„Ein denkwürdiger und grandioser Abend“

Über 1000 Besucher erlebten am Freitag in der Mercatorhalle Duisburg die Uraufführung des von Stefan Heucke komponierten Oratoriums "Nikolaus Groß". Für sie wie auch für Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert wurde der Abend zu einem denkwürdigen und grandiosen Ereignis. Es war Musik, die unter die Haut ging.

Das Oratorium „Nikolaus Groß“ erlebte in Duisburg seine Uraufführung

„…will dir zur Seite gehen und führt dich himmelan.“ – Leise, getragen und mit viel Empathie singt der Mädchenchor am Essener Dom die Zeilen aus dem Choral „Gott wohnt in einem Lichte“ von Jochen Klepper. Mit diesem Trost, der aus diesen Worten spricht, schließt das Oratorium „Nikolaus Groß“, das am Freitagabend in der Mercatorhalle Duisburg uraufgeführt wurde. Als der letzte Ton verklingt, ist es im wahrsten Sinne des Wortes totenstill im Konzertsaal. Die Ergriffenheit der über 1000 Zuhörer ist spürbar. Und es dauert lange, bis sich die ersten Hände zum Beifall rühren. Keine Bravo-Rufe, aber ein lang anhaltender, sich steigernder und dankbarer  Beifall, der der künstlerischen Leistung gilt. Viele können es offensichtlich noch gar nicht fassen, was sie in den fast 90 Minuten der Uraufführung erlebt haben.

Es ist allein schon der „Stoff“ des von Stefan Heucke im Auftrag des Bistums Essen komponierten Oratoriums, der es in sich hat. Denn im Mittelpunkt steht der Katholik, Bergmann, Gewerkschafter, Journalist und Vater von sieben Kindern: Nikolaus Groß. Er war aktiv im Widerstand gegen Hitler und die Nationalsozialisten, weil er deren Politik nicht mit seinem katholischen Glauben vereinbaren konnte. Im Januar 1945 richteten ihn die Nationalsozialisten hin. Vor zehn Jahren hat Papst Johannes Paul II. ihn selig gesprochen. Wie in einem Zeitraffer zieht im Oratorium das Leben des Widerstandskämpfers an einem vorbei: Angst und eine nicht zu erschütternde Hoffnung, das Menschen verachtende System des Nationalsozialismus und Standhaftigkeit, Zivilcourage und Glaubenstreue – das sind die Gegensatzpaare, die sich durch das Oratorium ziehen. Auf eindrucksvolle Weise ist es dem Librettisten, dem Historiker Dr. Clemens Heucke, gelungen, dem Zuhörer das Leben des Katholiken und die Person Nikolaus Groß so „dicht“ nachzuzeichnen.

„Es ist eine sehr dramatische, bildhafte und farbenreiche Musik“, so Generalmusikdirektor Graham Jackson, unter dessen Leitung das Oratorium uraufgeführt wurde. Heuckes Komposition sei nicht „brechend modern“. Sie sei zwar schon moderne Musik, aber „zugleich sehr vertraut“.


Da poltert der NS-Pöbel durch den Choral

„Es gibt keinen Zweiten, der wie Stefan Heucke in der Lage ist, einen solchen Stoff in einer Komposition umzusetzen“, so das Lob von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert, Schirmherr der Uraufführung, nach dem Konzert. Für ihn sei es ein „sehr überzeugender Weg“, aus Schriften, Briefen und Bibel eine Biografie nachzuzeichnen, die sie „gleichzeitig exemplarisch macht“. Wenn die Zeit – wie im Nationalsozialismus – aus den Fugen gerate, dann würden auch vertraute Kompositionstechniken aus den Fugen geraten. „Dann poltert eben auch der NS-Pöbel durch den Choral“, so Lammert, der von einem „denkwürdigen und grandiosen Abend“ spricht.
Er erinnert an die Rede des Papstes im Deutschen Bundestag, an dessen Hinweis auf Recht und Gerechtigkeit als Grundlage eines jeden Staates. Keine andere Überzeugung habe Nikolaus Groß damals offen und mutig vertreten. „Er gehört zu den Frauen und Männern, die im Scheitern erfolgreich waren, und zwar nicht nur, weil sie durch ihre Haltung und ihren Mut dem Ansehen des Landes gedient, sondern dem Land auch Orientierung gegeben haben“, betont der Bundestagspräsident. Ein Neuanfang nach der NS-Zeit sei nur möglich gewesen, weil es Frauen und Männer gegeben habe, die nicht resigniert hätten. Das Oratorium verdiene es, Verbreitung zu finden. „Möge es dazu beitragen, dass das Zeugnis des engagierten Staatsbürgers Nikolaus Groß  zu einer Orientierung für uns alle wird“, ist der Wunsch von Lammert.

Das ist auch der Wunsch von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck: „Durch Text und Musik berührt möge uns das eindrucksvolle Glaubenszeugnis des Seligen bestärken und Mut sowie Zuversicht vermitteln, in unserer Zeit glaubwürdige Zeugen für Gott und das Leben zu sein.“ Er sei allen dankbar, die die Verwirklichung dieses Oratoriums möglich gemacht hätten.


Ein beeindruckendes Gedächtnis

Auch nach dem Konzert wirkt das gerade Erlebte nach. So mancher sucht nach Worten, die Eindrücke zu schildern. „Ich bin jetzt noch sehr überwältigt“, sagt Bernhard Groß, einer der Söhne von Nikolaus Groß. Das Oratorium sei ein „äußerst beeindruckendes Gedächtnis“ an seinen Vater. Beim Zuhören sei ihm wiederholt deutlich geworden, „dass wir Kinder Teil dieser Geschichte sind“. Er sei allen unendlich dankbar für dieses „eindrucksvolle und ergreifende Oratorium“.

Sichtlich beeindruckt ist auch der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Karl Janssen, nach Ende des Konzertes. „Ich muss das erst noch verarbeiten, weil mich die Geschichte tief bewegt“, gibt er offen zu. Die Musik habe in eindrucksvoller Weise die Dramatik der Handlung widergespiegelt. „Wir werden dieses Oratorium auch noch in 100 Jahren hören“, davon ist Janssen überzeugt. Und er ist außerordentlich dankbar, dass dieses Werk in Duisburg seine Uraufführung erleben durfte.

300 Seiten Partitur hat er geschrieben, in einem Guss. Die musikalische Umsetzung seiner Komposition lobt Stefan Heucke in höchsten Tönen: „Ein fantastisches Ergebnis, danke, dass ihr meine Ideen so wahnsinnig toll umgesetzt habt.“ Und er meint damit seine „Wunschsolisten“ Caroline Melzer (Sopran), Tilman Lichdi (Tenor), Sebastian Noack (Bariton) und Sami Luttinen (Bass) genauso wie die Duisburger Philharmoniker, den Philharmonischen Chor Duisburg (Einstudierung: Marcus Strümpe), den Mädchenchor am Essener Dom (Einstudierung: Professor Raimund Wippermann und Mathias Staut) und nicht zuletzt Dirigent Graham Jackson.

Zu hören ist das Oratorium noch einmal am Sonntag, 9. Oktober, 20.00 Uhr, in der Philharmonie Essen, Huyssenallee 53, 45128 Essen. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

Von der Uraufführung in Duisburg demnächst eine CD herausgegeben. (do)

Begrüßung von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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