von Thomas Rünker

„Erstkommunion als Abenteuer“

Die Erstkommunion-Vorbereitung sollte sich stärker an Jungen richten, sagt Theologie-Professor Albert Biesinger. Außerdem müssten die Eltern stärker eingebunden werden, nicht nur rund um die Organisation des Fests, sondern auch mit Blick auf Glaubensinhalte.

Erstkommunion-Vorbereitung ist zu mädchen-orientiert und bindet die Eltern zu wenig ein

Die Vorbereitung der Kinder zur Erstkommunion sollte die Eltern mehr einbeziehen, bessere Materialien verwenden und bei der Gestaltung des Programms stärker die Jungen in den Blick nehmen. Diese und andere Thesen standen jetzt bei einer Tagung im Bistum Essen im Fokus, bei der Professor Albert Biesinger Priestern, Gemeinderefenten und ehrenamtlichen Katecheten unter anderem die Ergebnisse der bundesweiten Studie zur Wirksamkeit der Erstkommunion-Vorbereitung präsentierte. In den 42 Pfarreien des Bistums Essen sind im Jahr 2014 knapp 5500 Kinder zur Erstkommunion gegangen.

Ein Interview mit Professor Biesinger zur aktuellen Lage der Erstkommunion-Vorbereitung:

Nach der Erstkommunion beklagen viele Gemeinden, dass nur noch wenige Kinder in die Sonntagsmesse kommen. Dennoch sagen sie: Erstkommunion-Vorbereitung wirkt!

Unsere Studie zeigt, dass sich Kinder, die die Erstkommunion-Katechese mitgemacht haben, von anderen gleichaltrigen Kindern deutlich unterscheiden – insbesondere mit Blick auf die Werteorientierung, den Zugang zur Kirche und das Wissen über biblische Geschichten. Besonders gut wirkt dabei eine enge Einbindung der Eltern, die Familienkatechese. Dabei hat die Studie gezeigt, dass Familienkatechese sowohl bei Kindern als auch bei Eltern wirkt und zum Beispiel das Vertrauen zur Kirche signifikant erhöht.

Damit bestätigt die Studie, wofür Sie seit Jahrzehnten plädieren: Die Eltern auch inhaltlich stärker in die Vorbereitung einzubeziehen. Wie sieht denn eine gute Elternarbeit aus?

In meiner Gemeinde geben wir den Eltern beim ersten Elternabend – die heißen bei uns übrigens Elterntreffs – unser Familienbuch („Gott mit neuen Augen sehen“, Anm. d. Red.). Wir schlagen gemeinsam die Seite mit dem Bild von Emil Nolde auf, das zeigt, wie Jesus die Kinder segnet – und wir laden die Eltern ein, sich das Bild anzuschauen und anschließend in kleinen Gruppen darüber zu sprechen. Bei uns geht es sofort um Beziehungs-Inhalte, wir reden über Wandlung und Verwandlung unseres Lebens oder fragen: Was meint eigentlich ,Leib Christi‘? Dass in der Studie die Eltern nach Elternabenden zurückmelden: „Unsere eigenen Glaubensthemen kamen nicht vor, es geht immer nur um Organisation“, ist schon ein Stück weit skandalös und geht ja gar nicht.

Erstkommunion-Verantwortliche entgegen: Viele Eltern wünschen so eine intensive Beschäftigung mit dem eigenen Glauben gar nicht.

Das ist eine Fehleinschätzung – denn die Eltern richten sich zunächst mal nach dem Standard, den wir setzen. Wir sollten hier hohe Standards setzen und den Eltern bewusst machen, dass die Erstkommunion-Vorbereitung eine ganz besondere Zeit mit ihren Kindern ist: Machen Sie aus der eiligen Zeit eine heilige Zeit! In unserer Gemeinde laden wir die Familien ein, jede Woche eine halbe Stunde im Familienbuch zu lesen. Wenn ich den Eltern aber nicht einmal eine solche Möglichkeit in die Hand gebe, kann ich doch nicht  sagen: Die wollen das nicht. Die meisten Eltern sind zunächst ganz gespannt, was da auf sie zukommt, einige sind unsicher. Da ist es besonders wichtig ist, dass wir alle freudig willkommen heißen und ihnen das Familienbuch als Wegbegleitung in die Hand geben. Viele Eltern sagten mir: „Wenn es so einfach ist, dann kann ich das ja auch.“

Die Studie zeigt auch, dass vielerorts veraltetes und optisch wenig ansprechendes Material Standard ist. Warum kritisieren Sie dies?

Weil die Ergebnisse unsere Studie noch besser wären, wenn es überall gutes Material gäbe. In Zeiten, in denen anspruchsvolle Bilder und eindrucksvolle Kinderbücher das Normale sind, kommt das kirchliche Bodenpersonal mit selbst kopierten Mappen und meint, damit die Kinder interessieren zu können. Kinder und Eltern nehmen das als Kränkung wahr und denken: „Schrott von vorgestern“. Dabei geht es doch um das Goldstück Erstkommunion – da brauchen wir die besten Bücher und die schönsten Bilder.

Erstkommunion-Vorbereitung ist laut der Untersuchung zu mädchenorientiert – was kann die Kirche daran ändern?

Um den Jungen ein wenig gerechter zu werden, müssen wir vielleicht andere Geschichten erzählen. Die Erzählung von David und Goliath zum Beispiel ist eine Geschichte, die Jungs anspricht. Wir sollten vermutlich insgesamt mehr Geschichten aus dem Alten Testament erzählen. Mandalas Malen jedenfalls ist für Jungs nicht der richtige Weg. Mit denen müsste man mal eine Nachtwallfahrt machen oder am Abend in der dunklen Kirche beten. Jungs brauchen Erstkommunion als Abenteuer – das finden dann wiederum auch viele Mädchen gut.

Albert Biesinger, Herbert Bendel, Barbara Berger, David Biesinger, Jörn Hauf, u.a.: Gott mit neuen Augen sehen. Wege zur Erstkommunion. Kösel-Verlag 2013. Gesamtauflage 230 000 Exemplare.

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