Die Menschen begleiten und ihre Wunden heilen

Nicht „vergangene Herrlichkeiten“ zu beschwören, sondern Menschen den Weg zu Gott zu zeigen, dazu rief Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Festgottesdienst in der Christkönigskathedrale in Kattowitz auf. Mit einer kleinen Delegation besuchte er die polnische Diözese, mit der das Ruhrbistum seit 20 Jahren partnerschaftlich verbunden ist.


Bischof Overbeck besuchte das Partnerbistum Kattowitz

Die Welt, die Kirche wie auch das Bistum Essen machen große Wandlungsprozesse durch. Das unterstrich Bischof Dr. Franz Josef Overbeck am Sonntag, 3. November, im Festgottesdienst in der Christkönigskathedrale in Kattowitz/Polen, den er gemeinsam mit Erzbischof Wiktor Skworc feierte. „Die vielen Menschen, die unter anderem aus Schlesien und anderen Teilen Polens in unser Bistum kamen, die Globalisierung und Digitalisierung, die Welt des Internets und der fast absoluten Erreichbarkeit und auch die Welt der Freiheit haben die Lage verändert: Wir alle sind Suchende geworden“, sagte Overbeck, der mit einer kleinen Delegation das Erzbistum Kattowitz besuchte, mit dem das Ruhrbistum seit 20 Jahren partnerschaftlich verbunden ist.

Lange Zeit sei das Bistum Essen durch Kohle und Stahl, durch die Arbeiter in den Zechen und Stahlwerken und ihre Familien geprägt worden. „Doch es ist eine Welt, die heute in großen Teilen untergegangen ist“, so Overbeck. Die Bischöfe von Essen würden „Ruhrbischof“ genannt. Diese Bezeichnung meine nichts anderes, als dass der Bischof „zu den Berg- und Stahlarbeitern sowie zu allen Menschen der Region des Bistums Essen“ gehöre. „Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben“, betonte Overbeck. Aber die Bedingungen veränderten sich heute nahezu vollständig. Damals sei es für die meisten Menschen selbstverständlich gewesen, katholisch zu sein und das Leben der Gemeinden und Pfarreien zu prägen. „Heute sind es wenige“, so der Bischof. Seit Gründung des Bistums Essen sei die Zahl der Katholiken von rund 1,5 Millionen auf 840.000 gesunken. Gab es einst 250 Pfarreien, seien es heute 43.


Menschen suchen nach Sinn, Zuneigung, Nähe und Geborgenheit

„Doch auch heute leben wir die gleiche Kirche wie zu Zeiten der Gründung des Ruhrbistums im Jahre 1958, aber doch vollständig anders“, unterstrich Overbeck. Es gebe so viele Menschen, „die nach Sinn, Zuneigung, Nähe, nach Geborgenheit und Heilung in so vielen Veränderungen und oft schwierigen Lebensverhältnissen“ suchten. Die Botschaft der Kirche bekomme deshalb einen „neuen Klang“. Diese Botschaft brauche überzeugte, wache gläubige Menschen, brauche das Ja-Wort zur Vielfältigkeit des Lebens in all seinen Schattierungen sowie die Einsicht, dass Christen „ewig Lernende“ seien.

Papst Franziskus habe in einem Interview das einfache und prägende Programm für das Leben und die Aufgabe der Kirche folgendermaßen beschrieben: „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Man muss ganz unten anfangen.“ Es gehe also darum, so Bischof Overbeck, Menschen zu begleiten und ihre Wunden zu heilen. „Dabei ist bei dem anzufangen, was verloren ist, was keiner mag, weder an sich noch an der Gesellschaft und Gemeinschaft, weder an der Kirche noch an anderen Institutionen und gesellschaftlichen Größen unserer Zeit“, betonte der Bischof. Der Papst rufe dazu auf, eine Kirche zu sein, „die fähig ist, aus sich heraus zu denen zu gehen, die nicht zu ihr kommen, die ganz weggegangen oder die gleichgültig sind“.

Overbeck rief dazu auf, nicht traurig nach hinten zu blicken und „vergangene Herrlichkeiten“ zu beschwören. Die Partnerschaft zwischen dem Erzbistum Kattowitz und dem Bistum Essen  verstehe er als einen gemeinsamen Weg. „Wir können uns gegenseitig zeigen, wie wir im Namen Jesu die Menschen suchen, damit sie Rettung und Heil erfahren, wie wir Nähe und Verbundenheit leben, wie es uns gelingt, Wunden zu heilen“, sagte der Bischof. Die Christen hätten den „einfachen und doch so herausfordernden Auftrag“, den Menschen Wege zu Gott zu zeigen, der die Menschen suche. Denn keiner solle verloren gehen. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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