Eine Glocke kehrt nach Polen zurück

Die Glocke der Pfarrkirche von St. Nikolaus in Polanka Wielka in Polen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von den deutschen Besatzern erst nach Hamburg gebracht und dann an das Ruhrbistum "verliehen". Seit einem halben Jahr läutet sie wieder in ihrer Heimat.


Ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung


Wenn die Glocke der Pfarrkirche von St. Nikolaus in Polanka Wielka/Polen läutet, dann erinnert sie nicht nur an eine bevorstehende Messe oder Andacht. In ihrem Klang schwingt immer auch ein Stück Geschichte mit. Eine Geschichte, die Polanka Wielka mit dem Ruhrgebiet verbindet.

Die Glocke der Pfarrei St. Nikolaus wurde 1525 gegossen und rief die Gläubigen dort über vierhundert Jahren zum Gebet und zur Feier der Eucharistie. Während des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1942, wurde sie von den deutschen Besatzern abmontiert und nach Deutschland gebracht. Dort schmolz man sie jedoch nicht ein, wie viele andere Glocken aus Deutschland und Polen, sondern bewahrte sie auf und übergab sie im Jahr 1955 der neuen Kirchengemeinde St. Barbara, Bottrop, für die neu erbaute Barbara-Kirche als so genannte „Leihglocke“. Hier hat sie über 50 Jahre ihre liturgische Funktion erfüllt, bevor sie im November des 2011 an ihre Heimatgemeinde zurückgeführt wurde.

Seit einem guten halben Jahr hängt die Glocke jetzt bereits wieder an ihrem ursprünglichen Platz in Polanka Wielka. Dass es dazu kommen konnte, dafür sorgten unter anderem der Verwaltungsleiter der Propstei St. Cyriakus in Bottrop Klaus Dobrindt und sein Vorgänger Gerhard Reinhold. Beide reisten jetzt zusammen mit einer Delegation der Propstei nach Polen. Ein guter Abschluss für das Projekt – darin waren sich alle einig. Zumal die Aktion ein hohes Maß an persönlichem Einsatz abverlangt hatte. „Ohne das persönliche Engagement, das weit über das Maß der täglichen Verwaltungsarbeit hinaus ging, wäre der Erfolg nicht möglich gewesen“, so Klaus Dobrindt.

Im Mittelpunkt des Besuches stand ein gemeinsamer zweisprachiger Gottesdienst zum Dank für die gelungene Glocken-Übergabe. Prälat Tadeuz Porzycki betonte in seiner Predigt, dass Eintracht, Vergebung und brüderliche Liebe von großer Bedeutung seien. Die Glocke sei zu einer Verbindung zwischen den Städten Bottrop und Polanka Wielka geworden – über alle Grenzen hinweg. Auch für Propst Paul Neumann stand die Glockenübergabe in einem besonderen Licht: „Es ist für uns von größtem Wert, da die Übergabe ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung unserer Völker ist“, so Neumann. (ms)

Stichwort: Leihglocke
Leihglocken sind Glocken, die im II. Weltkrieg vom Deutschen Reich konfisziert wurden und nach dem Ende des Krieges nicht an die ehemaligen Kirchengemeinden zurückgeführt wurden bzw. werden konnten. Solche Glocken wurden an evangelische oder katholische Kirchengemeinden, denen nach dem Krieg Glocken fehlten, ausgeliehen. Die Glocken stehen den Pfarreien für den Gebrauch dauerhaft zur Verfügung. Sie sind aber Eigentum des deutschen Staates. Alle Verfügungen, die über den Gebrauch der Glocken im Kirchturm hinausgehen, z. B. das Umhängen der Glocken in eine andere Kirche oder insbesondere die Abgabe der Glocke an Dritte müssen über das Kommissariat der Deutschen Bischöfe in Berlin mit dem deutschen Staat abgestimmt werden. (ms)

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