Feuer und Flamme für den Frieden

Seit über zwanzig Jahren bringen Pfadfinderinnen und Pfadfinder rund um Weihnachten das "Friedenslicht aus Betlehem" in die Städte und Gemeinden des Ruhrbistums. Die kleine Flamme hat einen langen Weg hinter sich und soll die Menschen daran erinnern, wie wichtig Versöhnung ist.



Pfadfinderinnen und Pfadfinder bringen das Friedenslicht in die Gemeinden

Heute Abend brennen sie wieder: Auf Weihnachtsbäumen und Adventskränzen, in Teelichthaltern und auf Kerzenständern. Egal ob in der Kirche oder im Wohnzimmer: Weihnachten ohne Kerzen – kaum vorstellbar. Mancherorts wird unter den vielen Kerzen auch ein ganz besonderes Licht brennen – das „Friedenslicht aus Bethlehem“. Traditionell verteilen es Pfadfinderinnen und Pfadfinder in den Weihnachtsgottesdiensten an die Menschen. Wie der Name schon sagt, hat die kleine Flamme einen langen Weg hinter sich. Von Bethlehem reist es erst nach Wien und von dort aus ins Ruhrgebiet und in siebzehn weitere Länder auf dieser Welt. Es soll die Menschen in ganz besonderer Weise daran erinnern, worum es Weihnachten geht: An den Frieden.

Samstag, 15. Dezember: Seit über zwanzig Jahren zieht es Pfadfinderinnen und Pfadfinder am dritten Advent in die Österreichische Hauptstadt, um dort das kleine Licht entgegen zu nehmen. Die Pfarrkirche Altlerchenfeld ist auch in diesem Jahr wieder bis in den letzten Winkel gefüllt. Etwa 1.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind heute hier hin gekommen. Sie sitzen auf den Stufen, auf dem Boden, lehnen an den Säulen. Sie alle sind als Pfadfinder zu erkennen: In Kluften, mit Halstüchern und Bannern. In allen Farben. Kinder und Jugendliche sind da, aber auch die älteren Generationen – die „Altpfadfinder“.

Knapp eine Stunde dauert die Feier. Als erstes ziehen Vertreter und Vertreterinnen der unterschiedlichen Länder und Verbände mit ihren Bannern ein. Dann folgt das Friedenslicht. Die 13-jährige Christina Mader aus Oberösterreich trägt es. In jedem Jahr wählt der ORF ein Kind aus, das sich durch ein außerordentliches soziales Engagement auszeichnet. Der oder diejenige reist nach Jerusalem, entzündet dort die Flamme in der Geburtsgrotte und bringt sie nach Wien. In diesem Jahr darf Christina das Licht und seine Botschaft in die Welt tragen, abgeholt hat sie es aber nicht selber. Ein Kind aus Bethlehem hat das Licht in der Geburtsgrotte entzündet und der ORF hat es dann hier hin gebracht. “Angesichts des Krieges der dort herrscht, war das die sicherste Lösung”, erzählt der Vorsitzende der Österreichischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder am Anfang der Feier.

Selten war das Anliegen also so greifbar: “Für uns ist das Friedenslicht in diesem Jahr ein besonderes Zeichen. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Jerusalem und mit allen Menschen, die in Krisen- und Kriegsgebieten leben. Dank an die Pfadfinder, dass sie mit dem Licht auch eine Botschaft in ihre Länder tragen: Wir geben die Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben der Menschen weltweit nicht auf”, sagt Senior Mag. Hans-Jürgen Deml, der Vertreter der Evangelischen Kirche, in seiner Begrüssung.

