Erklärung des Bistums Essen zur Situation des St.-Vinzenz-Krankenhauses in Altena

Mit Blick auf die zur Zeit diskutierte mögliche Aufgabe der medizinischen Notfall- und Grundversorgung im St.-Vinzenz-Krankenhaus in Altena erklärt das Bistum Essen:



Mit Blick auf die zur Zeit diskutierte mögliche Aufgabe der medizinischen Notfall- und Grundversorgung im St.-Vinzenz-Krankenhaus in Altena erklärt das Bistum Essen:

1. Das Bistum Essen hat sich in der Vergangenheit immer wieder dafür eingesetzt, dass das St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena als Akut-Krankenhaus erhalten bleibt. Mit einer Auslastung des Krankenhauses von derzeit 46 Prozent ist aber eine Perspektive für den Erhalt des Hauses kaum zu finden.

2. Schon 1996 wurde auf Initiative des Bistums Essen mit den St.-Antonius-Kliniken Wuppertal ein Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen, um die wirtschaftlichen Nachteile einer  kleineren Klinik aufzufangen. Diese Kooperation wurde im September 2009 bekräftigt. Ziel des Trägers und der neuen Geschäftsführung war es, ein Konzept zu entwickeln, das einerseits wirtschaftlich tragfähig sein und andererseits auch zukünftig die Krankenhaus- Grundversorgung in Altena sicher stellen sollte. 

3. Aufgrund der veränderten Krankenhaus-Finanzierung erwartet das St.-Vinzenz-Krankenhaus am Ende der Konvergenzphase in diesem Jahre einen Verlust von rund 1,9 Millionen Euro. Durch bereits umgesetzte Sanierungsmaßnahmen der Geschäftsführung kann dieses Defizit auf 1,1 Millionen Euro begrenzt werden. Daraus ergibt sich ein strukturelles Defizit von über einer Million Euro pro Jahr, das auch in den kommenden Jahren zu erwarten  wäre.  Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, muss gehandelt werden.

4. Angesichts dieser Fakten sind Aufsichtsrat und Geschäftsführung der St-Vinzenz Altena GmbH der Überzeugung, dass ein Krankenhaus der Grundversorgung unter diesen Umständen ohne Neupositionierung wirtschaftlich nicht überlebensfähig ist. Die Probleme sind vielschichtig:

- Die Erlöse aus Krankenhausleistungen wurden reduziert.
- Die Vorhaltekosten kleinerer Häuser sind höher als in Großkliniken, weil
  u.a. eine   Mindestbesetzung vorgehalten werden muss.
- Der Bevölkerungsrückgang in Altena führt zu einer geringen Auslastung
  des Krankenhauses: Der Rückgang  (1993 bis 2009) der Betten um 53
  Prozent, der Rückgang behandelter Patienten um 34 Prozent und
  Rückgang der Verweildauer um 38 Prozent, führen bei  möglichen 145
  Betten jetzt zu  einer Auslastung von 46 Prozent.
- Die Krankenkassen wollen zudem die Behandlung der Patienten in großen
  Zentren konzentrieren, weil dies wirtschaftlicher ist.

5. Aufsichtsrat und Geschäftsführung diskutieren seit Dezember 2009 verschiedene Lösungsmodelle. Es sind Gespräche mit verschiedenen Partnern und Experten geführt worden mit dem Ziel einer veränderten Nutzung des Standortes. Folgende Lösungsmodelle wurden dabei diskutiert:

a) Umwandlung in eine reine Pflegeeinrichtung
b) Erweiterung der Pflegeeinrichtung von ca. 40 Betten auf ca. 80 Betten,
    Reduzierung der Inneren Abt. auf 40 Betten mit geriatrischem
    Schwerpunkt, Einrichtung einer geriatrischen Reha mit 40 Betten,
    Schließung der Chirurgie
c) Erweiterung der Pflegeeinrichtungen von ca. 40 Betten auf ca. 80
    Betten, Errichtung einer geriatrischen Reha mit 80 Betten, Schließung
    der Chirurgie und der Inneren Abt.
d) Pflegeheim 40 Betten, Reha 40 Betten, Innere Abt. 40 Betten
e) Erweiterung Pflegeheim auf 80 Betten, Innere Abt. 40 Betten

Aufsichtsrat und Geschäftsführung waren sich einig, dass eine Umwandlung in eine reine Pflegeeinrichtung nicht gewünscht ist. Bei der Kalkulation aller anderen Modelle zeigt sich, dass auch sie nicht risikofrei sind.

6. Der Aufsichtsrat hat bislang keinen Beschluss gefasst, welches Modell verfolgt werden soll.

7. Um Lösungen für eine Zukunftssicherung des St.-Vinzenz-Krankenhauses zu finden wurden zudem konkrete Maßnahmen eingeleitet. So ist Herr. Dr. Heinrich-Walter Greuel, Chefarzt und Geschäftsführer des Marien-Hospitals in Bochum-Wattenscheid, in den Aufsichtsrat der St.-Vinzenz Altena GmbH gewählt worden. Er kann wichtige Erfahrungen aus zurückliegenden Umstrukturierungen seines Hauses in die augenblicklichen Überlegungen einbringen.

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse