„Ein Mehrwert für Liebfrauen“

Auf dem Gebiet des einstigen Gemeindezentrums Maximilian Kolbe in der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Bochum-Kornharpen entsteht der bundesweit erste Beginenhof des Verbandes "Beginen heute e.V." mit christlich-ökumenischer Ausrichtung.


Beginenhof in Bochum-Kornharpen geplant

Das Vorhaben im Bochumer Stadtteil Kornharpen ist einzigartig und zugleich nur eines von vielen Beispielen für die Wiederbelebung ehemaliger Kirchengelände: Auf dem Gebiet des einstigen Gemeindezentrums Maximilian Kolbe in der katholischen Pfarrei Liebfrauen entsteht der bundesweit erste Beginenhof des Verbandes Beginen heute e.V. mit christlich-ökumenischer Ausrichtung. Die Bochumer Wohnstätten Genossenschaft (BWG) will hier auf insgesamt 5.062 qm Grundstücksfläche einen Gebäudekomplex errichten, der Wohnungen für rund 20 alleinstehende Frauen umfasst. Die Leitung des geplanten Hofes liegt bei der Begine Brita Lieb, Vorstandsmitglied von "Beginen heute e.V.".

Mit dem Bau eines Beginenhofes in Bochum wird nicht nur ein ehemaliges Gemeindezentrum, sondern zugleich eine alte Tradition neu wiederbelebt. Die Existenz von Beginen und Beginengemeinschaften lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Beginen verwirklichten eine neue Kultur des Zusammenlebens von Frauen, die auf Selbstbestimmung und Solidarität gegründet war. Sie boten alleinstehenden und gläubigen Frauen, meist Witwen, die Möglichkeit einer spirituellen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit, ohne jedoch in ein Kloster eintreten zu müssen. Nachdem sich diese Laienkultur im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert zunächst ganz auflöste, beleben Frauen die Tradition seit rund 25 Jahren wieder neu. In Anlehnung an die mittelalterliche Beginengemeinschaft entstanden und entstehen heute in ganz Deutschland – und zunehmend in ganz Europa – Wohn- und Lebensgemeinschaften. Beginenhöfe existieren beispielsweise bereits in Essen, Dortmund und Schwerte.

Bislang einzigartig ist jedoch die christlich-ökumenische Ausrichtung der Beginengemeinschaft. Gleichwohl in christlich-religiöser Tradition verwurzelt, verzichten heute viele Beginen auf diese Komponente. Im Vordergrund steht oftmals der Aspekt des selbstbestimmten Zusammenlebens. Anders soll dies am Standort Bochum sein: „Hier legen wir großen Wert auf die christlich-ökumenische Tradition. Es ist uns insbesondere wichtig, dass der Kontakt zu den umliegenden Gemeinden bestehen bleibt und gepflegt wird“, erzählt Brita Lieb. Dies stoße auch bei den Bewerberinnen auf großes Interesse, so die Begine. Auch das Interesse der Pfarrei Liebfrauen an dem Projekt ist groß: „Wir sind froh und dankbar über diesen spirituellen Akzent“, betont Bernd Wolharn, Pfarrer der Pfarrei.

Eine zentrale Rolle fällt dementsprechend der im Jahr 2008 außer Dienst gestellten Kirche St. Maximilian Kolbe zu; sie bildet künftig den Mittelpunkt des Beginenhofes. Der vordere Teil der Kirche bleibt den Plänen zu Folge unverändert erhalten und im Besitz der katholischen Pfarrei Liebfrauen, so dass die Beginen die Kirche als Gottesdienstort nutzen können. Der hintere Teil, in dem sich bislang ein Versammlungsraum befand, wird hingegen zurückgebaut. Um die Kirche herum gruppieren sich künftig 21 Wohneinheiten, die sich auf vier Gebäudekomplexe verteilen. Insgesamt sind sechs Doppelhäuser mit je drei Wohneinheiten, drei Einzelhäuser mit je einer Wohneinheit sowie ein Gemeinschaftsgebäude geplant. Eine Bauvoranfrage wurde bereits positiv beschieden. Der Bauantrag an die Stadt soll mittelfristig eingereicht werden, mit der Erteilung der Baugenehmigung wird im Herbst 2011 gerechnet. Für die Fertigstellung des Beginenhofes wird ein Jahr Bauzeit einkalkuliert, demnach könnten die Beginen ihre Wohnungen im Herbst 2012 beziehen. (ms)

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