von Thomas Rünker

Fröhlich-frommes Feldlager mit Gänsehautgefühl

Beim Vigil-Gebet auf dem „Feld der Barmherzigkeit“ ermuntert der Papst die Jugend aktiv zu werden und nicht nur „auf dem Sofa“ zu sitzen. Junge Leute aus dem Ruhrgebiet sind beeindruckt.

Papst-Foto aus der Nähe

Lukas war ganz nah dran. „Höchstens sieben Meter“, sei Papst Franziskus entfernt gewesen, erzählt der Student aus Mülheim und zeigt ein Beweisfoto auf seinem Kamera-Bildschirm. Wie eine knappe Million andere Teilnehmer des Weltjugendtags sind die 120 jungen Leute von Rhein, Ruhr und Lenne zum Abschluss des großen Glaubensfests in Krakau zum „Feld der Barmherzigkeit“ gepilgert, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und unter freiem Himmel zu übernachten. Und weil von ihrem Platz im Sektor B5 selbst die Bühne nur als kleiner weißer Fleck erscheint, hat sich Lukas mit einem Trick bis ganz nach vorn durchgeschlagen: „Ich habe mein Bistum-Essen-T-Shirt mit einem der freiwilligen Helfer hier gegen ein offizielles ,Volunteer‘-Shirt getauscht“, sagt Lukas mit einem breiten Grinsen. Und mit diesem blauen Hemd hat er es ohne Ausweiskontrolle bis in den VIP-Bereich geschafft und dort den Papst bei seiner Ankunft am Altar fotografiert.

Eine knappe Million Menschen aus aller Herren Länder

Es ist ein fröhlich-frommes Feldlager, das die Weltjugendtags-Organisatoren da in einem Gewerbegebiet im Westen Krakaus aufgeschlagen haben. Rings um die – aus der Nähe betrachtet dann doch recht gigantische – Altarinsel reihen sich bis zum Horizont Schlafsack, Luftmatratzen, Plastikplanen, Iso-Matten und Zelte aneinander. Dazwischen Dixie-Klo-Batterien, Erste-Hilfe- und Verpflegungsstellen, Feuerwehr und Polizei und immer wieder Pilger, Pilger, Pilger. Aus allen Himmelsrichtungen drängen Sie nach teils stundenlangen Wanderungen auf das Feld und suchen sich ihren Platz. Neben den Pilgern aus dem Ruhrbistum lagern Italiener, Franzosen, Polen, Afrikaner, Amerikaner, Asiaten – ein bunter Mix von Menschen aus aller Herren Länder.

Jugendliche sollen „Spuren hinterlassen“

Als der Papst spricht, hat fast jeder einen Kopfhörer im Ohr. Über verschiedene Radio-Frequenzen kann jeder die italienische Predigt in seiner Sprache hören. Neben der Fahne des Ruhrbistums haben sich Sofie, Pascal und Valentin aus Essen und der Gelsenkirchener Andreas mit ihren Handys positioniert. Sie hören, wie Papst Franziskus sie auffordert vom „Sofa“ aufzustehen, aktiv ihr Leben zu gestalten, „Spuren zu hinterlassen“ und „Glück nicht mit Konsum zu verwechseln“. Franziskus sei „total entspannt“, findet Sofie, die das erste Mal bei einem Weltjugendtag dabei ist. „Ich glaube, der würde am liebsten hier zu uns herunter kommen und mit jedem einzelnen reden“, sagt sie. Und dass er zur Willkommensfeier am Donnerstag sogar mit der Straßenbahn gekommen ist, sei „ein tolles Symbol“ gewesen.

Erwachsene lehren, dass Leben in Vielfalt eine Chance ist

„Papst Franziskus ist wie ein Großvater“, sagt Lukas, der auch schon bei Weltjugendtagen mit Papst Benedikt dabei war. „Er spricht zu uns Jugendlichen, stellt Fragen und sagt auch Dinge, die wir ändern sollen. Er hat uns einfach gern“, ist sich Lukas sicher.

Dass Franziskus große Stücke auf die Jugend hält, wird an diesem Abend einmal mehr überdeutlich: „Wir Erwachsenen brauchen euch“, ruft er den jungen Leuten zu. In der „Welt im Krieg“ solle die Jugend die Erwachsenen lehren „in der Verschiedenheit, im Dialog zusammenzuleben und die Vielfalt der Kulturen miteinander zu teilen nicht wie eine Bedrohung, sondern als eine Chance“. Die Jugend soll die Erwachsenen lehren, „dass es einfacher ist Brücken zu bauen, als Mauern zu errichten“. Und – typisch Franziskus – belässt er es nicht beim Aufruf, sondern wird gleich konkret: „Gebt euch die Hände und baut los!“ Und hunderttausende junge Leute fassen sich an den Händen und lassen diese Brücke entstehen – zumindest schon mal symbolisch.

Kerzenmeer nach Sonnenuntergang

Nach den Worten des Papstes, nach Applaus und Jubel wird es besinnlich auf dem Feld. Die Sonne ist untergegangen, und beim großen Vigil-Gebet erleuchtet zur eucharistischen Anbetung nach und nach ein riesiges Kerzenmeer der das Feld der Barmherzigkeit. Ergriffen knien, stehen oder sitzen viele der Jugendlichen und schauen auf das brennende Licht in ihren Händen oder auf die Videowände mit dem betenden Papst. Wie viele Sorgen und Nöte, wie viel Freude und Dank mag in diesen Minuten auf diesem Feld formuliert werden. Ein Gänsehautgefühl, das niemanden kalt lässt – auch Dominik und Angelina aus Duisburg nicht, die über die Jugendberufshilfe-Einrichtung „Werkkiste“ mit nach Krakau gekommen sind und sich als „eigentlich gar nicht so gläubig“ bezeichnen. Doch für sie ist jetzt schon klar: „Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei!“ Denn der Weltjugendtag sei eben nicht nur ein Papst-Festival, sondern auch Gebet und Gesang bei den Katechesen, ganz viel Gastfreundschaft der polnischen Familien und spannende Kontakte zu Menschen aus aller Welt. „Es ist toll zu sehen, wie unterschiedlich die Leute aus so vielen Ländern feiern und ihren Glauben leben“, ergänzt Sofie. Und Dominik bemerkt erstaunt, wie friedlich und geordnet dieses Glaubensfest trotz der vielen Leute abläuft: „Hier kannst du einfach deine Sachen liegenlassen – und hinterher ist alles noch da.“

So richtig friedlich wird das Feld der Barmherzigkeit aber erst zwei Stunden später, als sich endgültig die Nacht über das Lager legt. Je nach Dicke der Isomatte und Schnarchlautstärke der Nachbarn schlafen die Jugendlichen besser oder schlechter, bevor der Weltjugendtag am Sonntag mit der großen Abschlussmesse endgültig zu Ende geht.

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