Die „Goldene Madonna“ zum Anfassen

Auf den ersten Blick erscheint es unmöglich, ja unwirklich: Eine Gruppe blinder und sehbehinderter Menschen war jetzt zu Gast in der Essener Domschatzkammer. Für sie wurde der Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Keine Berührungsängste bei Mitgliedern der Essener Blindenvereinigung

Eine Führung der ganz besonderen Art erlebten acht blinde und sehbehinderte Menschen sowie ihre ehrenamtlichen Begleiter von der Bahnhofsmission in der Essener Domschatzkammer. Die Goldene Madonna ertasten? Das hat bisher noch keiner gedurft. Und das durfte auch diese Besuchergruppe nicht. Aber die Kopie des Andachtsbildes, die das Aalto-Theater der Domschatzkammer im vergangenen Jahr als  Leihgabe übergeben hatte, konnten die blinden Besucher behutsam anfassen und begreifen.

Rainer Teuber, der  die Geschichte und Bedeutung des wertvollsten Schatzes des Ruhrgebietes erläuterte, hatte im museumspädagogischen Raum der Domschatzkammer sehr aufmerksame Gäste vor sich. Dass die Goldene Madonna etwas Besonderes ist, das wussten sie alle. Doch dass sie zu den ältesten Skulpturen des abendländischen  Mittelalters zählt und das früheste vollplastische Marienbild ist, das war manchen doch neu. Und die Vollplastizität war dann auch mit Händen zu greifen. Muttergottes und Jesusknabe wurden ebenso erfühlt wie Thronsessel, Heiligenschein und Apfel. Gleichfalls zum Anfassen stand die mit Samt ausgeschlagene Holzkiste bereit, mit der die Marienfigur in den 1950er-Jahren zu verschiedenen großen Ausstellungen transportiert wurde.

Zustande gekommen war die Führung auf Initiative der Domschatzkammer. „Ich habe mich gefreut, dass meine Idee bei der Blindenvereinigung Essen auf spontanes Interesse gestoßen ist. Wir werden im Jahr eine Spezialführung für Mitglieder der Blindenvereinigung anbieten. Für das nächste Jahr könnte der Altarfries im Essener Dom das Thema sein, “ so Dr. Ina Germes-Dohmen von der Domschatzkammer.

Rainer Teuber freut sich schon jetzt auf die nächste Führung mit den blinden Besuchern. „Ich habe selten eine aufmerksamere und interessiertere Besuchergruppe gehabt“, so der erfahrene Dom- und Schatzführer. Und zudem sei auch er bereichert nach Hause gegangen, denn er habe selbst manches begriffen, was er bislang bei aller Anschaulichkeit nicht erkannt habe.

Auch andere Gruppen blinder oder sehbehinderter Menschen können dieses Angebot nutzen. Informationen unter 0201-2204-412. (gedo/do)

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