Ein Haus für schwerst verhaltensauffällige Kinder

Bischof Overbeck weiht auf dem Gelände der Essener Behinderteneinrichtung Franz Sales Haus das neue Haus Lea ein. Für die zwölf Mädchen und Jungen gibt es bei Bedarf eine 1:1-Betreuung.

Bischof Overbeck hat neues Haus Lea eingeweiht.

Als eine der größten Behinderteneinrichtungen in der Region bietet das katholische Franz Sales Haus in Essen Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen schon seit vielen Jahren ein behütetes Zuhause. Mit dem Haus Lea hat Bischof Dr. Franz-Josef in der Einrichtung jetzt eine besondere Wohneinheit für junge Leute eingeweiht, die eine besonders intensive Betreuung benötigen. Zwölf Mädchen und Jungen mit besonders herausforderndem Verhalten, wie es die Fachleute beschreiben, können sich dort entsprechend ihrer Möglichkeiten weiterentwickeln. Damit bietet das Franz Sales Haus als einer von wenigen Anbietern der Behindertenhilfe in NRW eine solch spezialisierte Einrichtung an. „Den Kindern wird hier Orientierung und Sicherheit gegeben, damit sie ihren Weg ins Leben finden“, sagte Overbeck am Montag bei der offiziellen Einweihung. „Meine Bitte an Gott ist es, die Mitarbeiter zu befähigen, ihre Aufgabe im Haus Lea mit viel Liebe, Geduld und Durchhaltevermögen zu bewältigen“, betonte er mit Blick auf die besonderen Herausforderungen für das Team im Haus Lea.

Hilfebedarf der Kinder und Jugendlichen hat sich verändert

In den vergangenen Jahren hat sich der Hilfebedarf im Franz Sales Haus gravierend verändert: Immer stärker rückt das Sozialverhalten in den Fokus der pädagogischen Arbeit. Kinder und Jugendliche, die mit Verhaltensauffälligkeiten in einer großen Gruppe überfordert sind, sind teils auf eine 1:1-Betreuung angewiesen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – für sie wurde das Haus Lea geplant. Den speziell geschulten Fachkräften geht es im Umgang mit den sogenannten herausfordernden Verhaltensweisen darum, individuelle Förderziele für die Kinder und Jugendlichen zu erstellen und diese gemeinsam zu erreichen. In Phasen, in denen die Jungen und Mädchen emotional stabil sind, erhalten sie Bindungs- und Beziehungsangebote. So erfahren sie nach und nach, wie sie mit Gefühlen wie Wut und Frustration umgehen können, ohne unkontrolliert aggressiv zu werden. Sie erleben beim Sport Erfolge, können dort ihren Kräften in kontrollierten Bahnen freien Lauf lassen und werden von den Betreuern in ihren positiven Verhaltensweisen bestärkt. In Krisensituationen geben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Kindern und Jugendlichen Halt, Orientierung und Sicherheit. Alle krisenhaften Ereignisse werden aufgearbeitet, um den Jungen und Mädchen die Chance zu eröffnen, daraus zu lernen und sich künftig anders zu verhalten.

Zwei Wohngruppen

Das Haus Lea beherbergt zwei Wohngruppen für jeweils sechs Kinder. Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer. Obwohl die Kinder bei Bedarf in 1:1 Situationen begleitet werden, können im Haus auch gezielt Gruppensituationen in den Gemeinschaftsräumen geschaffen werden, in denen die Kinder lernen, sich selbstbestimmt mit anderen Kindern und Jugendlichen zu arrangieren und den Alltag zu meisten. Jede Wohngruppe verfügt zudem über spezielle Therapieräume, in denen die Kinder und Jugendlichen Kompetenzen im Sozialbereich erweitern können.

„Diese Kinder haben ein richtig großes Paket zu tragen“

„Jeder Mensch hat ja sein eigenes Päckchen zu tragen, aber diese Kinder hier, die haben schon ein richtig großes Paket“, sagte Gabriele Lapp, Fachbereichsleiterin des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in ihrem Grußwort. Aufgabe der Mitarbeiter im Haus Lea werde es sein, „aus diesen Paketen kleinere Päckchen zu machen, damit kein Kind an dem Gewicht zerbricht“.

Langer Weg bis zur Einweihung

Bereits 2004 habe das Franz Sales Haus den Bau eines Hauses für schwerst verhaltensauffällige Kinder beschlossen, berichtete Franz-Sales-Haus-Direktor Günter Oelscher bei der Einweihung. „Es war unterwegs recht schwierig, aber wir freuen uns, dass wir das Haus Lea heute einweihen dürfen.“ Durch kleinere Gruppen und eine enge Anbindung an die Mitarbeiter finden sie hier einen optimalen Förder- und Lebensort, der passgenau ihren Bedürfnissen entspricht. (tr)

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