„Es ist gut, nicht zu hohe Erwartungen zu haben“

Katholisches Familiennetzwerk „Bindung macht stark“ diskutierte im Mariengymnasium Essen-Werden über die römische Familiensynode und Veränderungen im Familienleben.

Katholisches Familiennetzwerk „Bindung macht stark“ diskutierte im Mariengymnasium Essen-Werden über die römische Familiensynode und Veränderungen im Familienleben

Die Familiensynode, die im Oktober in Rom getagt hat, hat ein uneinheitliches Echo hervorgerufen. Das abschließende Wort zu den Ergebnissen der Synode hat der Papst noch nicht veröffentlicht. Das Familiennetzwerk im Bistum Essen „Bindung macht stark“ griff jetzt die römische Debatte auf und warf in einer Podiumsdiskussion am Dienstag, 2. Dezember, im Mariengymnasium in Essen-Werden unter der Moderation von Dr. Judith Wolf einen analytischen Blick auf die Familienwirklichkeiten im eigenen Bistum.

In den Medien hatte ein Teil der Kommentatoren der römischen Synode reklamiert, die Familiensynode habe in Sachen Sexualethik, Wiederheirat und Homosexualität erneut nur die alten Standpunkte vertreten. Der andere Teil der Beobachter bescheinigt dem Abschlussbericht einen neuen, dialogischen Sprachstil und ungewohnte Offenheit im Umgang mit strittigen Fragen.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, selbst kein Synodenteilnehmer, aber Beobachter des Geschehens, ordnet sich eher der zweiten Gruppe zu, denn „es ist gut, nicht zu hohe Erwartungen zu haben“. Er sieht in dem Abschlusstext der Synode „ein Aufstoßen der Tür, aber noch kein Übertreten der Schwelle“ und verweist darauf, dass viele Entwicklungen, die den deutschen Katholiken drängend erschienen, in anderen Ländern und Kulturen längst nicht auf dem gleichen Stand diskutiert würden: „Wir müssen aufhören, für alle Teile der Weltkirche gleichzeitige Problemlösungen zu formulieren.“

Dr. Christiane Florin, Redakteurin von „Christ und Welt“, die das Synoden-Geschehen in Rom als Berichterstatterin begleitet hatte, findet demgegenüber das Dokument „nicht alltagstauglich“ und betrachtet es eher als eine „Selbstvergewisserung der teilnehmenden Bischöfe – dem Papst war das zu wenig, das war zu erkennen“. In den 1970er Jahren zur Zeit der „Würzburger Synode“ habe die deutsche Kirche gegenüber wiederverheirateten Christen eine differenzierte Haltung eingenommen, deren Niveau man heute nur mit Mühe erreiche, sagte Florin.

In der Tat sei es Sache des Papstes zu entscheiden, wie er mit den Synoden-Ergebnissen umgeht, darüber war man sich auf dem Podium einig. Unterdessen müssten in den Ortskirchen, also auch im Bistum Essen, praktikable Hilfen und Netzwerke für Familien eingerichtet werden. Denn die Pfarreien erreichten viele Familien in ihrer Nachbarschaft nicht, stellte Bischof Overbeck für sein Bistum selbstkritisch fest. Diese Aufgabe könnten jedoch auch andere katholische Institutionen übernehmen. Barbara Wagner, Leiterin des Familiennetzwerkes im Bistum Essen „Bindung macht stark“, sieht rund um die 270 katholischen Kindertagesstätten im Bistum Essen leichte Zugangswege zum Hilfesystem auch für Familien, die keine Anbindung an die Pfarrgemeinde hätten.

Für Bischof Overbeck ist das Familien-Thema eines der wichtigsten im aktuellen Prozess der Bistumsentwicklung und keinesfalls zur reduzieren auf Familien mit kleinen Kindern oder auf die Frage nach dem Umgang der Kirche mit geschiedenen Wiederverheirateten. Die Begleitung alter Menschen zum Beispiel geschehe ebenfalls innerhalb der Familie und habe für ihn hohe Prioriät – „da hat unsere Kirche eine Vorreiterrolle“. (cs)

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