Eine zweite Familie mit im Gepäck

Für gut ein Jahr waren vier junge Erwachsene aus dem Ruhrbistum in Bolivien, Ecuador und Hongkong zuhause. Jetzt sind die „Seitenwechsler“ wieder zurück. Im Gepäck haben sie jede Menge Erfahrungen und Erinnerungen sowie den Wunsch, noch einmal dorthin zurückzukehren.


Vier Seitenwechsler sind zurück im Bistum Essen

Sie sind zurück, die „Seitenwechsler“ des Bistums Essen. Für gut ein Jahr waren Julia Vogel, Laura Agarius, Moritz Piffko und Robert Druch in Bolivien, Ecuador und Hongkong zuhause. Neben vielen Erfahrungen haben sie eine „zweite Heimat und eine zweite Familie“ mitgebracht. Jetzt waren die vier jungen Erwachsenen zu Gast bei Weihbischof Ludger Schepers, der sich freute sie kennenzulernen und sie aufrief ihre Erfahrungen weiterzugeben. „Ermutigen sie andere, diesen Weg zu gehen und sich ebenfalls auf einen Seitenwechsel einzulassen.“

„Wir waren irgendwie alles für die Kinder: große Schwester, Freundin, Mutter, Lehrerin“, erzählen Julia und Laura von ihrem Aufenthalt in Bolivien. In Norte Potosi, der Andenregion Boliviens, auf einer Höhe von 2500 bis 5000 Meter, haben Julia aus Gevelsberg und Laura aus Oberhausen Claretinerpatres bei ihrer Arbeit in Wohnheimen und Schulen für Kinder und Jugendliche unterstützt.

Julia lebte in einem Dorf mit rund 400 Einwohnern, Lauras Dorf war mit 2000 Einwohnern für die Andenregion schon verhältnismäßig groß. „Rund um die Uhr waren wir für die Kinder da, ab morgens um sieben,“ schmunzelt Julia bei den Erinnerungen an den Alltag in Bolivien. „Aber das war in Ordnung!“ Die ersten Wochen seien schon sehr einsam gewesen, fügt sie hinzu. „So einsam hatte ich es mir nicht vorgestellt. Ich habe zwar sofort mit Basketball gespielt, aber die sprachliche Ebene fehlte mir!“  Mit Spanisch sei man nicht wirklich weiter gekommen, da die Menschen in dieser Region noch eine ganz eigene Eingeborenensprache nutzen. „Aber da musste ich durch und ich habe es geschafft! Am Ende ist mir der Abschied  schwer gefallen. Ich habe dort eine neue Familie gefunden und werde wieder hinfahren!“ Beim Blick zurück ist sich Laura sicher, dass ihre Arbeit in Bolivien hilfreich war. „Ich bin dorthin gefahren, weil ich nicht bloß spenden sondern direkt helfen wollte. Das habe ich gemacht. Für die Lehrer und Betreuer sowie für die Kinder war ich eine große Hilfe.“

Beide jungen Frauen wünschen sich auch in ihren späteren Berufen, Kontakt mit Lateinamerika. „Ich werde Spanisch und Portugiesisch studieren, um dann Lateinameriakstudien studieren zu können. Und dann geht es auf jeden Fall wieder zurück“, ist sich Julia aus Gevelsberg sicher. So detailliert geht Laura die Zukunftplanung noch nicht an, aber auch sie freut sich auf das Spanisch-Studium.

Die Gelassenheit, Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen in Ecuador hat den Oberhauser Moritz Piffko besonders beeindruckt. In den vergangenen Monaten war er als „Hausmann“ und Nachhilfelehrer in einem  Kinderdorf in Santo Domingo der Stiftung Fundación Valle Feliz im Einsatz. „Da hat der eine oder andere schon gestaunt, dass auch Männer spülen, kochen und waschen können“, grinst Moritz. In der zweitgefährlichsten und ärmsten Stadt Ecuadors sei sein Dienst wichtig gewesen. „Ich hatte relativ schnell ein gutes Verhältnis zu den Kindern. Viele von ihnen haben mir ganz persönliche Dinge anvertraut“, so Moritz. 

Der vierte „Seitenwechsler“ ist Robert Druch. Er war das vergangen Jahr in Hong Kong, dem Partnerbistum des Bistums Essen. „Ich habe im ärmsten Viertel gelebt und war unter 140.000 Menschen der einzige Europäer“, so Robert. Das sei anfangs schon ein komisches Gefühl gewesen. Gearbeitet hat der Bottroper für die Caritas Hongkong. „Ich habe Kinder, insbesondere pakistanische und indische, bei den Hausaufgaben betreut. Außerdem habe ich nach drei Monaten den Kindern Englischunterricht erteilt. Angefangen habe ich mit drei Gruppen, am Ende waren es zehn“, erzählt Robert nicht ohne Stolz. Auch Robert, der in einem Pfarrhaus gelebt hat, hat in Hongkong eine zweite Familie gefunden. „Man hätte mich auch Robert Wong nennen können“, schmunzelt er bei der Erinnerung an seine chinesische Familie.

Der Aufenthalt in der Metropole Hongkong hat Robert aber nachhaltig geprägt. Er wird jetzt Politik und Wirtschaft Ostasiens in Bochum studieren. „Und auf jeden Fall werde ich Mandarin lernen“, betont Robert, der während seines Aufenthalts versucht hat, Kantonesisch zu lernen. „Aber es ist sehr schwer!“

Auch im kommenden Jahr kann das Bistum Essen wieder jungen Frauen und Männern einen „Seitenwechsel“ im Rahmen des „Weltwärts-Programms“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermöglichen. Interessierte wenden sich an Markus Borzymski, Zentralabteilung Gesellschaftliche und Weltkirchliche Aufgaben,  Rufnummer 0201.2204-635, oder per E-Mail markus.borzymski@bistum-essen.de

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