„Die gute gemeinsame Gesprächskultur erhalten"

Mit einem Treffen in Würzburg am heutigen Freitag und morgigen Samstag endet nach fünf Jahren der bundesweite Gesprächsprozess „Im Heute glauben“.

Nach fünf Jahren endet der bundesweite Gesprächsprozess

Mit einem Treffen in Würzburg wollen die katholischen Bischöfe nach fünf Jahren den von ihnen angestoßenen Gesprächsprozess „Im Heute glauben“ zur Zukunft der Kirche abschließen. Bei der Zusammenkunft am heutigen Freitag und dem morgigen Samstag soll laut Angaben der Deutschen Bischofskonferenz ein Abschlussbericht diskutiert und verabschiedet werden, der Inhalte und Verlauf der Gespräche zusammenfasst. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Frage nach Konsequenzen aus den Begegnungen, die im Jahr 2010 unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals angeregt worden waren, um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen.

An der zweitägigen Versammlung in Würzburg nehmen rund 300 Repräsentanten kirchlichen Lebens in Deutschland teil, darunter mehr als 30 Bischöfe – unter ihnen auch Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Er hat den Gesprächsprozess in den vergangenen Jahren zusammen mit Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, und Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück koordiniert. Das Treffen in Würzburg steht unter dem Motto „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. Das Zitat stammt von Papst Benedikt XVI. und war das Leitwort seiner Reise nach Deutschland im September 2011. Zugleich erinnert das Treffen an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren. Das Konzil hatte kirchliche Reformen eingeleitet.

Den Austausch auch über Würzburg hinaus fortsetzen

Bereits im Vorfeld betonten alle Seiten, den Austausch auch über Würzburg hinaus fortsetzen zu wollen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Dienstag vor der Bundespressekonferenz in Berlin, er erhoffe sich von dem Dialogprozess einen „Schub“ für eine bessere Gesprächskultur. „Für die Zukunft der Kirche brauchen wir ein intensiveres, offeneres Miteinander von Priestern und Laien“, so Marx.

Ähnlich äußerte sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Zwischen Bischöfen und Laien sei das Vertrauen gewachsen, sagte ZdK-Präsident Alois Glück der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Bischöfe hätten festgestellt, dass die mitunter kritisch gesehenen „Reformkatholiken“ gar nicht so revolutionär seien, sondern sich ihrer Kirche sehr verbunden fühlten. Die Laien wiederum hätten erkannt: „Bischöfe sind nicht einfach eine geschlossene Gruppe, die patriarchalisch denkt.“ Für die Delegation des Bistums Essen in Würzburg formulierte Diözesanrats-Vorstand Dirk Tänzler: „Die gute gemeinsame Gesprächskultur muss erhalten bleiben.“

Auch Erzbischof Robert Zollitsch, der als damaliger Vorsitzender der Bischofskonferenz den Anstoß zu der Initiative geben hatte, zog in einem Interview der KNA ein positives Fazit. Wie sein Nachfolger, Kardinal Marx, halte er fest: Das Würzburger Treffen sei „kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt“. Die Gespräche zwischen Laien und Bischöfen gingen weiter.

Früchte des Gesprächsprozesses

Als Früchte des „Dialogprozesses“ gelten unter anderem die jüngsten Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht, neue Debatten über den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen, aber auch viele Initiativen auf Bistumsebene wie etwa der Dialog- und Zukunftsbild-Prozess im Bistum Essen oder die Synode im Bistum Trier. Hoffnungen auf eine erste gesamtdeutschen Synode hatte Kardinal Marx im vergangenen Jahr gedämpft. Es sei „jetzt nicht der Zeitpunkt, über eine Synode für Deutschland zu reden“, sagte er der KNA. In Würzburg hatte zwischen 1971 und 1975 ein solches Treffen von Vertretern aller westdeutschen Bistümer stattgefunden. (KNA/tr)


Interview mit Dirk Tänzler

Der Duisburger Dirk Tänzler, Vorstandsmitglied im Diözesanrat der Männer und Frauen im Bistum Essen, hat den bundesweiten Gesprächsprozess „Im Heute glauben“ von Beginn an begleitet und fast alle Stationen miterlebt. Auch in Würzburg ist er Teil der Essener Bistums-Delegation. Vor dem Abschluss zieht er im Interview eine erste Bilanz.

Herr Tänzler, nach fünf Jahren endet am Wochenende der bundes-weite Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz. Wie sieht Ihre bisherige Bilanz aus?
Der Prozess – zu dem ja nicht nur die jährlichen Treffen gehören, sondern auch die Katholikentage und weitere Veranstaltungen – hat dazu beigetragen, dass es eine neue Gesprächskultur innerhalb der Kirche gibt. Bischöfe, weitere Kleriker sowie haupt- und ehrenamtliche Laien aus nahezu allen Bereichen der Kirche haben sich auseinandergesetzt mit der aktuellen Lage der Kirche in Deutschland. Dies klingt zunächst nach wenig, bietet aber für die weitere Zusammenarbeit riesige Chancen. Das häufige Gegeneinander ist einem konstruktiven Miteinander gewichen. Die Weiterentwicklung der Grundordnung für den kirchlichen Dienst ist für mich ein konkretes Beispiel dafür.

Auch im Bistum Essen hat es in den vergangenen Jahren einen intensiven Dialogprozess gegeben. Haben sich diese beiden Entwicklung gegenseitig beeinflusst?
Ich denke ja. Ursprünglich sollte es in jedem deutschen Bistum einen eigenen Dialogprozess geben – so intensiv wie im Ruhrbistum mit dem Dialog „Zukunft auf katholisch“ und der Dialog-Initiative „Auf!RuhrBistum – Kirche gestalten. Jetzt!“ des Diözesanrats ist dies längst nicht überall umgesetzt worden. Zudem ist Bischof Overbeck nicht nur für den Dialogprozess in unserem Bistum zuständig, sondern zusammen mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, und Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück als Mitglieder der Steuerungsgruppe auch für den bundesweiten Gesprächsprozess „Im Heute Glauben“. Seine Erfahrungen und die unserer Delegation in den jeweiligen Sitzungen sind immer wieder ins Ruhrbistum zurückgeflossen – und umgekehrt. Dieses „Voneinander-lernen“ ist ein weiteres positives Beispiel für den gesamten Prozess.

Mit dem Forum am Wochenende endet der bundesweite Gesprächs-prozess. Wie muss es aus Ihrer Sicht nun weitergehen?
Die gute gemeinsame Gesprächskultur muss erhalten bleiben. Eine Ver-einzelung der Kräfte in unserer Kirche hilft niemandem. Nutzen wir unsere bestehenden Strukturen wie die Katholikentage oder die gemeinsame Konferenz von Vertretern der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, um die Situation der Kirche zu reflektieren und gemeinsam so zu handeln, dass wir die Botschaft Jesu in der säkularen Gesellschaft wach halten. (tr)

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