Ein vergessener Schicksalsort der NS-Zeit

Ausstellung über politische Gefangene „unter Hitler“ im Bochumer Stadtarchiv. Pastoralreferent Alfons Zimmer stellte 60 Porträts zusammen.

Während der NS-Diktatur saßen im damaligen Strafgefängnis „Krümmede“, der heutigen Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum, nicht nur kriminelle Gefangene ein. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger wurden von den Sondergerichten aus politischen Gründen zu Haftstrafen, auch zur Todesstrafe verurteilt. Ihnen ist eine Ausstellung gewidmet, die das Bochumer Stadtarchiv noch bis Anfang nächsten Jahres zeigt. „Schicksalsort Gefängnis. Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“ heißt der Titel der Ausstellung, die Pastoralreferent Alfons Zimmer – seit 24 Jahren in den Bochumer Strafvollzugsanstalten beschäftigt – in privater Initiative konzipiert hat.

Zimmer hatte begonnen, systematisch die Schicksale der Bochumer Häftlinge „unter Hitler“ zu erforschen, nachdem er im Jahr 2013 zufällig auf den Fall des Priesters Josef Reuland gestoßen war. Der hatte in Bochum einen Teil seiner siebenjährigen Haftstrafe wegen „hetzerischer Behauptungen über die Religionsfeindschaft des Nationalsozialismus“ abgesessen und überlebte im März 1945 bei der Evakuierung des Gefängnisses einen Genickschuss. Neben Reuland fand Zimmer bei seinen Forschungen zahlreiche weitere Priester, die in der „Krümmede“ inhaftiert waren.

Hinzu kamen Angehörige anderer Gruppen, die aus politischen oder weltanschaulichen Gründen inhaftiert wurden: Kommunisten, Sozialdemokraten, Zentrumspolitiker, Zeugen Jehovas, Homosexuelle. Über tausend so genannte „Nacht- und Nebel-Gefangene“ aus dem Widerstand besetzter Länder wie Belgien, den Niederlanden, Frankreich seien allein 1943 in der Bochumer Strafanstalt inhaftiert gewesen, hat Zimmer recherchiert. Nicht wenige der „Politischen“ verstarben an den Haftfolgen. „Ich war überrascht, über diese große Opfergruppe in Bochum kaum Informationen zu finden“, sagt Zimmer.

Zunächst hatte Alfons Zimmer aus seinen Forschungsergebnissen eine kleinere Ausstellung mit Porträts von zehn Priestern in der Propsteikirche gezeigt. Die aktuelle, große Ausstellung im Stadtarchiv „Schicksalsort Gefängnis“ zeigt nun 60 Gesichter, Porträts von politischen Gefangenen, die in den Jahren 1933 bis 1945 in der „Krümmede“ einsaßen. Im Herbst ist ein Veranstaltungsprogramm mit wissenschaftlichen Vorträgen und Führungen durch die Ausstellung geplant.

Das Bochumer Stadtarchiv, Wittener Straße 47, ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Das Stadtarchiv bleibt vom 19. September bis 6. Oktober wegen Revision geschlossen.

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