von Cordula Spangenberg

Exil-Afrikaner kennen Fluchtursachen

Afrikanische Katholische Gemeinden aus NRW-Bistümern trafen sich zu einem Kongress in Essen-Werden. Tenor des Afrika-Tages: Wirtschaftliche Bedingungen in den Heimatländern verhindern den Aufbau einer eigenverantwortlichen Existenz.

Wer eine politische Lösung für die Fluchtursachen auf dem afrikanischen Kontinent sucht, kommt an einem Gespräch mit den Exil-Afrikanern in Deutschland und anderen Ländern Europas nicht vorbei. So lautet die Grundhaltung des Kongresses der Afrikanischen Katholischen Gemeinden in den fünf NRW-Bistümern unter dem Titel „Ohne Grund keine Flucht“, der am Sonntag im Marien-Gymnasium in Essen-Werden von knapp 500 Teilnehmern besucht wurde. Exil-Afrikaner seien bestens vertraut mit der Situation im Heimatland. Zugleich schickten sie aus ihrem Einkommen mehr Hilfsgelder in die Heimat, als alle staatliche Entwicklungshilfe zusammengerechnet leiste, sagte der gebürtige Kongolese Dr. Boniface Mabanza, Referent der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika in Heidelberg, in seinem Impulsreferat. Seine Analyse: Hohes Konfliktpotential entstehe dadurch, dass Afrika zwar als Rohstofflieferant gefragt sei, der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und der Abbau von Bodenschätzen jedoch gänzlich in der Hand der Europäer liege, so dass Afrikaner ihre Produkte nicht selbst konkurrenzfähig machen, vermarkten und dadurch ein besseres Einkommen erzielen könnten. „Fluchtursachen werden produziert“, fasst Mabanza die wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

In den fünf nordrhein-westfälischen Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn leben rund 25.000 Katholiken vom afrikanischen Kontinent – nicht einberechnet sind in diese Zahl Afrikaner mit deutscher Staatsbürgerschaft sowie afrikanische Flüchtlinge, die noch nicht registriert worden sind. Organisiert haben sich die Afrikaner in 15 Gemeinden, die sich nicht nach einzelnen Ländern, sondern nach der Verkehrssprache Englisch oder Französisch zusammenfinden.

„Unsere Gemeinden dienen den Afrikanern auch als Heimatverein“, erklärt Sylvester Ihuoma, nigerianischer Pastor in Münster und Sprecher der afrikanischen Gemeinden in NRW. Natürlich gebe es aufgrund der Unterschiede in den Traditionen und in den Kolonialerfahrungen auch Spannungen zwischen den Nationen. „Doch stärker sind unsere Gemeinsamkeiten.“

Diese Gemeinsamkeiten legte auch Erzbischof Dr. Fortunatus Nwachukwu, Nigerianer und derzeit Apostolischer Nuntius in Nicaragua, seinen Zuhörern ans Herz. Auch das Gefühl, mit den eigenen Kindern in zwei Welten zu leben und keine richtige Heimat mehr zu haben, verbinde die Afrikaner, vor allem aber ihre gemeinsamen Herausforderungen.

Eine dieser Herausforderungen bestehe darin, die Not der Neuankömmlinge aus Afrika in Deutschland zu lindern. „Die Leute kommen zu den Gottesdiensten der afrikanischen Gemeinden und finden hier akute Hilfe und neue private Kontakte“, berichtet Pfarrer Ihuoma, „die allermeisten wollen hier Chancen für sich und ihre Kinder wahrnehmen, selbst eine Bereicherung für die Aufnahmegesellschaft sein und ihre Familien im Heimatland unterstützen.“

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