„Es ist Zeit, über Werte nachzudenken“

Eine Rückbesinnung auf eine „Kultur der Solidarität und Wertschätzung“ hat der Sprecher des Arbeitnehmerrates im Bistum Essen, Thomas Schlenz, auf der Diözesankonferenz in Duisburg gefordert. Hier kritisierten Spitzenpolitiker Rendite-Gier und astronomische Bonus-Zahlungen.

Spitzenpolitiker diskutierten auf Diözesankonferenz in Duisburg

Eine Rückbesinnung auf eine „Kultur der Solidarität und Wertschätzung“ hat der Sprecher des Arbeitnehmerrates im Bistum Essen und Konzernbetriebsratsvorsitzende der ThyssenKrupp AG, Thomas Schlenz, in Duisburg gefordert. „Die Gier von Wenigen hat unfassbar viele in die Arbeitslosigkeit gestürzt“, sagte Schlenz auf der Diözesankonferenz der Betriebs- und Personalräte des Ruhrbistums im Ausbildungszentrum der ThyssenKrupp Steel AG.

Zigtausende Menschen hätten allein in Nordrhein-Westfalen ihren Job verloren, viele müssten kurzarbeiten mit Lohn- und Gehaltseinbußen von bis zu 40 Prozent. „Der freie Markt braucht eine Ordnung, die soziale Verantwortung einfordert“, betonte Schlenz auf der Diözesankonferenz, die sich mit dem Thema „Wem ist Was wert? Berufs- und Arbeitswelt im Spannungsfeld von Gewinnmaximierung und Arbeitsplatzerhaltung“ befasste. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe viel Vertrauen zerstört. „Wo allein Gewinnmaximierung und astronomische Rendite zum einzigen Ziel werden und der Mensch nur noch als Rechengröße angesehen wird, da läuft etwas falsch“, betonte Schlenz. Der Staat könne nicht für risikoreiches unternehmerisches Handeln in Haftung genommen werden.


Arbeit ist Teil der menschlichen Würde

Gerade jetzt sei es notwendig, über Werte nachzudenken und andere zum Mitmachen zu motivieren. Schließlich sei der Mensch – so zitierte Schlenz aus der Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. – Urheber, Mittel und Ziel allen wirtschaftlichen Handelns. Arbeit zu haben sei „ein Teil der menschlichen Würde“. Der Betriebsratsvorsitzende rief zu einer Solidarität auf, „die die Menschen mit all ihren Sorgen und Nöten  mitnimmt“. Es sei wichtiger denn je, sich mit Fragen der Ethik und Moral auseinanderzusetzen.

Das taten dann auch die geladenen Spitzenpolitiker aus NRW: Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert, CDU/CSU MdB; Michael Groschek, MdL, Generalsekretär der SPD NRW; Christian Lindner, MdL, Generalsekretär der FDP NRW; Bärbel Höhn, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, und Ulla Lötzer, MdB, Die Linke. Dabei war die Wirtschafts- und Finanzkrise das beherrschende Thema. Aber auch Themen wie Mitbestimmung oder Mindestlohn kamen zur Sprache.


Mentalitätswechsel notwendig

Mehr Transparenz und Kontrolle sowie Standards bei den Finanzen forderte Bärbel Höhn: „In den Casino-Kapitalismus gehören Regeln.“ Doch gegen eine Vielzahl von Reglementierungen des Marktes sprach sich FDP-Generalsekretär Christian Linder aus: „Das führt nicht zu einer Überwindung der Krise.“ Es brauche „klare und echte Regeln“, die international durchgesetzt werden müssten. Dass Deutschland „einen der „reguliertesten Finanzmärkte“ der Welt habe, darauf wies Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert in der Diskussion hin. Deshalb könne die Krise nicht allein fehlenden Regeln zugeschrieben werden. „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel“, betonte Lammert, fragte dabei jedoch, ob die Wirtschafts- und Finanzkrise tatsächlich zu einer „großen Veränderung in den Köpfen“ führen werde. Einig waren sich alle Politiker in ihrer Kritik an den Banken, an der Gier nach zweistelligen Renditen und  unangemessenen Boni-Zahlungen.  Letztere nannte SPD-Generalsekretär Michael Groschek „beschämend“. Das größte Problem sei die Entwertung der Arbeit. Groschek: Sie hat nicht mehr den Wert, den sie haben muss.“
Auch Mindestlohn und Minijobs kamen in der sachlich geführten Diskussion zur Sprache. Nordrhein-Westfalen sei mittlerweile ein „Niedriglohnland“, sagte Ulla Lötzer, Die Linke. Das sei auf die „Dominanz der Shareholder-Value-Mentalität“ zurückzuführen.

„Die Ursache der Wirtschafts- und Finanzkrise liegt darin, dass nicht der einzelne Mensch und das Gemeinwohl im Mittelpunkt stehen“, sagte der Essener Weihbischof Ludger Schepers in seinem Schlusswort. Er rief dazu auf, bei der kommenden Bundestagswahl zu den Wahlurnen zu gehen. „Es geht um die ganze Gesellschaft, in der es gilt, sich für das Wohl und die Würde des einzelnen Menschen einzusetzen“, so Schepers. Sein Dank galt allen in Politik, in den Unternehmen, Betrieben und in der Gesellschaft, die dies tun. (do)

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