Eine Zeit zum Staunen, zum Teilen und zum Danken

Am ersten Oktoberwochenende verwandeln sich die Altarräume vieler Kirchen wieder in farbenfrohe Kunstwerke aus Obst, Gemüse und Blumen. Denn dann feiert die Katholische Kirche das Erntedankfest. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich und welche Bedeutung steckt dahinter?

Am ersten Oktober-Wochenende feiert die Katholische Kirche das Erntedankfest

Bunte Blätter, Regenwetter: Der Herbst ist da und somit steht auch das Erntedankfest vor der Tür. Traditionell verwandeln sich am ersten Oktoberwochenende die Altarräume vieler Kirchen wieder in wahre Kunstwerke aus liebevoll arrangiertem Obst, Gemüse und Blumen. Collagen aus Getreide-Ähren, Äpfeln, Pflaumen, Weintrauben, Möhren und Sonnenblumen laden dann zum Staunen ein und bilden einen farbenfrohen Kontrast zum grauen Herbstalltag. Doch woher kommt der Brauch des Erntedankfestes und welche Bedeutung steckt dahinter?

Der Brauch stammt aus einer Zeit, in der die Landwirtschaft für den Menschen von existenzieller Bedeutung war. Die Abhängigkeit von Wind und Wetter, von der Beschaffenheit des Bodens und der Leistungsfähigkeit des Nutzviehs waren stärker. Die Angst vor Seuchen und Naturkatastrophen allgegenwärtig, eine gute Ernte im Herbst für das Überleben im Winter wichtig. Sobald das letzte Getreide geerntet war, spendierte der Bauer daher seinen Erntehelfern ein Fest und die Familie bedankte sich bei Gott für die gute Ernte durch Gebete und Erntegaben, wie etwa Getreide, Obst und Gemüse.

Diese Tradition des Dankesagens lässt sich bis in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen. In Mittel- und Nordeuropa wurde Erntedank üblicherweise zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche am 23. September gefeiert. Ähnliche Riten gab es in Israel, Griechenland oder im Römischen Reich. Das Judentum kennt auch heute noch zwei Erntedank-Feste: Das „Schawuot“ (Wochenfest) wird nach Beginn der Ernte gefeiert und das „Sukkot“ (Laubhüttenfest) im Herbst, am Ende der Lese. Erntedankelemente spiegelten und spiegeln sich aber auch in anderen Festen und Traditionen im Herbst wieder: Etwa im Alm-Abtrieb in den Bergen oder in manchen Heiligenfesten. So wird an St. Martin (11. November) beispielsweise vielerorts die Martinsminne (der neue Wein) getrunken und die Martinsgans gebraten.

In der Katholischen Kirche wird Erntedank seit dem 3. Jahrhundert gefeiert. Auch wenn das Fest kein offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist, ist der Brauch mittlerweile in vielen katholischen Gemeinden zur guten Tradition geworden. Bis heute fehlt jedoch ein weltweit einheitlicher Festtermin, da die Erntezeiten von der jeweiligen Klimazone abhängen und sich so von Land zu Land unterscheiden. Die deutschen Gemeinden feiern das Erntedankfest jeweils am ersten Oktoberwochenende eines Jahres – darauf hat sich die Bischofskonferenz 1972 geeinigt.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“

In dem Erntedankfest kommt ein christlicher Leitgedanke ganz besonders zum Tragen: Die Bewahrung der Schöpfung. Solange sich der Menschen als Teil der göttlichen Schöpfung begreift, wird er auch andere Teile dieser Schöpfung – zum Beispiel seine Nahrung aus Ackerbau und Viehzucht – auf Gott zurückführen. Das Christentum betrachtet, wie auch alle anderen Religionen, die „Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, wie es in jeder Eucharistiefeier von den Gaben des Brotes und des Weins heißt, als Gottesgeschenk. Auch vor diesem Hintergrund bietet der Abschluss der Ernte einen Anlass zum Dank und zur Feier. (ms)

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