„Eine Partnerschaft lebt vom persönlichen Austausch“

Shanghai und Hongkong – gleich zwei Weltmetropolen waren das Ziel von Weihbischof Ludger Schepers auf seiner sechstägigen China-Reise. Eine gute Gelegenheit, sich aus erster Hand über die Situation der Katholischen Kirche in China und im Partnerbistum Hongkong zu informieren.


Weihbischof Ludger Schepers über seine Reise nach China

Shanghai und Hongkong – gleich zwei Weltmetropolen waren das Ziel von Weihbischof Ludger Schepers auf seiner sechstägigen China-Reise. Gemeinsam mit Dr. Thilo Esser, Leiter der Zentralabteilung Weltkirche im Essener Generalvikariat, und Pater Anton Weber,  Direktor des China-Zentrums in St. Augustin, wollte sich der Weihbischof nicht nur über die Situation der Katholischen Kirche in China informieren, sondern auch die Seelsorge in den Gemeinden des Partnerbistums Hongkong kennenlernen.

Was war der Anlass für Ihre Reise nach China?

Im Mittelpunkt der Reise stand der Besuch unseres Partnerbistums Hongkong. Der letzte offizielle Besuch fand 1996 statt – ein Jahr vor der Rückgabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China. Damals waren Bischof Hubert Luthe und Weihbischof Franz Grave auf Einladung von Kardinal John B. Wu zu Gast in Hongkong. Jetzt hatte Bischof John Tong eingeladen. Eine gute Gelegenheit, die Beziehungen zwischen unseren Diözesen auch persönlich zu pflegen und sich aus erster Hand zu informieren. Außerdem: Eine Partnerschaft lebt vom persönlichen Austausch.     

Die erste Station Ihrer Reise war aber Shanghai. Warum?

Das war ein Vorschlag von Pater Anton Weber, dem Direktor des China-Zentrums in St. Augustin, den ich gerne aufgegriffen habe. Gemeinsam mit unseren Gastgebern in Shanghai hatte er ein interessantes Programm zusammengestellt. Wir haben unter anderem ein Altenheim der Diözese besucht, waren im regionalen Priesterseminar im Wallfahrtsort Sheshan zu Gast und hatten Gelegenheit, die ehemalige Bibliothek der Jesuiten zu besuchen. Besonders beeindruckt hat mich das Gespräch mit dem inzwischen 93-jährigen, übrigens deutsch sprechenden Bischof Dr. Aloysius Jin Luxian. An seiner Person wird die besondere Problematik der katholischen Kirche in China deutlich. Insgesamt 27 Jahre hat Bischof Jin Luxian in Gefängnissen und Erziehungslagern verbracht. 1985 war er schließlich mit Genehmigung der Regierung aber ohne Zustimmung Roms zum Weihbischof in Shanghai geweiht worden, drei Jahre später übertrug man ihm die Leitung der Diözese. Inzwischen ist er auch von Rom anerkannt. Nach wie vor ist die Situation der katholischen Kirche Chinas durch die Unterscheidung zwischen einer offiziellen, das heißt vom Staat anerkannten so genannten „patriotischen“ Kirche und einer inoffiziellen, so genannten „Untergrundkirche“ gekennzeichnet. Allerdings verschwindet die scharfe Grenzziehung zwischen beiden Gruppierungen allmählich.

Was unterscheidet Shanghai und Hongkong?

Zunächst einmal sind beide Städte schon beeindruckend – jede auf ihre Weise.  Shanghai hat sich erst in den vergangenen 15 Jahren zu einer Megastadt in Asien entwickelt und so ein völlig neues Gesicht erhalten.  Alte Siedlungen oder Straßenzüge sind modernen Glitzerpalästen und Wolkenkratzern aus Glas, Stahl und Granit gewichen. Ich habe mich immer wieder gefragt, was das mit den Menschen macht. Und wie muss der sichtbare Reichtum auf die vielen Frauen und Männern vom Land wirken, die in Shanghai Arbeit gesucht und gefunden haben?
Hongkong hat sich dagegen über Jahrzehnte auf engstem Raum zu einer einzigartigen Millionenmetropole entwickelt. Seit 1997 gehört die Stadt wieder zu China, genießt aber als „Sonderverwaltungszone“  besondere Rechte. Dennoch wächst der Einfluss der chinesischen Regierung. Viele Hongkonger sehen die Entwicklung mit großen Sorgen. Auch Hongkongs Bischof John Tong. Gerade erst hat das Bistum vor einem Berufungsgericht eine Klage gegen eine Verordnung verloren,  die den Einfluss der Regierung auf die kirchlichen Bildungseinrichtungen regelt.  Immerhin ist das Bistum Hongkong Träger von über 270 Kindergärten und Schulen.

