Einfach diskutieren in der Szenekneipe

Theologischer Salon der Ruhruniversität debattiert in der Bochumer „Goldkante“ über „Holy Shit“, Heiliges und Profanes, Gott und die Welt

Theologischer Salon der Ruhruniversität debattiert in der Bochumer „Goldkante“ über „Holy Shit“, Heiliges und Profanes, Gott und die Welt

„Holy Shit!“ – freundlich übersetzt „Heiliger Bimbam!“ - nennen die jungen Ruhrpott-Theologen ihre aktuelle Vortragsreihe über Heiliges und Profanes, Gott und die Welt. In lockerem Rahmen trifft man sich an drei Abenden im Semester in der Bochumer Szenekneipe „Goldkante“ zur Diskussion über theologische Fragen. Fachjargon ist hier verpönt, klare Ansagen und alltagstaugliche Themen werden erwartet.

Den „Salon“ organisieren in der inzwischen vierten Auflage junge Wissenschaftler der katholischen und evangelischen Fakultät der Uni Bochum. An diesem Abend sitzen zwei katholische Redner der Disziplinen „Altes Testament“ und „Religionspädagogik“ – Katharina Pyschny und Patrick Dzambo – auf Omas samtbezogenem Sofa unter dem gelben Licht einer 50er Jahre-Funzel. Mitgebracht haben sie die Themen „Heiligkeit“ und „Tätowierungen“, deren theologische Tiefe sie über Jahre so ausgelotet haben, dass sie die Essenz des Ganzen angenehm knapp auf den Punkt bringen können.

Ihnen gegenüber drängen sich gut 30 Zuhörer dicht an dicht auf Kneipenstühlen, trinken Bier und Fassbrause. Es ist mucksmäuschenstill hier im Hinterzimmer, die Anwesenden sind das Zuhören und Diskutieren offenbar gewohnt. Nur der alte Holzboden knarrt und das Kaminfeuer knistert, wenn auch bloß virtuell auf einem Laptop-Screen.

Katharina Pyschny, frisch promovierte Alttestamentlerin, gibt ihrem Vortrag den Titel „Genug mit euch! Denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig…“. Ihre gute Nachricht: Heiligkeit bedeutet Nähe zu Gott. Sie richtet sich nicht nach gesellschaftlicher Stellung, nach Amt oder Würden, sondern sie könne dazu motivieren, ethisch zu handeln, um Gott nah zu sein. Das könne ein tröstlicher Gedanke auch für heutige Pfarrgemeinden sein. Als Beispiel tief aus der Geschichte Israels nennt Pyschny den Hohepriester Aaron, der mit seinem Bruder Mose und dem Volk Israel durch die Wüste zog. Als Priester sei er zumindest in diesem Textstück der Bibel nicht heiliger als sein Volk; er habe lediglich eine andere Aufgabe: „Der Priester sorgt für gelingende Kommunikation zwischen Gott und Volk – so sieht es das Alte Testament.“

Als Patrick Dzambo auf dem Samtsofa zu Wort kommt, hat er zunächst die Lacher auf seiner Seite. Denn „die theologische Relevanz von Tätowierungen“ klingt unterhaltsam, erschließt sich aber nicht auf den ersten Blick. Das Lachen vergeht beim irritierenden Motorengeräusch einer elektrischen Tätowiermaschine; dazu Dzambos Hinweis, die Behandlung sei körperlich belastend bis hin zu Übelkeit und Ohnmacht. Angesichts des Fotos eines muskulösen Rückens, den flächendeckend der Gekreuzigte ziert, stellt sich für Dzambo die Frage nach der religiösen Dimension dieses massiven körperlichen Eingriffs: „Was heißt das, wenn Menschen bereit sind, sich unter großen Schmerzen ein Jesus-Porträt stechen zu lassen?“ Auch die Muttergottes oder die „Betenden Hände“ Albrecht Dürers seien häufig gewünschte Motive, aber auch Buddha oder chinesische Schriftzeichen.

Bei seinen Forschungen zur Masterarbeit hat Dzambo herausgefunden, dass Tätowierungen oft ein Zeichen dafür setzen sollen, Schicksal, Tod und Trauer zu bewältigen – eine Aufgabe, die Tattoos sich mit der Religion teilen. Der aufmerksame Beobachter könne zudem anhand der Tattoos erkennen, mit welchen Grundfragen sein Gegenüber sich beschäftige. Immerhin knapp ein Viertel aller 14- bis 34-Jährigen sind laut einer Studie tätowiert. Allerdings bekennen auf Nachfrage nur fünf der Anwesenden in der „Goldkante“ - die meisten im Studentenalter -, tätowiert zu sein. Auch der Referent hält sich bedeckt.

Eine wesentliche Frage aus dem Publikum lässt sich in der „Goldkante“ nicht beantworten: „Wenn Jugendliche ohne religiöses Vorwissen christliche Symbole verwenden: Bedeuten ihnen die überhaupt etwas?“ Auf dem „Marktplatz der Religionen“, resümiert Dzambo, suchten sich viele das für sie Passende heraus. Auch Rockkonzert und Kinofilm hielten für die religiöse Spurensuche her. Und so endet der „Theologische Salon“ an diesem Abend mit dem augenzwinkernden Hinweis der Salon-Organisatorin Aleksandra Tkocz auf die um Mitternacht startende „Star Wars“-Premiere. (cs)

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