Firmvorbereitung lässt Funken überspringen

Bei einem einwöchigen Ferienkurs schmieden Firmlinge in Wattenscheid eiserne Kreuze. Das Konzept der Firmvorbereitung im Crashkurs kommt an, nicht nur bei den Jugendlichen: Auch andere Gemeinden und Bistümer zeigen großes Interesse.

Holzkohlequalm zieht in diesen Tagen über den Kirchplatz von St. Marien in Bochum-Wattenscheid. Hämmern und Sägen geben den Rhythmus, dazu gesellt sich fröhliches Lachen. Mit dicken Handschuhen ziehen die Jugendlichen die rotglühenden Stahlstäbe aus dem Feuer der Esse und formen sie zu handtellergroßen Kreuzen.

Für eine Woche haben sich rund 160 Firmlinge aus der ganzen Pfarrei St. Gertrud in der Kirche einquartiert und bereiten sich auf ihre Firmung vor. Unter dem Motto "7 Gaben - 7 Tage" findet die Firmvorbereitung als Crashkurs statt. "Das bietet uns ganz andere Möglichkeiten als eine herkömmliche Firmvorbereitung, die über Monate hinweg läuft", sagt Norbert Lepping vom Katechetenteam. "Die Jugendlichen können eine Beziehung zueinander aufbauen, zu den Katecheten und zum Thema." Aus 17 verschiedenen Workshops können sie ein Thema auswählen, mit dem sie sich auseinandersetzen wollen.

Ausflüge in die Region

Dazu gehören Ausflüge in die Jugendkirche TABGHA, wo sie im Klettergarten die eigenen Grenzen ausprobieren. Oder ein Besuch in der Kirche Pax Christi, wo es um Schuld und Vergebung geht. Im Jugendtreff des Amigonianer-Ordens in Gelsenkirchen oder im Essener Ruhrmuseum setzen sich die Jugendlichen mit der Region auseinander. "Dort erfahren sie, welche Rolle die Religion im Ruhrgebiet gespielt hat und wie Kirche in einer Umwelt sein kann, in der Kirche eigentlich keine Rolle mehr spielt", erklärt Pastoralreferent Ralf Tietmeyer. Bei einer Stadtführung zu sozialen Brennpunkten in Bochum nehmen sie die Stadt ganz anders wahr, im Stahlwerk nähern sie sich dem Schwerpunkthema der Firmvorbereitung: Feuer. "Darüber zu reden ist das eine, das Feuer zu erfahren ist das andere", sagt Gemeindereferentin Gertrude Knepper.

Feuer steht auch bei dem Highlight der Firmvorbereitung auf dem Kirchplatz im Mittelpunkt. Vier ehrenamtliche Schmiede haben dort eine Esse und mehrere Ambosse aufgestellt und schmieden mit den Jugendlichen eiserne Kreuze. Das kommt an. "Erst waren nur wenige interessiert, dann sprang der Funke im wahren Wortsinn über und am Ende hat die Hälfte aller Teilnehmer ein Kreuz geschmiedet", sagt Gertrude Knepper. "Wir wollen mit den Jugendlichen am eigenen Leib erfahren, was in einem Stück Stahl steckt, was durch die Kraft des Feuers und durch die Kraft des eigenen Körpers heraus geholt werden kann. Die Kraft des Feuers und des Kreuzes sollen uns während der Firmvorbereitung begleiten." Zwar werden alle Kreuze nach dem gleichen Prinzip hergestellt, doch sieht jedes Kreuz anders aus: "Jemand mit French-Nails und High-Heels hat eben ganz eigene Vorstellungen von einem Kreuz", sagt einer der Schmiede, die sich die halbe Woche in ihrem eigentlichen Beruf frei genommen haben.

Kompaktkurs kommt bei Jugendlichen und Organisatoren an

Das Konzept des einwöchigen Nachmittags-Crashkurses kommt gut an: Die Teilnehmerzahl ist konstant hoch; Jugendliche aus allen Schulformen sind dabei. "In vielen Schulen, die ich besuche, haben die Jugendlichen vom letzten Durchgang schon Werbung für uns gemacht", sagt Ralf Tietmeyer. Auch bei den Organisatoren steigt das Interesse: angefangen bei den Schmieden bis hin zu den Katecheten und dem Küchenteam, das die 160 Jugendlichen Abend für Abend nach dem Programm mit einem warmen Essen versorgt. Die Ehrenamtlichen investieren lieber eine Woche viel Zeit am Stück, als über Monate hinweg einzelne Abende um die jungen Leute auf das Sakrament der Firmung vorzubereiten. Weil es in Wattenscheid offenkundig so gut läuft, häufen sich Anfragen aus anderen Gemeinden und Bistümern.

Zum Abschluss der Firmvorbereitung steht die eigene Zukunft der Jugendlichen auf dem Programm: Welche Talente habe ich, welche Träume, welche Erwartungen? Wo will ich hin? Bis zur Firmung im Dezember feiern die jungen Leute noch mehrere Gottesdienste zusammen - und melden sich erst dann für die Firmung an. "Die Idee dahinter: Wir bereiten die Jugendlichen eine Woche lang vor und geben ihnen dann Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und sich dann bewusst für die Firmung einzuschreiben", sagt Norbert Lepping. (sw)

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