Ein Unternehmen „mit einem wunderbaren Produkt“

Im Rahmen der Reihe "Dialog mit der Jugend" waren am Freitag knapp 60 Obestufenschülerinnen und -schüler zu Gast beim Bistum Essen. Mit Bischof Overbeck diskutierten die Jugendlichen über die Militärseelsorge, die Ökumene und die Zukunftsaussichten der Kirche. Beim Caritasverband stand vor allem das soziale Engagement des Bistums im Fokus.

Bischof Overbeck diskutiert mit Jugendlichen über die Kirche

Der IS-Terror, die Stellung der Frau in der Kirche oder die Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten – vielfältig und bunt waren die Themen, die die knapp 60 Oberstufenschüler des Don-Bosco-Gymnasiums und des Maria-Wächtler-Gymnasiums aus Essen am Freitagabend beim Gespräch mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck bewegten. Gut 90 Minuten hatte sich der Ruhrbischof Zeit genommen, um den jungen Leuten bei der Veranstaltung im Rahmen der „Dialog mit der Jugend“-Reihe des Initiativkreises Ruhr Rede und Antwort zu stehen. Wie er denn sein Amt als katholischer Militärbischof damit vereinbaren könne, dass in den Zehn Geboten das Töten verboten sei, fragte einer der Schüler. Militärische Gewalt sei nur durch das Recht auf Selbstverteidigung gerechtfertigt, betonte Overbeck. Dieses Prinzip sei – auch auf Grund der historischen Erfahrungen – in Deutschland fest verankert. „Ich nehme die Bundeswehr da als sehr wach und sehr sensibel wahr“, sagte der Bischof und betonte zugleich: „Ich würde mich nicht zum Militärbischof etwa der US-Armee ernennen lassen, oder der russischen oder der ukrainischen Armee.“ In diesen Streitkräften gebe es ein teils völlig anderes Verständnis von Gewaltanwendung als in Deutschland.

Gefragt nach den Zukunftsaussichten der Kirche betonte Overbeck gegenüber den Schülern aus einem Sozialwissenschafts-Kurs und einem für evangelische Religion: „Wir müssen zu neuen Formen von Gottesdiensten und von Gemeinschaft kommen“. Auch die Frage, wie die Kirche in Zukunft ihr soziales Engagement organisiert, beschäftige ihn sehr. Zudem werde die Kirche in künftig mit deutlich weniger Geld auskommen müssen: „Wenn wir Geld ausgeben, frage ich mich immer: Hilft das Jugendlichen wie euch, wenn ihr 20 Jahre älter seid“, so Overbeck. „Wir geben heute viel zu viel Geld für Dinge aus, die wir in 20 Jahren nicht mehr brauchen.“

Ob die Kirche ein Unternehmen sei, fragte einer der Schüler. „Nicht im ersten Sinne“, antwortete Overbeck, da sei die Kirche eine Gemeinschaft von Glaubenden. Aber es gebe auf jeden Fall Parallelen: So sei die Kirche immer weniger ein Monopolist, sondern stehe mit ihrem Glaubensangebot hierzulande zunehmend in Konkurrenz zu anderen Religionsgemeinschaften, vor allem aber zur Gruppe der Konfessionslosen – „Konkurrenz belebt das Geschäft, das heißt, wir müssen besser werden“, benannte der Bischof die Konsequenz. „Unternehmen verabschieden sich auch von Dingen, die sie einmal gemacht haben, die aber nichts mehr einbringen“, zeigte er eine zweite Parallele auf. Doch „das Grundprodukt unseres Unternehmens Kirche ist wunderbar“, betonte Overbeck: „Das Evangelium – es gibt nichts besseres, um gut durchs Leben zu kommen.“

Aktuelle Sozialthemen uns das Jugendprojekt "Youngcaritas"

Vor dem Treffen mit Bischof Overbeck waren die Schülerinnen und Schüler beim Caritasverband für das Bistum Essen zu Gast. Mit dessen Direktor Andreas Meiwes diskutierten sie über aktuelle Sozialthemen, wie zum Beispiel Armut im Ruhrgebiet. „Seit es Hartz IV gibt, sprießen Tafeln und Kleiderkammern wie Pilze aus dem Boden. Daran sieht man, was in Sachen Armutsbekämpfung schief läuft. Von Menschen ohne Arbeit wird zu viel gefordert und sie werden zu wenig gefördert“, erklärte Meiwes. Was die Kirche für Flüchtlinge tue, wollten die Schüler wissen. Und was Caritas tut, damit die immer mehr Pflegebedürftigen auch in Zukunft versorgt werden können. Die Jugendlichen fragten auch nach der Bezahlung in Pflegeberufen, dem katholischen Profil der Caritas-Einrichtungen und dem Frauenanteil in den Führungsetagen. „Es waren alle aktuellen Themen dabei. Ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft, dass sich junge Menschen für soziale Themen interessieren“, freute sich Caritas-Direktor Meiwes. Genau das will die Caritas mit ihrem Jugendprojekt „Youngcaritas fördern, das Projektleiterin Sarah Scholl vorstellte. (tr/mik)

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