Familienpolitik braucht kommunale Nähe

Die Bedürfnisse einer Familie werden im Alltag und damit vor Ort in den Kommunen deutlich. Daher sei es notwendig Familienpolitik vor Ort zu betreiben, machte Dr. Angelika Engelbert am 10. November 2012 auf dem Familienkongress der Räte im Bistum Essen deutlich.

Kirchen sind wichtiger Kooperationspartner

Über die Rolle von Familien im kommunalen Kontext sprach Dr. Angelika Engelbert auf dem Familienkongress der Räte im Bistum Essen. "Familien haben für unsere Kommunen eine hohe Bedeutung", unterstrich die Privatdozentin am Samstag im Mariengymnasium in Essen-Werden. "Familien und ihre Leistungen sind in ökonomischer, politischer und sozialer Hinsicht für Kommunen wertvoll". Doch gerade die Leistungen, die eine Familie für ihr eigenes Gelingen erbringen müsse, führten dazu, dass zunehmend externe Unterstützungen nötig seien. Auch wenn es bereits eine Vielzahl von Angeboten für Familien innerhalb von Kommunen gäbe, so sei dies kein Garant dafür, dass Familien die nötige Unterstützung auch wirklich erfahren. "Oftmals liegt eine hohe Diskrepanz zwischen den Angeboten und den Bedürfnissen", zeigte Engelbert, Dozentin am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung der Ruhr-Universität in Bochum, auf. Angebote könnten nur dann unterstützend wirken, wenn eine Akzeptanz innerhalb der Familien vorliege. Die Herausforderung, eine solche Akzeptanz zu schaffen, sei hoch, denn so vielfältig wie das heutige Familienbild seien auch die Bedürfnisse.

Jede Kommune muss ihren eigenen Weg finden

"Ein Blick auf die aktuelle Situation in den Kommunen zeigt, dass kommunale Familienpolitik oftmals versteckte Politik ist", machte Engelbert deutlich. Denn Familienpolitik sei in der Bundespolitik verankert und Transferleistungen setzten sich vor allem aus Bundesmitteln zusammen.

Da Familien aber vor allem in den Kommunen ihren Alltag bringen würden, zeigten sich auch hier die Probleme und der Bedarf an Unterstützung am deutlichsten. Es sei an den Kommunen, diese Situation aufzugreifen und in unterstützende Angebote umzusetzen. Hierbei sei es wenig hilfereich, nach universalen Patentlösungen zu suchen. "Jede Kommune muss ihren eigenen Weg finden", unterstrich Engelbert. Um der Komplexität der Bedürfnisse begegnen zu können, sei es für Kommunen von großer Bedeutung, Kooperationen mit Netzwerkpartnern einzugehen. Für viele Kommunen seien vor allem die Kirchen verlässliche und wichtige Kooperationspartner im Bereich der Familienpolitik. Wie in anderen Bereichen auch, sei es in der Familienpolitik unerlässlich, die verschiedenen Akteure eines Netzwerkes zu koordinieren. Es bedürfe klarer Strukturen und verbindlicher Zielvereinbarungen. Zudem müssten sich alle Netzwerkpartner darüber klar sein: "Vernetzung braucht Zeit und Geduld." (ja)

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