Flüchtlingsnot: „Wir fühlen uns allein gelassen“

Die Anschläge im Irak reißen nicht ab. Mehr als 1000 Menschen wurden im Mai gewaltsam getötet. Auch der Flüchtlingsstrom im Norden des Landes reißt nicht ab. Die Lager platzen aus allen Nähten. Die Not ist groß. Die Caritas im Bistum Essen wird ihre Hilfe für die Menschen im Nordirak fortsetzen.

Caritas im Ruhrbistum hilft weiterhin im Nordirak

Es war ein blutiger Monat im Irak. Mehr als 1000 Menschen wurden im Mai gewaltsam getötet. „Die politische Führung des Irak muss sofort handeln, um das inakzeptable Blutvergießen zu beenden“, forderte der UN-Beauftragte Martin Kobler in Bagdad in einem Gespräch mit einer Delegation der Caritas im Ruhrbistum, die vom 29. Mai bis 2. Juni den Nordirak besuchte.

„Die Lage außerhalb Kurdistans verschlimmert sich seit Monaten. Aber ich glaube fest daran, dass wir eines Tages wieder Frieden im ganzen Land haben werden, aber erst nach einem neuen Krieg“, so der Abgeordnete Shwan Taha. So pessimistisch das klingen mag, so erstaunlich ist die Lage in der Provinz Kurdistan. Die fünf Millionen Einwohner, die für ihre Kultur der Gastfreundschaft bekannt sind, haben im vergangenen Jahr klaglos über 140.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Und auch der Strom der Binnenflüchtlinge aus dem Südirak reißt nicht ab. Zu unsicher ist die Lage dort. „Unsere Stadt platzt aus allen Nähten. Momentan errichten wir das zweite große Flüchtlingslager in der Autonomen Region, etwas außerhalb von Erbil“, berichtete der Provinzgouverneur Nawzad Hadi Mawlood. Geplant seien Zeltunterkünfte für 20.000 Flüchtlinge. Doch schon heute seien in seiner Provinz 35.000 Flüchtlinge registriert, Tendenz steigend. Der Gouverneur bat dringend um Mithilfe, nicht nur materiell, sondern vor allem bei der Planung. „Wir sind allein gelassen im Unterschied zu den anderen Aufnahmeländern, helfen Sie, auf unsere Lage aufmerksam zu machen“, betonte er.

Wie verzweifelt die Lage ist, sahen die Besucher aus Deutschland auch beim Besuch im Flüchtlingslager Domiz in der Nachbarprovinz Dohuk. Ursprünglich für 8.000 Bewohner geplant hat die Zeltstadt „biblische Ausmaße“ angenommen. 80.000 Menschen leben hier inzwischen und immer noch werden täglich Neuankömmlinge registriert. Rudi Löffelsend, der für die Caritas im Ruhrbistum eine Hilfslieferung für Kinder im Alter  bis zu zwei Jahren in Kurdistan organisiert hat, räumt ein: „Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wer das sieht, kann nicht einfach die Hände in den Schoß legen.“ Neben 90.000 Windeln, Seife und Babypuder hat er zwei Tonnen Milchpulver und Proteinkekse besorgt. Durchfallerkrankungen gehören zum Alltag im Lager und können für die Kleinsten schnell lebensbedrohlich werden

Krieg und Verfolgung haben auch Spuren bei den Christen in der Region hinterlassen. Zum Besuchsprogramm der Gruppe aus dem Bistum Essen gehörten Gespräche mit den Bischöfen, darunter auch der Erzbischof von Mosul, Amel Shimoun Nona. Er berichtete, dass von den einst 4.000 Familien in Mosul nur noch knapp 700 geblieben seien. Jeden Tag würden sie Opfer von Anschlägen. „Wir denken nicht groß über die Zukunft nach“, so der Erzbischof, „wir sind froh um jeden Tag.“ Für die Ärmsten seiner Gemeinden erhält er Unterstützung von der Caritas im Ruhrbistum.

Spenden werden weiterhin dringend erbeten:
Stichwort: „Syrische Flüchtlinge“
Spendenkonto 14 400 (Caritasverband für das Bistum Essen e.V.)
bei der Bank im Bistum Essen, BLZ 360 602 95.

Weitere Informationen bei Rudi Löffelsend, Tel.: 0171-835187. (rl/do)

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