Friede heißt, miteinander in neuer Solidarität leben

Mit Blick auf die Auseinandersetzungen auf der Krim und im Osten der Ukraine rief Ruhrbischof Overbeck im Festgottesdienst zum Abschluss der Pfingstaktion 2014 des katholischen Osteuropa-Hilfwerkes Renovabis in Essen zu Gewaltlosigkeit auf. Zudem mahnte er einen anderen Umgang mit dem "für viele immer noch ungeliebten Volk" der Roma und Sinti an.



Renovabis-Pfingstaktion 2014 schloss mit Festgottesdienst in Essen-Werden

Den Fall der Mauer vor 25 Jahren und die politisch-gesellschaftlichen Umbrüche im Osten Europas im letzten Vierteljahrhundert rückte das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis auch noch einmal beim Abschluss der Pfingstaktion 2014 in Essen-Werden am Sonntag, 8. Juni, in den Mittelpunkt. Hier klang die Pfingstaktion, die unter dem  Leitwort „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ stand, mit einem Festgottesdienst, den Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck gemeinsam mit Weihbischof Ludger Schepers, dem Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Stefan Dartmann SJ, dem Nationalpräsidenten des Kolpingwerkes Polen, Prälat Jozef Jakubiec, und dem Werdener Propst Jürgen Schmidt in der Basilika St. Ludgerus feierte, und einem anschließenden Fest der Begegnung aus.

Die Szenen beim Mauerfall vor 25 Jahren hätten etwas Grenzüberschreitendes an sich gehabt, sagte der Ruhrbischof in der Predigt. „Gefallen sind die unzähligen Behinderungen. Menschen, die sich nicht gekannt hatten, lagen sich in den Armen. Die Türen der Herzen öffneten sich und Menschen verstanden einander“, so Overbeck. Etwas Neues konnte beginnen. So sei auch das Pfingstfest das „Fest der Erneuerung“. Es zeige, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen könne. Das gelte auch und erst recht für die Kirche. „Es gibt keine Kirche, die lebendig ist und bleibt, wenn sie sich dem Heiligen Geist verschließt und sich nicht erneuert“, betonte der Ruhrbischof. Schritte der Veränderung und Erneuerung seien gerade jetzt in der Kirche in Deutschland und auch im Bistum Essen spürbar. Doch Veränderungen machten nicht selten Angst. „Aber Christentum ist Kirche mit offenen Fenstern und weit geöffneten Türen“, sagte Overbeck. So wolle das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis dazu beitragen, „dass die Mauern in den Köpfen und Herzen der Menschen einstürzen“.

Wo aus Fremden Nachbarn werden, da ist Pfingsten

Die Ordnung, die sich nach 1989 in Europa entwickelt habe, führe zu neuen Wegen des Zusammenlebens, aber auch immer wieder zu neuen Herausforderungen und Konfrontationen. Deshalb wolle Renovabis dazu beitragen, „dass die Mauern in den Köpfen und in vielen Herzen der Menschen, die das Miteinander in Ost und West behindern, einstürzen“, so der Bischof. Doch es sei auch Positives gewachsen. So erinnerte Overbeck an die Verbundenheit zwischen Deutschland und Polen, an die seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft des Ruhrbistums mit dem Erzbistum Kattowitz. Er erinnerte an die sozialarbeiterischen und politischen Initiativen im Sozialzentrum St. Peter in Duisburg-Hochfeld, einem Stadtteil mit vielen Zuwanderern, wo die sich Kirche und Caritas sowie  andere Initiativen engagiert einsetzten. „Wo aus Fremden Nachbarn werden, da ist Pfingsten“, so Overbeck. Er rief dazu auf, Solidarität zu leben, denn erst dann geschehe Erneuerung. „Es geht um die Solidarität mit den vielen, die immer noch von politischen Gewaltsystemen  beherrscht werden, in denen die Menschenwürde und die Menschenrechte nicht geachtet werden“, sagte Overbeck. Zu dieser Würde gehöre auch die Religionsfreiheit.  Erneuerung heiße auch, zu einem auskömmlichen Einkommen aller Menschen beizutragen, sich für eine gerechte Bildung für alle einzusetzen.  

Konflikte ohne Gewalt austragen

Der Ruhrbischof mahnte, Konflikte nicht mit Gewalt auszutragen. Die Auseinandersetzungen auf der Krim und in der Ukraine seien ein warnendes Beispiel. Die Großmächte seien in den letzten Jahrzehnten „nicht die Protagonisten der Rechte aller“ gewesen. Overbeck wies auch auf das Schicksal der Sinti und Roma hin, die für viele immer noch ein „ungeliebtes Volk“ seien. „Wenn die Erneuerung des politischen und gesellschaftlichen Lebens viele Ordnungsgefüge in Ost- und Westeuropa verändert, und das oftmals mit einer nicht vertretbaren Gewalt, dann können diese Transformationsprozesse nur dann Bestand haben, wenn Frieden ist, Frieden bei jedem einzelnen und untereinander“,  unterstrich Overbeck. Friede heiße, miteinander in einer neuen Solidarität zu leben.

Mit einem bunten Fest der Begegnung im Bischöflichen Mariengymnasium schloss die Renovabis-Pfingstaktion 2014. Hier gab es Musik des litauischen Ensembles „Tuto“, Talkrunden, Informationen und auch Zeit für Gespräche. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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