Forscher-Besuch aus dem Fernen Osten

Shuji Ozaki, Wissenschaftler aus Japan, recherchierte im Archiv des Bistums Essen über den Priester und Sozialpolitiker Heinrich Brauns.

Shuji Ozaki, Wissenschaftler aus Japan, recherchiert im Archiv des Bistums Essen über den Priester und Sozialpolitiker Heinrich Brauns

Besuch vom anderen Ende der Welt empfingen in diesen Tagen die Mitarbeiter im Archiv des Bistums Essen. Shuji Ozaki (52) war im Auftrag der Sophia-Universität Tokio nach Essen gereist, um hier über Heinrich Brauns zu forschen. Heinrich Brauns (1868 – 1939), der als Seelsorger in Essen-Borbeck gewirkt hat, war in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts acht Jahre lang Arbeitsminister der Weimarer Republik gewesen. Ihm zu Ehren vergibt der Bischof von Essen seit 1978 alle zwei Jahre den Heinrich-Brauns-Preis für Bemühungen um die katholische Soziallehre.

Warum kümmert man sich im Fernen Osten um einen deutschen Priester und sein politisches Amt? Für den Wissenschaftler Shuji Ozaki ist das eine klare Sache: „Die Japaner interessieren sich stark für die deutsche Sozialgeschichte.“ Europa sei für das Japan des 19. und 20. Jahrhunderts in Fragen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein großes Vorbild gewesen. Soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Arbeitsschutzgesetze seien in der Weimarer Republik weit entwickelt worden, und Heinrich Brauns als Sozialpolitiker habe viele dieser Gesetze auf den Weg gebracht.

Das Archiv des Bistums Essen, untergebracht in der ehemaligen Christophorus-Kirche in Essen-Kray, hat dem japanischen Forscher auf 14 Regal-Kilometern eine Menge zu bieten. Er hat hier handschriftliche Predigt-Entwürfe von Heinrich Brauns gefunden und abfotografiert, die Aufschluss geben über dessen Glauben und Motivation. „Weil Brauns stark katholisch geprägt war, stand er auf der Seite der Arbeiter und hat immer versucht, einen Konsens zwischen Arbeitern und Unternehmern zu finden“, befindet Ozaki. Weil der Japaner vor 30 Jahren in Köln studiert hat, fällt es ihm heute nicht schwer, in den deutschsprachigen Quellen des Essener Diözesan-Archivs zu recherchieren.

Ozaki wird auch die Ruhrgebiets-Bibliothek Bochum und das Stadtarchiv Essen besuchen und nach zwei Wochen mit zahlreichen neuen Quellen zurückkehren zu seinem zwölfköpfigen Forscherteam in Tokio. Das Bistums-Archiv steht derweil weiteren Forschungen offen. Etwa 75 Prozent der Besucher kommen aus Universitäten. Immerhin ein Viertel der Gäste betreibt hier persönliche Ahnenforschung. (cs)

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