von Norbert Nikolai

ein Knöllchen in Lima

September 2011 in Lima:

Heute bin ich mit dem Kleinbus entgegen der Richtung in eine kleine Einbahnstraße gefahren. Am Randstreifen parkten Autos in beide Richtungen und die Pfeile auf der Straße waren so gut wie ausgelöscht. Nun,es waren auf jeden Fall sofort zwei Polizisten auf dem Motorrad da und begannen, mir ein Knöllchen zu schreiben.

Da der Alltag im Knast von Korruption, Bestechung und Bevorteilung bestimmt ist, habe ich mir fest vorgenommen, bei diesem System als Bestechungsgeldgeber nicht mitzuspielen. Zufällig war unsere Anwältin an Bord und die sprach mit den Polizisten. Nun steht in Peru auf dieses Verkehrsdelikt jedoch der Abtransport des Autos in ein Depot. (so sagten zumindest die freundlichen Helfer) Ich hätte ohne Auto dagestanden und dann noch viel Geld für den Transporter und das Auslösen des Wagens zahlen müssen. Der Tipp unserer Anwältin war also, dem Polizisten die offen geforderten 20 Soles (= 5,- €) in die Hand zu drücken und fertig. Nach dieser Aktion habe ich mich über mich selbst geärgert. Jetzt habe ich Teil am korrupten System, welches hier alles ins Chaos stürzt. Ich will es euch hier zumindest beichten, mit dem Vorsatz, das nächste Mal standhaft zu sein.

Die Polizisten zogen mit ihren Motorrädern auch weiter ihre Kreise um den Block. Wie viel Geld mag dabei am Tag so herausspringen? Der Polizist sagte noch, bevor er das Geld einsteckte: „Einem Priester ein Knöllchen zu geben bringt Unglück!“ Ich würde jedoch meinen, dass es mehr Unglück bringt, mich zur Bestechung zu verleiten. 

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