Eine Insel der Ruhe

Eine Kerze anzünden, ein persönliches Gebet sprechen, kurz zur Ruhe kommen - die Möglichkeit dazu hatten Passanten am vergangenen Samstagabend in der Essener Innenstadt. Die "Inititative Nightfever" lud zur "Auszeit" in den Essener Dom ein.



„Nightfever“ im Essener Dom


Samstagabend, 8. Dezember, 19.30 Uhr. Bei eisiger Kälte schieben sich die Menschen durch die Essener Innenstadt. Sie erledigen vorweihnachtliche Einkäufe, besuchen den Weihnachtsmarkt und bleiben vor dem Burgplatz stehen, um ein paar Fotos zu machen. Viele von ihnen sind schwer mit Einkaufstüten bepackt und versuchen, sich ihren Weg durch die Menge zu bahnen. Rund um den Dom sprechen Jugendliche Passanten an. Sie verschenken Teelichter, mit der Einladung, diese beim ersten „Nightfever“ in Essen zu entzünden.

Wer der Einladung folgt, findet sich beim Betreten des Doms in einer anderen Welt wieder. Der Kontrast zum Geschehen draußen in der Fußgängerzone könnte kaum größer sein: Von der überfüllten Straße, dem Blinken unzähliger Lichter und dem lauten Rauschen der Menge tritt der Besucher ein in die stille, sehr entspannende Atmosphäre des Doms. Kerzen sind heute Abend die einzige Beleuchtung, leise Musik spielt im Hintergrund. Das also ist „Nightfever“.

Die Aktion „Nightfever“ geht zurück auf den Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005. „Die Initiatoren der Aktion wollten die ganz besondere Stimmung vom Weltjugendtag auch in die Zeit danach mitnehmen. Und so ist die Idee zu „Nightfever“ entstanden“, erzählt Jan Vöcklinghaus aus Gelsenkirchen. Er ist einer von rund 30 Jugendlichen aus dem Ruhrbistum, die den Abend organisiert haben. Er selbst war zwar nicht in Köln dabei, dafür aber 2011 beim Weltjugendtag in Madrid. „Die Atmosphäre dort ist einmalig. Jugendliche aus aller Welt kommen zusammen, und auf einmal sitzt man in der U-Bahn und unterhält sich auf Englisch mit einem Argentinier darüber, wie man die Messe fand.“

Idee entstand beim Weltjugendtag in Köln

Heute Abend sprechen Vöcklinghaus und seine Mitstreiter Passanten auf der Straße an, empfangen Besucher am Eingang des Doms und sorgen für besinnliche Musik. Draußen auf der Straße steht Daniel Liedtke und verteilt Teelichter an Passanten. „Es läuft gut so weit“, erzählt der angehende Auszubildende. Er war schon bei mehreren „Nightfever“-Aktionen in Düsseldorf dabei und ist froh, dass es sie jetzt auch in Essen gibt. Die Begegnung mit Menschen ist ihm wichtig. „Es gibt immer wieder Überraschungen. Leute, von denen man am ehesten denkt, sie würden eine Kerze nehmen, gehen weiter und Hip-Hopper oder Punks bleiben interessiert und aufgeschlossen stehen“. Jan Vöcklinghaus sagt, dass sich „Nightfever“ an alle Menschen gleichermaßen richtet: „Wir laden jeden ein, egal welchen Glauben oder welche Konfession jemand hat.“ Es sei ein gutes Gefühl, Leute in der Kirche zu treffen, die man vorher eingeladen habe.

Gegen 20 Uhr sitzen rund 60 Menschen in den Bänken des Doms. Sie lauschen der Musik, nehmen sich eine kurze „Auszeit“ vom vorweihnachtlichen Stress, der in der Fußgängerzone herrscht. Wer will, kann ein persönliches Gebet auf bereitgelegte Zettel schreiben und vor dem Altar in eine Kiste legen. „Wir bringen die Box dann zu den Schwestern der heiligen Mutter Teresa, die jedes Anliegen in ihre Gebete einschließen“, erzählt Vöcklinghaus.

Außerdem sitzen in den drei Seiteneingängen des Domes Priester, bei denen die Besucher die Beichte ablegen können. Für alle, die vor einer Beichte zurückschrecken, weil sie nicht wissen, wie sie abläuft, liegen Zettel aus, die den Ablauf des Sakraments erklären und bei der Erforschung des eigenen Gewissens helfen sollen.

Pastor Swen Beckedahl aus der Gemeinde St. Barbara in Gelsenkirchen-Erle hat den Abend mit organisiert. „Vor fünf Jahren bat mich der damalige Bischof Felix Genn, ein „Nightfever“ in Essen zu organisieren. Kurz danach ist er dann versetzt worden“, so Beckedahl. Nachdem ein Jugendlicher im vergangenen Frühjahr mit der Idee an den Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck herangetreten sei, habe es dann endlich geklappt. „Jetzt ist es endlich soweit“, freut sich auch Jan Vöcklinghaus.

Positive Resonanz

In anderen Städten wurde die Aktion bereits mehrmals erfolgreich durchgeführt. „In Köln nehmen in der Regel rund 2.000 Besucher an der Aktion teil“, weiß Swen Beckedahl. Und die Aktion scheint auch bei den Essener Passanten gut anzukommen. Es ist ein stetiges Kommen und Gehen im Dom, Familien, Pärchen oder Einzelpersonen nehmen in den Bänken Platz, um zu bleiben, „solange sie möchten“. Um 21 Uhr erhellen bereits unzählige Teelichter die Stufen zum Altar, auf dem das Allerheiligste steht. „Mir gefällt es sehr gut, das ist ein schöner Kontrast zu dem, was sonst so in der Kirche passiert. Wobei das nicht negativ gemeint ist“, sagt Peter Slowak aus Essen. Er wusste vorher von der Aktion und ist gezielt in den Dom gekommen. Ganz anders sieht es hingegen bei Martina Müller und Martin Muschellak aus. Beide kommen aus verschiedenen Städten und haben sich „in der Mitte“, auf dem Essener Weihnachtsmarkt, getroffen. „Wir sind hier eigentlich eher reingerutscht“, erzählen die beiden. „Wir wollten uns den Dom ansehen, wussten aber nicht, dass hier etwas stattfindet.“ Umso größer war dann die Überraschung beim Betreten der Kirche. „Es war sehr schön, aus der Konsumwelt draußen in die besinnliche Atmosphäre zu kommen. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet.“ Martin Muschellak wundert besonders der große Zulauf gerade von jungem Publikum. Darauf hingewiesen, dass die Idee für „Nightfever“ ursprünglich auf den Weltjugendtag in Köln zurückgeht, ist Martina Müller begeistert. „Ich komme aus Köln und habe den Weltjugendtag selbst miterlebt. Es ist den Jugendlichen wirklich sehr gut gelungen, die Stimmung von damals einzufangen und zu transportieren.“ Ein größeres Lob kann es wohl kaum geben.

Die nächsten „Nightfever-Aktionen“ sind bereits geplant: Am Samstag, 15. Dezember, wird die Propsteikirche St. Peter und Paul in Bochum (Untere Marktstraße 1, 44787 Bochum) ab 18.30 Uhr ihre Pforten für Besucher öffnen. Und am 23. Februar sowie am 13. April 2013 lädt die Initiative „Nightfever“ erneut in den Essener Dom ein. Weitere Informationen unter www.nightfever-essen.de. (jsb/ms)

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