"Ein erster Schritt der Prävention"

Der sexuelle Missbrauch in der Kirche" ist erstmalig Thema eines Studientages im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden. Die Veranstaltung will Priestern, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Ordensleuten die Möglichkeit bieten, sich intensiv mit dem Thema „Sexueller Missbrauch" auseinanderzusetzen und auszutauschen.


Kardinal-Hengsbach-Haus veranstaltet Studientagung für Mitarbeiter in der Seelsorge

„Der sexuelle Missbrauch in der Kirche" ist das Thema eines Studientages am Donnerstag, 18. November 2010, im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden. Die Veranstaltung will Priestern, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Ordensleuten die Möglichkeit bieten, sich intensiv mit dem Thema „Sexueller Missbrauch" auseinanderzusetzen und auszutauschen. Zugleich will die Tagung die in der Seelsorge tätigen Frauen und Männer über die jüngst beschlossenen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz und die im Bistum Essen geltende Verfahrensordnung bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche und Mitarbeiter im Kirchlichen Dienst informieren. Referenten und Gesprächspartner werden an diesem Tag die Psychologin und Psychotherapeutin Monika Bormann, Leiterin der Caritas-Beratungsstelle „Neue Wege" in Bochum , Dr. Barbara Haslbeck von der Universität Passau sowie Dorothee Trynogga, Bischöfliche Beauftragte für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Bistum Essen, sein. (ul)

 

Drei Fragen an….

Domvikar Thomas Zander, Direktor des Kardinal-Hengsbach-Hauses

„Der sexuelle Missbrauch in der Kirche" ist zum ersten Mal Thema einer Veranstaltung des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Was ist der Grund dafür?

Nach den in diesem Jahr bekannt gewordenen Fällen des sexuellen Missbrauchs, gibt es bei den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unserem Bistum nicht nur eine starke Verunsicherung, sondern auch einen großen Gesprächsbedarf. Neben der Betroffenheit, dass vertraute Personen aus der nächsten Umgebung als Täter beschuldigt werden, ist für viele Seelsorger der unbefangene Umgang mit Kindern und Jugendlichen schwierig geworden. Wir wollen deshalb bei der Studientagung am 18. November zunächst über die Problematik „Missbrauch" zu informieren, die neuen Leitlinien der deutschen Bischöfe sowie die Verfahrensordnung unseres Bistums vorstellen und eine Möglichkeit bieten, sich im Kreis von Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

Indem wir uns auf diese Weise mit der Problematik auseinandersetzen, ist die Veranstaltung neben der Bearbeitung eigener Fragen auch ein erster Schritt der Prävention. Immerhin: Bis heute haben sich 85 Personen angemeldet. Das ist eine sehr große Zahl für eine Veranstaltung, bei der es keine Teilnahmeverpflichtung gibt.

Als Referenten haben Sie gleich drei Frauen eingeladen. Für welche Themen stehen sie?

Es ist Zufall, dass es sich um drei Frauen handelt. Frau Dr. Haslbeck beschäftigt sich als Theologin mit dem Thema "Gewalt und Kirche" und hat sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit der Problematik "Missbrauch und Religiosität" beschäftigt. Frau Bormann ist in der Beratungsstelle "Neue Wege" (Caritas Bochum) tätig und hat durch ihre Tätigkeit einen praxisnahen Zugang zum Thema. Sie wird Täterprofile präsentieren, über die Opfer und ihre Traumatisierungen sprechen sowie über die Arbeit der Beratungsstelle informieren. Frau Trynogga ist in unserem Bistum für mutmaßliche Opfer die erste Ansprechperson. Sie wird über den aktuellen Stand zum Thema Missbrauch in Bistum und die Vorgehensweise im Fall einer Anschuldigung informieren.

Was erhoffen Sie sich von dieser Tagung und welche Rolle wird das Thema „Sexueller Missbrauch in der Kirche" in der Fort- und Weiterbildung der Seelsorgerinnen und Seelsorger im Ruhrbistum künftig spielen?

Ich hoffe, wir können mit dieser Veranstaltung deutlich machen, dass wir das Thema des sexuellen Missbrauchs auf unserer Agenda haben und es nicht tabuisieren. Auch wenn die öffentliche Debatte scheinbar ein wenig abgeebbt ist, bleiben wir an diesem Thema dran. Weiter erwarte ich von dem Tag, dass er für die Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und –referenten sowie Ordensleute unseres Bistums eine Hilfe ist. Die Bereitschaft sich dem Thema zu stellen, der gegenseitige Austausch und das kollegiale Gespräch sind wichtig.

Prävention hat einen hohen Stellenwert. Deshalb ist es wichtig, dass alle, die in der Aus- und Fortbildung sowie für den Personaleinsatz Verantwortung tragen, entsprechende Konzepte entwickeln. In der Fortbildung habe ich für das nächste Jahr eine Veranstaltung geplant, die sich mit der Thematik "Nähe und Distanz in der Seelsorge" beschäftigt.

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