Ein mutiges Zeichen gläubiger Gelassenheit

Es war keine leichte Entscheidung. Wesentliche Teile der Priesterausbildung des Bistums Essen werden nach Münster verlagert. Jetzt nahm das Ruhrbistum mit einem feierlichen Gottesdienst Abschied vom Priesterseminar St. Ludgerus in Bochum.

Bistum Essen nimmt Abschied vom Priesterseminar St. Ludgerus

Mit einem feierlichen Gottesdienst nahm das Bistum Essen am Freitagabend, 6. Juli, Abschied vom Priesterseminar St. Ludgerus in Bochum. Bereits im April hatte Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck entschieden, die Priesterausbildung nach Münster zu verlagern und die bestehende Kooperation mit dem Bistum Münster zu verstärken. Grund für diese neue Weichenstellung ist die seit Jahren rückläufige Zahl der Priesterkandidaten.

Diese Entscheidung lasse – Gott sei Dank! - niemanden kalt, sagte Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt. „Das Gefühl der Wehmut, weil mit Hoffnung Begonnenes nun unwiederbringlich vorbei geht, das Gefühl der Sorge, wie es denn wohl weitergeht und ob alles einen guten Weg nimmt, verbindet sich mit der Gewissheit, dass es richtig ist, diese Entscheidung zu treffen.“ Die Zahl der Priesteramtskandidaten und die Anzahl der jährlichen Weihekandidaten spiegeln nach Ansicht des Bischofs wider, was in den Pfarreien, Gemeinden und im kirchlichen Leben des Ruhrbistums seit langem zu spüren ist: „Wir werden nicht nur kleiner, sondern ganz anders als vorgestellt und oft vorstellbar. Wir werden neu!“


Sich den Veränderungen stellen

Overbeck erinnerte daran, dass das Priesterseminar St. Ludgerus einen wesentlichen und ganz wichtigen Beitrag dazu geleistet habe, die Gemeinschaft der Priester im Bistum Essen zu formen und zu prägen. Das in der Ausbildung Erworbene sei ein wichtiges Pfund für die Zukunft, aber niemals ausreichend, so der Bischof. Immer wieder brauche es das Sich-Verändern, das Neuwerden unter ganz veränderten Bedingungen. Overbeck: „Mit der Weiterführung unserer Priesterausbildung in Gemeinschaft mit dem Bistum Münster wird das deutlich und zeigt, dass wir als Ruhrbistum mit viel Realitätssinn, Bodenständigkeit und Mut uns diesen Veränderungen stellen, nicht vor ihnen weglaufen, sie gar totschweigen oder schönreden, auf dass alles so bleibe, wie es ist und wahrscheinlich nie gewesen war.“

Die Aufgabe eines Priesterseminares sei es, auf den Dienst des Priesters vorzubereiten. Das heiße, die Aufmerksamkeit für Jesus zu schulen. „Jesus muss  wachsen, die Kirche aber geringer werden, das ist die rechte Prioritätensetzung“, betonte Overbeck. So gesehen sei der Abschied vom Priesterseminar ein mutiges Zeichen gläubiger Gelassenheit. „Es ist die Gelassenheit, dass die Kirche kleiner und geringer werden darf, wenn Jesus wächst, der alles neu macht und uns die Kraft gibt, das Neue mitzugestalten“, so der Bischof.

Kirche zu sein unter völlig veränderten Bedingungen bedeute, den Mut zu haben, sich auf Neues einzulassen. Overbeck: „Neu zu werden, weil das Faszinierendste vor allem der ist, der alles neu macht: Jesus. Ihm zu dienen, wachsam in den Zeitläufen, mutig im Tun und gelassen in den Anforderungen und Wegen, das ist Priesterdienst.“(ul)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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