Er ist immer ein „Pastor“ geblieben

Er ist ein Priester, der immer für die Menschen da ist, auf seine ruhige, zuhörende, mitfühlende und anpackende Art. Er ist zu einem Anwalt der Benachteiligten in Gesellschaft und zu einem Brückenbauer zu den Muslimen geworden. Weihbischof Franz Vorrath vollendet am 9. Juli 2012 sein 75. Lebensjahr.



Weihbischof Franz Vorrath wird 75 Jahre alt

Ingenieur hatte er eigentlich werden wollen, sich deshalb nach der Mittleren Reife am Leibniz-Gymnasium in Essen schon von der Schule verabschiedet. Doch es sollte anders kommen: Sein Lehrer meldete ihn – ohne ihn zu fragen – kurzerhand wieder an der Schule an. Franz Vorrath nahm’s als Bestimmung, verzichtete auf seine Lehrstelle, drückte weiter die Schulbank, legte schließlich seine Reifeprüfung ab - und wurde Priester. Am 9. Juli wird Vorrath, seit 1995 Weihbischof in Essen, 75 Jahre alt.

Sein Lebensweg hätte gar nicht anders verlaufen können. Davon ist er überzeugt. Seinen Schritt, Theologie zu studieren, um Priester zu werden, hat er deshalb keinen Tag bereut. Das spüren auch die Menschen, die ihm begegnen. Seine offene, unkomplizierte Art wissen die Leute zu schätzen: Ob beim Mittagessen in der Kantine des Generalvikariates, wo er regelmäßig mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern isst, oder bei seinen Besuchen in den Gemeinden und Caritas-Einrichtungen. Auch in seinem Amt als Weihbischof, so hatte er kurz nach seiner Ernennung gesagt, wolle er vor allem eins: ”Pastor bleiben”. Wer ihn kennt, weiß, dass er diesen Vorsatz ernst nimmt.

Er ist ein Priester, der immer für die Menschen da ist, auf seine ruhige, zuhörende und mitfühlende Art. Routine passt nicht zu ihm. Jeder, der ihm begegnet, ist ihm wichtig. Und er hat immer ein freundliches Wort parat. Er macht Menschen Mut, spart nicht mit Anerkennung und zeigt offen seine tiefe Dankbarkeit. Er ist authentisch, als Mensch und als Priester. Immer sucht er die Gelegenheit, Gott ins Spiel zu bringen, nicht mit der Brechstange, sondern auf sehr einfühlsame Weise. Hört man seinen Predigten zu, blendet er die Wirklichkeit nicht aus, sondern bezieht sie ein. Der Weihbischof erdet die „Frohe Botschaft“, nicht belehrend, sondern gewinnend.    


Die Zeichen der Zeit erkennen

Franz Vorrath ist ein aufmerksamer Beobachter, hat einen unverstellten Blick auf die Realität. Er ist ein Mann der klaren Worte, hat keine Scheu, den „Finger in die Wunde“ zu legen, nennt die Dinge, wie sie sind, auch wenn es unpopulär zu sein scheint. Erst vor einigen Wochen sprach er von der Verpflichtung, „die Zeichen der Zeit“ zu erkennen und zu deuten. „Ob Dialogprozess oder integrierte Kommunikation, überall geht es letztlich darum, eindringlicher und genauer unter die Lupe zu nehmen, was diese Zeichen heute sind und was sie uns für all unser Tun eigentlich sagen wollen“, sagte er. Man müsse lernen, alles mit neuen Augen zu sehen und dort, wo das Alte nicht mehr trage, neue Wege zu gehen. „Unsere Strukturen und unsere Seelsorge müssen uns zu den Freuden, den Hoffnungen, Ängsten und zu der Trauer der Menschen führen“, mahnte er. Die Kirche dürfe sich trotz eigener Probleme nicht von den Menschen abwenden. „Wir Christen müssen dort Anteil nehmen, wo Menschen wirklich ein tragendes Wort benötigen“, davon ist der Weihbischof zutiefst überzeugt.

Franz Vorrath ist ein Kind des Essener Nordens. 1937 wurde er in Essen-Stoppenberg geboren und wuchs im Nachbarstadtteil Katernberg auf. Nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium in Essen-Altenessen und dem Studium in Bonn und München wurde er am 26. Juli 1962 von Bischof Dr. Franz Hengsbach im Essener Dom zum Priester geweiht. Erste seelsorgliche Erfahrungen sammelte er als Kaplan in St. Peter und Paul in Herbede/Witten. Von 1975 bis 1981 war er Diözesanjugendseelsorger im Bistum Essen, von 1982 bis 1986 Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). 1986 ernannte ihn Bischof Hengsbach zum Pfarrer der Gemeinde St. Joseph in Oberhausen-Styrum. Ein Jahr später folgte die Ernennung zum Stadtdechanten von Oberhausen. Am 22. November 1995 wurde Franz Vorrath von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Essen ernannt und am 7. Januar 1996 im Essener Dom geweiht. Kurz darauf übertrug ihm Bischof Dr. Hubert Luthe die Verantwortung für die Caritas im Ruhrbistum. Als deren Bischofsvikar  ist er zu einem wichtigen Anwalt für die Benachteiligten in dieser Gesellschaft geworden. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Integration im Ruhrbistum war es ihm ein Anliegen, immer wieder eine Brücke zu den Muslimen zu schlagen.

Mit Vollendung seines 75. Lebensjahres hat Franz Vorrath – so ist es üblich -  den Papst um Entpflichtung vom aktiven Dienst gebeten. Üblicherweise wird einem solchen Gesuch entsprochen. Die offizielle Feier seines Geburtstages, Goldenen Priesterjubiläums (26. Juli) und seiner  Verabschiedung wird am  Caritassonntag, 23. September, 16 Uhr, mit einem Pontifikalamt im Essener Dom gefeiert.  Anschließend findet im Pfarrsaal St. Gertrud ein Empfang statt. (do/ul)

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