Feuer an Bord

Nur wenige Stunden später sitzen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Deutschland wieder im Zug, der sie in ihre Heimat bringt. Damit das Friedenslicht überhaupt im Zug transportieren werden darf, muss sich die Gruppe strikt an Regeln halten, die die Deutsche Bahn auf dem „Merkblatt für Reisende mit Friedenslicht“ für diese Fahrt zusammengestellt hat. Darauf ist nicht nur geregelt, in welchen Behältern Feuer an Bord transportiert werden muss, sondern auch welcher Brennstoff benutzt werden darf und welche Ansprechpartner seitens der Bahn über was in welcher Reihenfolge zu informieren sind. „Wir müssen uns bei Abfahrt sofort beim Zugbegleiter melden, der dann unsere Personalien aufgenommen hat, die Einhaltung der genannten Regeln überprüft, unseren Aufenthaltsort im Zug notiert, und uns mit den brandschutztechnischen Sicherheitseinrichtungen im Wagen vertraut gemacht hat“, erklärt Christian Schnaubelt, der die Fahrten für die deutschen Pfadfinder organisiert. In diesem Jahr funktioniert alles reibungslos. Doch das war nicht immer so, wissen die Teilnehmer. Sie haben auf ihrer Reise mit dem Friedenslicht schon die eine oder andere Kuriosität erlebt. Ein Mal haben Sicherheitsbeamte die Gruppe am Münchener Hauptbahnhof aufgefordert, die Flamme zu löschen oder das Gebäude zu verlassen. “Als dann der Bayrische Rundfunk auftauchte und darüber berichten wollte, waren alle plötzlich wieder ganz nett”, erzählt Michael Lucks, der seit 17 Jahren die Friedenslichtfahrten mit organisiert. Das Licht hat die Delegation damals dann lieber ganz schnell und ohne Umwege in den ICE gebracht. Problematischer ist der Lichttransport in den Regionalbahnen. Weil die Zugführer dort oft gar nicht Bescheid wissen, dass “Feuer an Bord” ist.

Doch in der Regel sind die Pfadfinderdelegationen an Bord willkommen. “Die meisten Schaffner sind hilfsbereit und sehr verständnisvoll, sie sorgen zum Beispiel dafür, dass der Zug auch mal eine Minute länger als planmäßig hält, so dass wir genug Zeit haben, um das Friedenslicht weiterzugeben und noch das eine oder andere Foto zu machen”, weiß Michael. “Eine Schaffnerin hat uns bis zum Schluss auf der Strecke begleitet und dann nachher noch gefragt, ob sie das Licht vielleicht auch mitnehmen kann”. Ein Highlight: Im vergangenen Jahr kündigte das Personal am Kölner Hauptbahnhof die Ankunft des Friedenslichtes am Bahnsteig an. “Wir haben dann das Banner aus dem Fenster gehalten”. So ganz ohne Licht sind die Pfadfinderdelegationen aus Wien übrigens noch nicht zurück gekehrt. Irgendwie haben sie es immer geschafft, die kleine Flamme in die Diözesen zu bringen.

Sonntag, 16. Dezember: Bis München reist die deutsche Delegation als geschlossene Gruppe. Von dort aus geht es dann sternförmig in die verschiedenen Teile der Bundesrepublik. Sobald sich der Zug einem Bahnhof nähert, steht auch schon jemand bereit um dann kurz auszusteigen und das Friedenslicht an dort wartende Pfadfindergruppen, die Bahnhofsmission oder die Flughafenmission weiter zu geben. Nach und nach verabschieden sich nun Pfadfindergrüppchen, um das Licht in ihre Diözesen zu bringen.

In Essen angekommen, ist die Reise des Friedenslichtes noch lange nicht zu Ende. Auch im Ruhrbistum organisieren Pfadfinderinnen und Pfadfinder in jedem Jahr eine kleine, ökumenische Aussendungsfeier. Abwechselnd wird das Licht in der katholischen St. Gertrud-Kirche und der evangelischen Kreuzeskirche an die Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Bistum weitergegeben. Sie tragen es dann anschließend in ihre Städte und Gemeinden, wo sie es Weihnachten an die Menschen verteilen. Für Petra hat das Friedenslicht eine ganz besondere Bedeutung. Sie fasziniert der Gedanke, dass diese kleine Flamme nun an so vielen Orten in der Welt brennt. So zum Beispiel auch bei ihrer Schwester, die in Nürnberg wohnt. „Da ich ihr das Licht nicht persönlich weitergeben konnte, habe ich ihr ein Foto davon geschickt. Daraufhin ist die Familie losgegangen und hat sich das Licht in ihrer Gemeinde abgeholt“, erzählt die Familienmutter. „Das hat uns in diesem Moment in einer ganz besonderen Art und Weise verbunden – und das, obwohl wir so weit voneinander weg wohnen“. (ms)

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