbesondere die politische Arbeit. „Ich musste mir ein Aktionsfeld ganz neu erschließen“, erinnert sich die Rentnerin. „Ich musste die Spielregeln der Politik lernen und wie man mit Worten kämpft“. Auf Widerstand traf sie auch innerhalb der Kirche: „Ich bin immer klar für den Schutz des Lebens eingetreten. Aber ich habe auch immer betont, dass wir den Konflikt in dem sich die Frauen befinden ernst nehmen müssen und dass es letztendlich die Entscheidung der einzelnen Frau ist. Diese Einstellung galt einigen als zu liberal“, erinnert sich Böckmann. „Umso schöner ist es zu sehen, dass die Ergebnisse, die wir damals errungen haben, heute noch nicht verpufft sind.“

„Handlungsbedarf besteht noch immer“

Dass auch im Jahr 2012 immer noch Handlungsbedarf besteht, auch wenn die rechtliche Situation mittlerweile längst viel klarer ist, weiß Mechthild Jansen, heutige Geschäftsführerin der Aktion. „Mittlerweile haben sich die Handlungs-Schwerpunkte und auch die Themen etwas geändert, aber der Kern der Arbeit ist gleichgeblieben. In erster Linie geht es darum, den Frauen in Konfliktsituationen schnell und praktisch zu helfen“, betont Jansen.

Gefördert werden hauptsächlich Familien mit Nachwuchs im Kleinkindalter. Das hat einen praktischen Grund, denn die Förderung durch die „Aktion für das Leben“ greift erst dann, wenn alle anderen Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung nicht mehr in Anspruch genommen werden können. Denn sowohl der Bistumsfond als auch die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ unterstützen die jungen Frauen zwar in der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt, nicht aber in der darauf folgenden Zeit.

Herkunft oder Konfession spielen dabei keine Rolle. „Wir weisen keinen ab, der zu uns kommt und wirklich Hilfe braucht“, betont Mechthild Jansen. „Unsere Beraterinnen sind ausgebildete Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen, sie haben ein sehr gutes Gespür dafür, wer wirklich Hilfe braucht.“ In diesen Fällen hilft die Aktion dann mit einer einmaligen Unterstützung für Sachmittel: Die Anschaffung eines Kinderwagens, der Kinderzimmereinrichtung, einer Waschmaschine oder Kleidung. Folgeanträge werden nur selten genehmigt und gründlich geprüft: „Wir wollen den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie sollen nicht von der finanziellen Unterstützung abgängig werden“, betont die Geschäftsführerin. Und das System funktioniert: Dadurch, dass die Beraterinnen beim Diözesancaritasverband angestellt sind, verfügen sie über ein großes Netzwerk und können den betroffenen Frauen schnell und unbürokratisch Hilfe weitervermitteln.

Nicht nur finanzielle, sondern auch ganz praktische Hilfe

Ausgezahlt hat sich auch die Kreativität der Beraterinnen in den vergangenen Jahren. Sie bringen nicht nur ihre organisatorischen Kompetenzen ein, sondern auch Ideen für konkrete Projekte um den jungen Familien in praktischen Alltagsfragen weiterhelfen zu können. „Viele junge Eltern müssen erst lernen, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, die Familie und den Haushalt zu organisieren. Auch in solchen Fragen sind wir für sie da“, weiß Jansen. Beispiele für Projekte sind beispielsweise das Mütter-Café „Sonnenschein“ in Bochum-Wattenscheid oder eine mobile Küche, ein umgebauter Bulli, der durch das Ruhrgebiet fährt und Eltern das Kochen beibringt.

Über 100 Familien konnte im vergangenen Jahr auf diese Weise geholfen werden. Die finanziellen Mittel dafür kommen größtenteils aus Spendeneinnahmen. Wie viele Mittel im Jahr zur Verfügung stehen, schwankt, wobei der Mittelwert im vergangenen Jahr bei rund 50.000 Euro lag. „Von den Einnahmen fließen rund 95% zu den bedürftigen Familien. Ein kleiner Teil fließt zudem in die Öffentlichkeitsarbeit. Der Rest kommt in den Topf für das kommende Jahr“, erklärt Jansen. Dass das überhaupt möglich ist, liegt an dem ehrenamtlichen Engagement der Mitarbeiter. „Der Vorstand arbeitet komplett ehrenamtlich“, so die Geschäftsführerin.

Immer da, wo ethische Fragen diskutiert werden

Darüber hinaus leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins nach wie vor Aufklärungs- und Lobbyarbeit. „Wir kommen überall dort ins Spiel, wo ethische Fragen rund um das ungeborene Leben diskutiert werden“, so Jansen. Die Mitglieder der Aktion besuchen öffentliche Podiumsdiskussionen in den Gemeinden und Gruppen oder auf politischen Veranstaltungen. Mit dabei ist übrigens auch Magdalena Böckmann – soweit es der Gladbeckerin eben möglich ist. „Mit dem Alter wird eben nicht alles leichter“, schmunzelt die Rentnerin. „Aber es war und es ist immer noch ein Herzensanliegen und dafür setzt man sich eben immer weiter ein.“ (ms)

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.bistum-essen.de

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