Was zeichnet die Partnerschaft zwischen den Diözesen Essen und Hongkong aus?

Ich finde es erst einmal bemerkenswert, dass diese Partnerschaft zwischen den beiden Diözesen – trotz der großen Entfernung - fast 50 Jahre hält und lebendig geblieben ist. Und diese Partnerschaft – Bischof John Tong spricht übrigens immer von „sistership“ – hat sich weiter entwickelt. Ging es anfangs vor allem darum, der Diözese Hongkong mit ihren großen Flüchtlingsproblemen zu helfen und sie beim Bau von Kirchen und Sozialeinrichtungen zu unterstützen, hat sich das Bistum am südchinesischen Meer längst zu einem wichtigen Brückenkopf für den Aufbau der katholischen Kirche in China entwickelt. So ist der Erlös der jährlichen „Hongkong-Kollekte“ des Ruhrbistums ja schon seit vielen Jahren für pastorale und karitative Projekte in China bestimmt. Vor allem aber hat mir der Besuch in Hongkong deutlich gemacht, dass es ein echtes Interesse am gegenseitigen Austausch gibt. Nicht nur wir konnten bei den Besuchen in den Gemeinden oder bei der Caritas Hongkong einen sehr interessanten Einblick in die Alltagsarbeit erhalten. Umgekehrt sind auch unsere Gesprächspartner in Hongkong sehr daran interessiert, unsere pastorale Arbeit kennenzulernen, zu erfahren, welche Probleme wir hierzulande haben und wie wir versuchen, sie zu lösen.

Was kann das Ruhrbistum vom Bistum Hongkong lernen?

Die Katholische Kirche ist eine Minderheit in Hongkong. Trotzdem setzt sie weithin sichtbare Akzente in der Gesellschaft. Zum Beispiel durch die Arbeit der Caritas oder im Bildungsbereich.

Was hat Sie in Hongkong besonders beeindruckt?

Erst einmal die hohe Zahl der erwachsenen Taufbewerber. Über 7.200 Katechumenen zählte das Bistum Hongkong im vergangenen Jahr. Bemerkenswert finde ich auch, wie intensiv die  über 1.500 ehrenamtlichen Katechetinnen und Katecheten auf ihren Dienst vorbereitet und später begleitet werden. Ich selbst durfte bei der Aufnahme von 25 Taufbewerbern in der Gemeinde „Mutter vom Guten Rat“ dabei sein und die Katechumenen segnen. In lebendiger Erinnerung bleibt mir auch der Besuch des Caritas-Hauses  mit seinen vielfältigen Angebote: ein Kindergarten, ein Treff für alte Menschen, therapeutische Hilfen für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Behinderungen und vieles mehr – alles unter einem Dach. Nicht zu vergessen sind die vielen Menschen, denen wir in Hongkong begegneten und die  uns über ihre Arbeit berichteten. Nur ein Beispiel: Schwester Felicitas. Die sympathische Ordensschwester kümmert sich um die vielen philippinischen Frauen, die in Hongkong als Haushaltshilfen oder Kindermädchen arbeiten. Über 110.000 Philippinas leben immerhin in Hongkong und unterstützen mit ihrem Verdienst ihre Familien in der Heimat.

Wird es im nächsten Jahr einen Gegenbesuch in Essen geben?

Ich würde mich freuen. Eine Einladung habe ich jedenfalls in Hongkong ausgesprochen. Denn eine Partnerschaft bleibt nur lebendig, wenn es auch immer wieder den persönlichen  Austausch gibt.(ul)

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