von Thomas Rünker

„Essener Gespräche“ diskutieren über die Menschenwürde

51. Auflage der hochkarätigen Fachtagung beleuchtet in diesem Jahr den zentralen Begriff des deutschen Grundgesetzes.

51. Auflage der hochkarätigen Fachtagung

Die Menschenwürde als Grundlage der deutschen Verfassung stand jetzt im Zentrum der 51. „Essener Gespräche“ zum Verhältnis von Staat und Kirchen. Zwei Tage lang (29. Februar/1. März) diskutierten auf Einladung des Ruhrbistums zahlreiche Wissenschaftler und Praktiker aus Justiz und Verwaltung in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim über die zahlreichen inhaltlichen, juristischen und politischen Facetten dieses zentralen Begriffs des deutschen Grundgesetzes. Genug zu besprechen gab es allemal, nicht nur, weil die Menschenwürde derzeit in der Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen sehr im Fokus steht.

Fundament der Verfassung

Auch jenseits aktueller Debatten lohnt sich der Diskurs, wurde bei der Tagung in Mülheim unter Leitung von Prof. Paul Kirchhof deutlich. Denn so unumstritten der Begriff der Menschenwürde hierzulande als Fundament der Verfassung wie als Maßstab für staatliches Handeln ist, so sehr wird ihr Inhalt diskutiert: Während Christen jedem Menschen die gleiche Würde zuschreiben, weil für sie jeder ein Abbild Gottes ist, machen andere die Würde vom individuellen Beitrag des Einzelnen zu seiner Identitätsbildung abhängig. Zudem stand in der „Wolfsburg“ die Frage im Fokus, inwieweit die Garantie der Menschenwürde offen ist für Anpassungen, ob etwa Art und Maß des Schutzes dieser Würde offen für Differenzierungen sind, die dem Einzelfall Rechnung tragen.

Menschenwürde und Würdekollisionen

Um diese Fragen drehte sich die Diskussion insbesondere am Dienstag, etwa mit der Rede von Prof. Hans Michael Heinig aus Göttingen zur „Unabwägbarkeit der Menschenwürde und Würdekollisionen“ oder dem Beitrag „Menschenwürde und Recht – Normativitäten auf schwankendem Boden“ von Prof. Magnus Striet aus Freiburg. Im Gegensatz dazu legten die 51. „Essener Gespräche“ an ihrem ersten Tag – nach einer Einführung zur „Idee der Menschenwürde“ von Akad. Rat Dr. Christoph Goos aus Bonn – einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Fragen der Menschenwürde an Anfang und Ende des Lebens (Prof. Wolfram Höfling, Köln) sowie das Thema „Menschenwürde und Genforschung“ von Prof. Klaus Tanner aus Heidelberg.

Wissenschaftler und Praktiker aus Justiz und Verwaltung treffen sich sich jährlich bei den "Essener Gesprächen". Foto. Nicole Cronauge | Bistum Essen

Tagung mit 50-jähriger Tradition

Die „Essener Gespräche“ sind eine interdisziplinäre und überkonfessionelle wissenschaftliche Fachtagung, zu der das Bistum Essen seit 50 Jahren Hochschullehrer und wissenschaftlich tätige Praktiker aus Justiz und – staatlicher und kirchlicher – Verwaltung einlädt. Die Dokumentationsbände finden seit Jahren in Rechtsprechung und Fachliteratur Beachtung und werden in zahlreichen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes zitiert.

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