Ein Stück Kirchengeschichte und kleine Gesten

Welches Erbe hat Papst Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt hinterlassen? Welche Akzente wird Papst Franzikus in seinem Pontifikat setzen? Unter anderem mit diesen Fragen beschäftigte sich die Podiumsveranstaltung "Zwischen den Pontifikaten" in der Akademie "Die Wolfsburg".

Podiumsveranstaltung zum Papstwechsel in der Akademie "Die Wolfsburg"

Das Zusammentreffen von Papst Franziskus und Benedikt XVI. in den vergangenen Tagen wird sicherlich Eingang in die Geschichtsbücher der Neuzeit finden. Nun diskutierten Dr. Daniel Deckers, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Prälat Bernd Klaschka, Adveniat-Geschäftsführer, Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Prof. Dr. Thomas Söding, Mitglied der vatikanischen internationalen Theologenkommission auf der Podiumsveranstaltung "Zwischen zwei Pontifikaten" in der Katholischen Akademie "Die Wolfsburg" über Papst Benedikt XVI. und die jüngst angebrochene Amtszeit von Papst Franziskus. Zahlreiche Aspekte der Amtsführung Benedikts wurden in der von Akademiedirektor Dr. Michael Schlagheck moderierten Diskussion in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium erörtert.

Rücktritt hat das Amt verändert

Der Rücktritt Benedikt XVI. habe das Amt verändert, so waren sich die Podiumsteilnehmer einig. "Der Papst hat mit seinem Rücktritt das Amt entzaubert", so Kopp. Er habe deutlich gemacht, dass auch das Amt des Ponitfexes endlich sei. Dieses Amtsverständnis habe Benedikt XVI. bereits zu Beginn seines Pontifikats deutlich gemacht und sich als einen "einfachen Arbeiter im Weinberg des Herren" gesehen, unterstrich Prälat Klaschka. Dieses Amtsverständnis, so Söding, habe sich auch während des Pontifikates an vielen Stellen widergespiegelt. So habe Benedikt bereits während seiner Amtszeit die Sakralisierung des Papstamtes in vielen Schritten aufgehoben. Auch wenn die kirchengeschichtliche Bedeutung des Rücktrittes außer Frage stehe, so mahnte Deckers an, sei es wichtig, kritisch zu hinterfragen, welche Beweggründe und Strömungen innerhalb des Vatikans Einfluss auf die Entscheidung Benedikts genommen hätten. Diese Frage sei auch für Papst Franziskus von großer Bedeutung. "Es ist davon auszugehen, dass diese Kräfte sich nun auch am neuen Papst abarbeiten werden ", gab Deckers zu bedenken.

Lehrer statt Leiter

Benedikt XVI. sei ein sehr bescheidener Mensch gewesen, so Kopp. In zahlreichen persönlichen Begegnungen habe er "immer ein Wort für die Menschen gehabt". Den Schwerpunkt seiner Amtszeit habe Benedikt auf die Stärkung des Glaubens in Europa gelegt, unterstrich Prälat Klaschka. Gerade mit Blick auf die Vielfalt der Kirche in Lateinamerika habe das ehemalige Kirchenoberhaupt an einigen Stellen Schwierigkeiten gehabt. Geprägt sei die Amtsführung vor allem durch das Lehrverständnis Benedikts gewesen. So sei der Pontifex oft mehr ein Lehrer als ein Leiter gewesen, bekräftigte Deckers. "Das Umfeld hat für seine Amtsführung eine bedeutende Rolle gespielt", so der Journalist. Dies werde unter anderem am Umgang mit der umstrittenen Piusbruderschaft deutlich.

Kleine Gesten - große Wirkung

Obwohl Papst Franziskus erst wenige Tage im Amt ist, zeigten sich die Podiumsteilnehmer von Person und dem Auftreten des neuen Pontifexes beeindruckt. In vielen kleinen Gesten werde deutlich, auf welchem Fundament das Wirken des Papstes ruhe, so Kopp. "Franziskus zeigt sich menschlich und wirkt nahe", unterstrich der Pressesprecher. "Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt seinen Handels", fügte Prälat Kalschka, der mehrmals mit dem ehemaligen Erzbischof von Buenos Aires persönlich zusammentraf, hinzu. Schon in seiner ersten Ansprache habe Papst Franziskus mit den Worten "Und jetzt beginnen wir diesen Weg - Bischof und Volk",  angedeutet, mit welchem Verständnis er seine Amt ausfüllen werde. Es bleibe zu hoffen, dass die zahlreichen kleinen Gesten der ersten Tage keine Erwartungen wecken würden, die der neue Papst nicht erfüllen könne, waren sich die Podiumsteilnehmer abschließend einig.

Angeregt durch die rege Diskussion auf dem Podium, hatte das Publikum im Anschluss die Möglichkeit, noch eigene Aspekte und Fragen in den Austausch einzubringen. So stellte sich unter anderem die Frage nach der Relevanz der "neuen Amtsführung" für die Mitglieder der deutschen Bischofskonferenz, nach der Reform der Kurie und nach der Beziehung Franziskus zur Befreiungstheologie Lateinamerikas. (ja)

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