Die Kirche im Bistum Essen formiert sich neu

250 geweihte Männer des Bistums Essen trafen sich zum „Tag der Priester und Diakone“ und diskutieren über ihre Rolle in einer pluralen Welt.

250 geweihte Männer des Bistums Essen trafen sich zum „Tag der Priester und Diakone“ und diskutieren über ihre Rolle in einer pluralen Welt.

Die Kirche ändert sich und mit ihr der Priesterberuf: Ihr öffentlicher Einfluss wird geringer, es mangelt an Priester- und Ordensnachwuchs, aber zugleich formiert sich unter deutschen Christen zaghaft eine Neubewegung, die auch im Zukunftsbild des Bistums Essen ihren Ausdruck findet. Angesichts dieser Entwicklungen diskutierten die geweihten Männer des Bistums Essen am vergangenen Montag, 11. Januar, dem „Tag der Priester und Diakone“, über die Voraussetzungen, unter denen sie selbst künftig ihre Rolle in der Kirche einnehmen können. Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck nutzte die Gelegenheit, seine Priester und Diakone darin zu ermutigen, dass die Kirche in der pluralen Welt mehr Möglichkeiten als früher habe und daher frei und souverän improvisieren könne. Dabei sei sie gut beraten, auch das wahrzunehmen, was ihr außerhalb der eigenen Institution gesagt werde.

Als Impulsgeber diente den im Tagungshotel Franz in Essen-Steele versammelten rund 250 Priestern und Diakonen an diesem Tag der Bielefelder emeritierte Soziologieprofessor Dr. Franz-Xaver Kaufmann. Aus dessen Sicht des außenstehenden Beobachters hängt der Institution Kirche nach wie vor der Klerikalismus des 19. Jahrhunderts mit seinem institutionell verfestigten Kirchenverständnis an. Zugleich suchten die Menschen aber individuell nach Sinn und fänden Gott nicht mehr unbedingt in den Kirchen. Dennoch, so Kaufmann, orientiere sich die öffentliche Moral nach wie vor stark am Christentum, zum Beispiel wenn es um den Schutz Armer und Schwacher gehe oder um die Verurteilung von Gewalt. Die Menschen diskutierten moralische Fragen heute allerdings eher unter dem Gesichtspunkt ihrer Folgen, nicht mehr auf der Basis kirchlicher Prinzipien. Kaufmanns Fazit: „Die Zukunftsfähigkeit des Christentums ist nicht allein an den Kirchen festzumachen.“

Das Zukunftsbild des Bistums Essen „Du bewegst Kirche“ hält Kaufmann für eine bemerkenswerte diözesane Initiative, um nicht nur den Klerus, sondern vor allem kirchliche Laien zu mobilisieren. Stärkere Laien-Verantwortung könne allerdings auf ordinierte Priester verunsichernd wirken. Würde die priesterliche Rolle reduziert auf die eines „Funktionärs in
Sakramentenverwaltung“ ohne persönlichen Kontakt zu den Gläubigen – so eine Stimme aus dem Plenum –, sei der Beruf für junge Menschen nicht mehr attraktiv.

Die Hauptaufgabe, darin waren Referent und Zuhörer sich einig, liege darin, junge Menschen für Ehrenämter oder Berufe in der Kirche zu gewinnen. Hier müssten sich mehr Interessierte jenseits der Gruppe traditionsgeprägter Katholiken angesprochen fühlen. Es sei zu beobachten, dass sowohl unter den gut 1.000 Theologiestudierenden an der Universität Bochum als auch unter den 3.200 Nachwuchstheologen der Uni Münster nur ein Bruchteil einen Job in der Kirche anstrebten – die meisten wollten ins Lehramt.

Um das Feld der Interessierten zu erweitern, sei es eine auch im Bistum Essen bereits praktizierte Möglichkeit, Jugendlichen, aber auch zum Beispiel Brautpaaren oder Tauf-Familien im zeitlich überschaubaren Rahmen gute Kontakte zu Seelsorgern und intensive religiöse Erlebnisse zu ermöglichen. „Denn ohne soziale Nähe kann der Glauben nicht weitergegeben werden“, resümierte Kaufmann.

In der großen Runde seiner Mitbrüder im Hotel Franz nutzte der Essener Stadtdechant Dr. Jürgen Cleve als Gastgeber die Gelegenheit, dem im Dezember neu gewählten 15-köpfigen Priesterrat für seine Bereitschaft zu danken, Fragen rund um das geistliche Amt in den Blick zu nehmen und den Bischof darin zu beraten. Ein Dank ging auch an Diakon Michael Nieder, der seine Aufgabe als Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat beendet, um künftig die Gemeinde Herz Jesu in Ennepetal zu leiten. (cs)

Den Vortrag von Prof. Franz-Xaver Kaufmann können Sie hier herunterladen.

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse